Elektronikkette

Bei Saturn ist jetzt überhaupt nichts mehr geil

Die Elektronikkette Saturn will sich nicht mehr über den Preis, sondern das Produkt definieren. "Geiz" und "geil" verschwinden aus dem Wortschatz.

Von Hagen Seidel

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Erst war Geiz geil. Dann erklärte Saturn der staunenden Kundschaft, dass plötzlich geil geil sei – warum auch immer. Und jetzt ist gar nichts mehr geil in der Werbung der Elektronikhandelskette. Ab sofort stellt die Metro-Tochter die Technik, die sie verkauft, in den Mittelpunkt ihrer Reklame und nicht mehr nur den Preis.

Diese Schnäppchenpreise galten nach Überzeugung vieler Kunden ohnehin nur für einen sehr kleinen Teil des Saturn-Sortiments. Ab heute propagiert die Kette, die einst mit der Kampagne „Geiz ist geil“ heftige Kontroversen ausgelöst hatte, in Presse, Funk und Fernsehen: „Soo! muss Technik“.

„Der neue Claim ist humorvoll, aber nicht Klamauk-artig“, sagte Carsten Strese, Geschäftsführer der Saturn Management GmbH, Morgenpost Online. Freunde der deutschen Sprache und ihrer korrekten Grammatik indes dürften sich am neuesten Spruch ähnlich stoßen wie einst die Geiz-Gegner am berühmt-berüchtigten Vorgänger.

„Der Ursprung unseres Unternehmens war die Technikbegeisterung. Das unterstreichen wir in der neuen Kampagne wieder stärker“, sagt Strese. „Unsere Kunden kommen schließlich wegen der Technik zu uns.“ Und das hat Saturns Werbeagentur Scholz&Friends in einem zweiten Spruch zusammengefasst: „Weil neue Technik besser ist.“

Das wird in den Spots wortlos demonstriert. In einem etwa sieht man die berühmte Szene mit dem Wagenrennen aus „Ben Hur“ samt jubelndem Publikum. Doch dann kommt von hinten das Raketenauto aus dem 20. Jahrhundert angerauscht – weil neue Technik besser ist …

Saturn will Image als Technikhändler betonen

„Mit dieser Art von Filmchen bietet sich ein unendlich großes Spielfeld. Für Weihnachten, Ostern oder die Fußball-Europameisterschaft werden wir uns etwas ganz Besonderes ausdenken“, verspricht Strese. Scholz&Friends hatte für Saturns Kampagne zum 50-jährigen Firmenbestehen in diesem Jahr bereits die jüngste Kampagne „Geil ist geil“ mit dem amerikanischen Boxkampfansager Michel Buffer produziert.

Bei den Jubiläums-Spots war es noch vor allem um Sonderangebote und die Steigerung des Abverkaufs von Ware gegangen. Mit den Nachfolgern tut Saturn auch etwas für sein Image als Technikhändler und damit für seinen Markenwert.

Das überrascht nicht, nachdem die Schwesterfirma Media-Markt, die wie Saturn zum Metro-Konzern gehört, vor einigen Wochen mit ihrem skurrilen und ungewöhnlich langen TV-Spot das „Ende des Preiswahnsinns“ ausgerufen hat. Auch Media-Markt („Ich bin doch nicht blöd“) hatte vor der Kehrtwende jahrelang versucht, Kunden vor allem mit „Tiefstpreisen“ zu locken. „Saturn und Media-Markt sind auch in ihren Marketing- und Werbeaktivitäten vollkommen unabhängig. Beide Marken haben unterschiedliche Werbeagenturen“, sagt Strese über die Konkurrenz im eigenen Haus. Media-Markt hat den Scholz-Konkurrenten Ogilvy&Mather engagiert.

In der neuen Werbestaffel verzichtet Saturn weitgehend auf bisher unverzichtbar scheinende Worte wie „billig“ und „Preis“ . Letzterer kommt erst am Ende des Spots ins Spiel: beim jeweiligen Produktangebot, etwa einer Kamera im Start-Filmchen. Die Frauenstimme im Hintergrund indes bleibt dieselbe wie bisher. Auch die Schrift im Spot erkennt der Fernsehzuschauer und Anzeigenleser als die von Saturn wieder. Ebenso wie den Hinweis auf den erst im Oktober gestarteten Onlineshop von Saturn .

Der ist offenbar gut angelaufen. „Der Start war besser als erwartet, wir sind sehr zufrieden“, sagte Strese. Von Tagesumsätzen in sechsstelliger Euro-Höhe ist in der Branche zu hören. „Der genannte Wert ist nicht ganz falsch“, sagt Strese dazu. Die Hälfte der Onlinekunden lasse sich die Ware aber nicht ins Haus schicken – sondern hole sie im Geschäft ab.