Rekordgewinn

Steve Jobs ist tot. Aber Apple lebt. Und wie!

Apple legt einen unglaublichen Rekordgewinn hin: Nie hat ein Unternehmen aus der Welt der Technologie oder des Internets so viel Geld verdient wie der iPhone-Hersteller.

Von Thomas Heuzeroth

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Höher ließe sich die Latte kaum hängen: Mit schwindelerregenden Zahlen aus dem Weihnachtsgeschäft hat der iPhone-Hersteller Apple seine Konkurrenten überrascht. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres verkaufte Apple 37 Millionen iPhones – mehr als doppelt so viele wie in den drei Monaten davor.

Schlimmer noch für die Konkurrenz: Hätten die Zulieferfabriken in China mehr Geräte ausspucken können, wäre die Zahl noch höher gewesen. „Wir haben nicht hoch genug getippt“, sagte Apple-Chef Tim Cook entschuldigend bei der Vorlage der Bilanz.

Dem Technologiekonzern aus Cupertino in Kalifornien wird derzeit alles aus der Hand gerissen, was er in die Regale der Läden legt. Die Kunden kaufen, als gäbe es kein Morgen. Das gilt für fast alles, auf das der Hersteller sein Logo mit dem angebissenen Apfel klebt.

Sogar das flache iPad fand mehr als 15 Millionen neue Nutzer, fast 40 Prozent mehr als im Vorquartal. Dabei rechnen Beobachter mit der nächsten – noch besseren – Tablet-Version im März. Aber darauf warten will offenbar niemand. Trotz des Ansturms auf das iPad schaffte es Apple, den Verkauf seiner Mac-Computer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel zu steigern.

Das ist erstaunlich, weil immer mehr Menschen sich anstelle eines neuen Notebooks ein Tablet kaufen. Zwar erkennt auch Apple, dass die iPad-Verkäufe an den Mac-Absätzen knabbern. „Wir glauben aber weiter daran, dass die Kannibalisierung bei Windows-PCs durch das iPad viel größer ist“, sagte Apple-Chef Tim Cook bei der Vorlage der Zahlen. Und: „Wir lieben diesen Trend.“

Apple scheint derzeit wie eine Maschine, die nicht mehr aufzuhalten ist. Das jüngste Quartal – übrigens das erfolgreichste in der 36-jährigen Unternehmensgeschichte – ist nur ein weiterer Beweis dafür. Der Umsatz sprang fast um drei Viertel in die Höhe auf mehr als 46 Milliarden Dollar (35 Milliarden Euro).

Erstmalig hat Apple damit den Technologieriesen Hewlett-Packard (HP) überholt. Doch Apples Zahlen stellen praktisch alle Technologie- und Internet-Unternehmen in den Schatten. Im vergangenen Quartal hat sich der Gewinn auf mehr als 13 Milliarden Dollar schlichtweg mehr als verdoppelt. Damit hat Apple mehr verdient, als der Suchmaschinen-Riese Google überhaupt umsetzt. Und auch Microsoft schafft beim Gewinn gerade einmal die halbe Summe. „Wir könnten nicht zufriedener sein“, sagte Cook.

Für den neuen Chef war das Weihnachtsgeschäft eine Bewährungsprobe. Nachdem im Oktober der Apple-Gründer Steve Jobs nach langem Krebsleiden verstorben war, fragten Investoren, ob Apple auch ohne Jobs funktioniere. Nun hat Cook bewiesen, dass es geht.

Der neue Chef ist auch überzeugt davon, dass er das Wachstumstempo halten kann. „Ein Produkt zieht das andere nach“, sagt er. Wer das iPhone nutzt, ist auch für andere Apple-Geräte empfänglich, so die Strategie.

Tatsächlich fordern immer mehr Nutzer sogar von ihren Unternehmen, die Handys und Computer aus Cupertino einzusetzen, allein die Mitarbeiter des deutschen Softwarekonzerns SAP haben 14.000 iPads im Einsatz. „Es wird der Tag kommen, an dem mehr Tablets als PCs verkauft werden“, prophezeite Cook. Im vergangenen Quartal hätten sich Tablet-Computer in den USA bereits besser verkauft als Desktop-PCs.

Apple hat es mittlerweile geschafft, die Zahl der Geräte, auf denen das mobile Betriebssystem iOS läuft, auf mehr als 300 Millionen zu heben, dazu zählen das iPhone, iPad und der iPod-touch-Player. Damit garantiert der Hersteller seinen Entwicklern eine Nutzerzahl, die das Programmieren von Anwendungen zunehmend attraktiv macht.

Der AppStore umfasst inzwischen mehr als eine halbe Millionen dieser Anwendungen, die den Geräten neue Funktionen beibringen können, was wiederum neue Käufer anzieht. Mit Ausnahme von Google hat kein Konkurrent bisher eine annähernd kritische Masse erreichen können.

Google verschenkt sein Handy-Betriebssystem Android an Hersteller wie Samsung, HTC oder LG. Nur zusammen gelingt es ihnen, einen Gegenpol zu Apple in dieser Industrie zu schaffen. Innerhalb der Mobilfunkwelt hat diese Situation zu großen Verschiebungen geführt.

Nokia und Blackberry haben das Nachsehen

Der finnische Handy-Hersteller Nokia verliert schnell Marktanteile und hat sich in die Arme von Microsoft begeben, dessen Betriebssystem Windows Phone künftig die Nokia-Smartphones speist. Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) ist weitestgehend mit sich selbst beschäftigt, hat gerade die Führung ausgewechselt und ist ebenfalls dabei, ein neues Betriebssystem einzuführen.

Zuletzt wurden Amazon die größten Chancen zugesprochen, dem iPad etwas entgegensetzen zu können. Der Online-Händler hatte noch vor Weihnachten den Verkauf eines eigenen Tablets mit der Bezeichnung „Kindle Fire“ gestartet, das kleiner ist als das iPad und mit 200 Dollar auch deutlich weniger kostet als das Apple-Tablet, das in der einfachsten Version für 500 Dollar verkauft wird.

Ähnlich wie Apple verbindet auch Amazon das Gerät mit Inhalten wie Musik, Videos und Bücher. „Ich habe auf die Zahlen geschaut, nachdem Amazon sein Kindle Fire in den USA herausgebracht hat. Ich habe keine Ausschläge nach oben oder unten gesehen“, sagte Cook.

Natürlich hängt das Wachstumstempo von Apples Innovationskraft ab. Steve Jobs wurde die Fähigkeit zugeschrieben, seine Entwickler bis an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit zu motivieren. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass Apple hier nachlassen würde. Nach der wahrscheinlichen Präsentation der nächsten iPad-Generation im März erwarten Beobachter ein neues iPhone im Herbst.

Aussagen zu künftigen Produkten macht Apple grundsätzlich nicht. Allerdings verriet Jobs vor seinem Tod seinem Biografen Walter Isaacson Pläne für einen Fernseher, der noch in diesem Jahr erwartet wird: „Er wird die simpelste Bedienung haben, die man sich vorstellen kann. Ich habe das am Ende geknackt.“

Zuletzt hatte Apple in der vergangenen Woche seine Pläne für den Einstieg in den Bildungsmarkt bekannt gegeben. Gemeinsam mit den wichtigsten Schulbuchverlagen in den USA will das Unternehmen Lehrbücher auf das iPad bringen – und daran mitverdienen. Sollte das gelingen, wird das iPad zum Standardgerät in Schulen und Universitäten.

Für das weitere Wachstum hat Apple schier unbegrenzte Möglichkeiten. Schon jetzt blockt der Konzern enorme Kapazitäten in den Fabriken seiner Auftragsfertiger in China. Apple ist wie kein anderes Unternehmen in der Lage, große Chargen von Speichern oder Displays für sich zu reservieren.

Und sollte sich der Konzern entscheiden, Firmen einzukaufen, was er in der Vergangenheit jedoch nur zögerlich gemacht hat, so stehen ihm dafür fast 100 Milliarden Dollar zur Verfügung. Dividenden aber will Apple immer noch nicht zahlen. Anteilseigner sind aber auch so glücklich: Am Mittwoch hat Apple beim Börsenwert Exxon Mobil überholt – und war damit das teuerste Unternehmen der Welt.