Deutsche Telekom

Wie Obermann den US-Ausstieg begründet

Die Telekom zieht sich vom US-Markt weitgehend zurück. Morgenpost Online hat bei Konzernchef René Obermann nach den Gründen gefragt.

Von Thomas Heuzeroth

Morgenpost Online: Herr Obermann, mit dem Verkauf des US-Geschäftes verliert die Telekom ein Viertel ihres Umsatzes. Ist das der Beginn eines großen Schrumpfkurses?

René Obermann: Wenn man erstens 39 Milliarden Dollar erzielt und damit 14 Milliarden Dollar über den Kapitalmarktschätzungen liegt, die man uns als Wert für das Unternehmen in den USA zugebilligt hat, ist das ein sehr gutes Geschäft. Zweitens bleiben wir mit acht Prozent bei AT&T engagiert und können so an der Entwicklung des mobilen Internets in den USA teilhaben. Und drittens haben wir jetzt unsere drei Sorgen in Großbritannien, Polen und nun USA gelöst. Nun gilt es vor allem, in die modernen Netze zu investieren.

Morgenpost Online: T-Mobile war über lange Zeit der Wachstumsmotor des Konzerns. Diese Option fehlt ihnen in Zukunft.

Obermann: Es geht doch nicht nur um Größe, sondern um Werthaltigkeit und das, was wir für unser eingesetztes Kapital zurückbekommen. Da haben wir in den USA eine sehr gute Lösung gefunden. Jetzt investieren wir in unsere Wachstumsfelder.

Morgenpost Online: Sie meinen damit das mobile Internet und andere Dienste.

Obermann: Ja. Umsatz allein ist kein Erfolgskriterium, wenn das nicht zu einer entsprechenden Rentabilität führt.

Morgenpost Online: In den USA verkaufen sie das Geschäft an den größten Telekom-Konzern des Landes. Warum sollten die Wettbewerbsbehörden das eigentlich mitmachen?

Obermann: Die Kombination von AT&T und T-Mobile ist ein sinnvolles Zusammengehen für den Markt. Auf diese Weise lässt sich eine Verfügbarkeit mit mobilem Breitband von 95 Prozent der Bevölkerung sicherstellen. Das hätte keiner der beiden Partner allein geschafft. Und das ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft in den USA.

Morgenpost Online: Sie sind künftig mit acht Prozent größter Einzelaktionär von AT&T. Was haben Sie mit Ihrem Anteil vor?

Obermann: Die erfolgreiche Umsetzung der Transaktion erwarten wir für die erste Jahreshälfte 2012. Wir sind erst einmal froh, dass wir an der Wertsteigerung mit unserem Acht-Prozent-Anteil teilnehmen können.

Morgenpost Online: Wann kommt die Zeit für größere Zukäufe?

Obermann: Sie werden mich nicht in diese spekulative Ecke treiben. Wir sind dabei, die Telekom in ihrem Profil zu verändern. Damit haben wir genug zu tun.

Morgenpost Online: Bleibt die Telekom langfristig ein europäischer Anbieter?

Obermann: Wir sind in über 30 Märkten aktiv, auch mit IT- und Netzdientsleistungen und anderen Angeboten. Viele dieser Dienste bieten wir auch in Zukunft international an. Es ist nicht unser Interesse, einen engstirnigen geografischen Fokus auf ewige Zeiten zu halten.