Test

Neue Smart-TVs können mehr als nur Fernsehen

Noch nie gab es Fernseher mit so vielen Extras für so wenig Geld. Im Test: die günstigsten Smart-TVs – Fernsehgeräte mit Internetzugang und mehr.

Digital-TV plus HDTV und Internetzugang – diese Ausstattung für deutlich unter 1000 Euro bei einem Fernseher mit einem Meter Bildgröße? Was vor einem Jahr noch undenkbar war, ist in diesem Testfeld Standard.

Die Internetfunktionen klingen verlockend: Fotos von Picasa, Videos von Youtube, Beiträge aus den Mediatheken der TV-Sender und Leihfilme von Internetvideotheken sollen sich bequem am Fernseher anschauen lassen. Für die Smart-TVs stellt jeder Hersteller eine eigene Auswahl speziell für Fernseher aufbereitete Internetseiten zusammen.

Zusätzlich gibt's die Internetextras der TV-Sender mit Mediathek, Programmvorschau und verbessertem Videotext. Einige Modelle können zwar auch beliebige Internetseiten anzeigen, aber wegen umständlicher Navigation und zu kleiner Schrift aus typischer Fernseh-Entfernung macht das nur wenig Spaß.

Um die Internetfunktionen zu nutzen, müssen die Smart-TVs per Netzwerkkabel am Internet-Router andocken. Drahtlos per WLAN klappt das nur mit einem extra WLAN-Adapter (ab 40 Euro).

Wer hat das beste Internetangebot?

- Toshiba : Am wenigsten smart ist der RL838G mit seinem mageren, aber umständlich zu bedienenden Internetangebot. Die einzige verfügbare Videothek Viewster liefert nur wenige Filme (ab 2,49 Euro), HD-Filme gibt's gar nicht. Immerhin lassen sich Fotos von Flickr und Videos von Youtube anschauen. Tipp: Die "Quick"-Taste der Fernbedienung führt ohne Umwege zu Internet-funktionen, USB- und Netzwerk-Wiedergabe.

Für Sat-Zuschauer ist die günstige RL838G-Serie keine gute Wahl - sie hat als einzige im Test keinen Sat-Empfänger eingebaut.

- LG : Auch bei der LW579S-Serie führt eine Abkürzung ("Premium"-Taste) am unübersichtlichen Hauptmenü vorbei ins Internet. Die Auswahl ist nicht groß, aber interessant. Klasse für Filmfreunde: Die Maxdome-Videothek mit Filmen ab 3 Euro, in HD ab 4 Euro.

- Panasonic : Die ST33-Serie ist mit ihrem übersichtlichen Menü einfach bedienbar, die Internetauswahl eher dürftig: Hier gibt's kein HbbTV und weniger attraktive Videotheken wie Acetrax (HD-Filme ab 4 Euro) und Docufilms.

- Sony : Praktisch für Film- und Musik-Fans ist die EX525-Serie, denn Video Unlimited bietet eine gute Film-auswahl ab 3 Euro und in HD ab 4 Euro. Klassikfreunde freuen sich über Konzerte der Berliner Philharmoniker (48-Stunden-Ticket 9,90 Euro, Monats-Ticket 14,90 Euro).

TapeTV zeigt kostenlos Musikvideos in guter Qualität. Und per Music-Unlimited-Abo (ab 5 Euro/Monat) liefert der Sony Wunschmusik nonstop. Schön: Das Sony-Menü sortiert die Internetangebote übersichtlich nach Video, Foto und Musik.

- Samsung : Ähnlich umfangreich ist die Internetauswahl bei der auffallend flachen D5700-Serie: Hier gibt's ebenfalls die Berliner Philharmoniker und Gratis-Musikvideos in wählbaren Stilrichtungen. Von den Videotheken ist hier vor allem Maxdome interessant. Gut: Ein Druck auf die "Smart"-Taste serviert direkt ein übersichtliches Internetmenü.

- Philips : Die umfangreichsten Internetfunktionen bringt die 5806K-Reihe mit: So gibt's von Videociety eine kleine HD- und 3D-Filmauswahl (ab 4 Euro) sowie etliche Infodienste und Internetradio in einem übersichtlichen Menü mit individuell sortierbarer Reihenfolge.

- Sharp : Das Internetangebot der LE632E-Serie ähnelt dem von Philips, ist für Film-Freunde aber enttäuschend: Hier gibt's nur die mager bestückte Viewster-Videothek (Filme ab 2,49 Euro) – ohne HD-Filme. Das Infoangebot mit Nachrichten, Wetterbericht und Internetradio ist dagegen umfangreich.

Anleitungen für Gedächtnisakrobaten

Ärgerlich angesichts der Funktions-vielfalt: Die meisten Hersteller sparen sich eine vollständige gedruckte Anleitung. Stattdessen ist die Anleitung im TV-Menü oder beim Sharp auf einem USB-Stift. Das heißt: Man muss die Anleitung am TV-Bildschirm aufrufen, den gewünschten Punkt suchen, sich die Beschreibung merken, die Anleitung schließen und den entsprechenden Einstellpunkt im Menü finden – viel zu kompliziert.

Panasonic und Samsung machen's besser: Panasonic setzt – wie früher allgemein üblich – auf eine gedruckte Anleitung. Samsung integriert die Anleitung zwar auch im Menü, das aber gekonnt: Aus der Anleitung gelangt man mit einem Tastendruck direkt zum gewünschten Einstell-Punkt und ebenso leicht zur Anleitung wieder zurück.

Nur zwei zeigen 3D-Filme

Langsamer als die Internetextras setzt sich 3D durch . Nur die Modelle von Panasonic und LG können auch räumliche Bilder zeigen, setzen aber auf unterschiedliche 3D-Systeme. Die leichten Polbrillen von LG gleichen Kino-3D-Brillen. Damit gab's flimmerfreie Bilder mit toller Tiefenwirkung, allerdings nicht perfekter Detailschärfe. Das gelang dem Panasonic-Plasma besser. Er benötigt dafür aber schwerere Shutter-Brillen mit Batteriebetrieb.

Klasse: Auf beiden Fernsehern sieht das Bild selbst schräg von der Seite noch richtig gut aus - auch in 2D. Mit herkömmlichen Filmen und TV-Sendungen zeigten die Testmodelle von Philips und Sharp noch etwas knackigere Bilder und natürlichere Farben - von Sparmaßnahmen zugunsten der guten Ausstattung keine Spur.

Fazit: LG erringt den Testsieg, denn der Hersteller hat das Konzept "mehr als nur Fernsehen" einfach am besten umgesetzt. Mit tollen Internetextras und 3D macht Fernsehen gleich viel mehr Spaß. Obendrein stimmt die Qualität, und die LW579S-Serie kostet kein Vermögen: Das 80-Zentimeter-Modell gibt's für gerade mal 699 Euro.

HBBTV – mehr als nur ein neuer Videotext

HbbTV holt Internetangebote der TV-Sender auf den Bildschirm. Voraussetzung ist eine schnelle Internetverbindung ab 6 MBit/s (DSL 6000). Ein Druck der roten Fernbedienungstaste startet HbbTV.

Programm

Vom Startmenü aus führt ein Druck auf die grüne Taste der Fernbedienung direkt zur Programmvorschau. Sie zeigt neben Sendezeiten kurze Beschreibungen und Fotos. Lässt sich das Startmenü nicht aufrufen, schalten Sie im TV-Menü "HbbTV" oder "Datendienst" ein.

Mediathek

Das Archiv des laufenden Senders mit einer Auswahl bereits ausgestrahlter Sendungen kommt nach einem Druck auf die gelbe Taste auf den TV-Schirm. Leider gibt's oft nur wenige Eigenproduktionen wie Serien und Reportagen. Gut: Die Tagesschau-Mediathek mit Hintergrundberichten.

Videotext

Ein Druck auf die blaue Taste holt Videotext auf den Schirm, der mit schärferer Schrift besser lesbar ist als der alte Videotext. Außerdem kann er auch Fotos beinhalten. Die Rubriken und Seitenzahlen sind wie beim alten Videotext geblieben, das erleichtert die Orientierung.

Tipp: Ein weiterer Druck auf die blaue Taste der TV-Fernbedienung führt ins Einstellmenü für den Videotext. Dort lassen sich die Schriftgröße sowie Größe und Darstellungsart des Videotext-Fensters festlegen. Mit einem Druck auf die OK-Taste geht's wieder zurück zum Videotext.

Ärgerlich: Krücke USB-Aufnahme

Viele Fernseher nehmen Digital-TV per USB-Festplatte auf. Die Einschränkungen sind aber groß:

- HD+ oder Sky-Programme lassen sich nicht aufnehmen, nur bis 90 Minuten zeitversetzt ansehen.

- Aufnahmen sind nur mit dem TV-Gerät abspielbar, das die Sendungen auch aufgenommen hat.

- Werbung löschen und Aufnahmen kopieren geht nicht.

- Philips: Zeitgesteuerte Aufnahmen funktionieren nur, wenn der Philips am Internet angeschlossen ist. Eine Sofort-Aufnahme fehlt.

- Sony: Der EX525 bietet zwar eine Sofort-Aufnahme, aber kein zeitversetztes Fernsehen.

- LG: Bei LG muss man sich entscheiden: Ist HbbTV (siehe unten) im Menü aktiviert, funktioniert die USB-Aufnahme nicht.

Quelle: Audio Video Foto Bild. Mehr zum Thema finden Sie in der Audio Video Foto Bild, Ausgabe 2/2012.