Simulation

Bei "From Dust" dürfen Sie Gott spielen

Gebirge anhäufen, Seen erschaffen, Leben retten – In der Simulation "From Dust" darf sich der Spieler in Gott verwandeln. Und das ist gar nicht so leicht.

Gott zu sein – das wäre was, oder? Es gäbe die 20-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Deutsche Bahn wäre pünktlich. Und Drittligist Rot-Weiß Oberhausen könnte sich im Sommer 2014 die Meisterschale ins Vereinsheim hängen. Herrlich.

Wenn da nur nicht diese verdammten Verpflichtungen wären. Verantwortung für ein Volk übernehmen beispielsweise. Und genau um diesen arbeitsreichen Teil des Gottseins dreht sich alles in Ubisofts Strategiespiel „From Dust“. Unglaublich, aber wahr: Das Schuften macht Laune!

„From Dust“ ist ein sogenanntes Sandkastenspiel. In der Funktion des Übervaters verändern Sie die Beschaffenheit eines übersichtlichen Spielgebietes nach Belieben. Sie heben oder senken den Boden, gefrieren Wasser zu Eis, verpflanzen Vegetation oder erschaffen mittels Meerwasser kleine Seen auf dem Festland.

Das alles erledigen Sie mithilfe eines kleinen, wuselnden Geistes, den Sie mit dem Gamepad beziehungsweise der Maus steuern. Die Arbeit verrichten Sie natürlich nicht zum Spaß: Auf der Inselwelt lebt ein kleines Volk, das es zu schützen gilt.

Nicht jede Aktionsmöglichkeit steht Ihnen gleich zu Beginn eines Levels zur Verfügung. Um an die Fertigkeiten zu gelangen, müssen fünf Abgesandte Ihres Völkchens Steinblöcke anbeten. Bis zu vier dieser Megalithen – und somit bis zu vier Fertigkeiten – haben die Schöpfer in jede Stufe eingebaut.

Erst wenn Ihre Diener alle Säulen lobpreisen, taucht irgendwo auf der Karte ein Ausgang auf. Um den Abschnitt abzuschließen, schicken Sie Ihre Untertanen dorthin. Das ist leichter gesagt als getan, denn dieser Weg ist zumeist steinig ...

Sie steuern das Stammesvolk indirekt: Ein Klick auf einen Steinblock oder den Ausgang reicht aus, schon wuseln fünf Untergebene wie die Lemminge brav zum Gebet. Anfangs jedenfalls. Denn mit der Zeit gestaltet sich der Weg zum Ziel deutlich schwieriger.

Immer wieder sind Pfade verbaut. Wasser, Feuer oder Lava versperren die Reiseroute. Dann legen Sie Flussläufe trocken, indem Sie künstliche Staudämme bauen. Sie löschen mit Wasser lodernde Feuer. Oder Sie senken Gebirge ab, um einen Lavastrom umzulenken.

Auch die Götter haben es eilig

So weit, so entspannt. Hektik kommt erst auf, wenn ein am oberen Bildschirmrand eingeblendeter Zähler heruntertickt. Nun haben Sie es mit einer waschechten Naturkatastrophe zu tun! Mit einem Tsunami oder einem Vulkanausbruch. Doch ein echter Gott meistert auch brenzlige Situationen mit links: Irgendwo auf der Karte haben die Entwickler eine Spezialfähigkeit versteckt.

Eine sich drehende Markierung über einem Stein zeigt die Position an. Dorthin schicken Sie den Dorfältesten. Der betet sogleich den Klotz an – und erhält den rettenden Zauber. Ist er damit in die Siedlung zurückgekehrt, zeigt sich schnell die Wirkung: Magie schützt die kleine Welt vor dem Untergang. So fließen Wasser- oder Lavaströme an Ihrem Dorf vorbei.

Richtig knifflig gestaltet sich das Gottspielen, wenn sich die Beschaffenheit des Spielfeldes ändert. Wenn sich Bodenplatten in regelmäßigen Abständen senken oder heben, bekommen Sie graue Haare – versprochen! Wo eben noch ein Weg war, klafft im nächsten Augenblick eine unüberwindbare Felswand.

Fieser noch: Durch die Veränderung des Terrains setzt Lava gern mal einen ganzen Wald in Brand. Im schlimmsten Fall rollt die Feuerwalze auch über Ihr Dorf. Game over! Gräben ziehen, Sand aufschütten, Seen erschaffen, Flüsse umlenken, Wälder abholzen: Überlegen Sie sich rechtzeitig eine passende Strategie, um die Katastrophe zu verhindern.

Apropos Wald: Die Vegetation spielt eine große Rolle in „From Dust“. So existieren in der Welt neben einem Mischwald und Gräsern drei Gewächsarten, die der Entwickler mit teils ungewöhnlichen Eigenschaften ausgestattet hat: ein feuerspeiender Baum, ein explosiver Busch und eine wasserspeichernde Kakteenart.

Diese Gewächse lassen sich im weiteren Spielverlauf an eine beliebige Stelle auf der Karte verpflanzen. Setzen Sie die individuellen Eigenschaften der Gewächse strategisch klug ein – und behalten Sie das Grünzeugs unbedingt im Auge! Ein Beispiel: Den feuerspeienden Baum benötigen Sie, um den explosiven Busch zu entzünden.

Mit dieser krachenden Kombination sprengen Sie Löcher in Bergketten und eröffnen Ihrem Völkchen neue Pfade. Doch der Feuerbaum birgt Gefahren: Steht er zu dicht an einem Waldgebiet, breitet sich rasend schnell eine Flammensäule aus, die sich kaum stoppen lässt. Setzen Sie das Gewächs also besser in die Wüste, wenn Sie es nicht benötigen. Oder pflanzen Sie einen Wasserkaktus unmittelbar neben den Feuerbaum, um den Brand gleich beim Ausbruch im Keim zu ersticken.

Fazit: Stets kurzweilig, nie vorhersehbar, manchmal hektisch, selten leicht: „From Dust“ bietet spielerisch alles, was eine vollwertige Simulation ausmacht. Und das zum Schnäppchenpreis von 15 Euro. Klasse! Das Fehlen einer tiefgründigen Geschichte vermissen Hobby-Gottheiten nie – der zauberhafte Look und die brillante Atmosphäre fesseln Sie bis zum Schluss. Auch der Umfang stimmt: Es vergehen mindestens sechs Stunden, bis Ihr Völkchen den letzten der 13 Ausgänge anbetet. Zusätzlich bietet „From Dust“ einen Herausforderungsmodus: Auf 30 Karten buddeln, türmen, sprengen und wässern Sie gegen die Zeit.

Ein gottgleiches Spiel also? Nicht ganz. Gegnerische Stämme, ein Editor, ein Mehrspielermodus und feindliche Götter fehlen dem Titel noch zum absoluten Top-Hit. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: So hatte Kult-Spieledesigner Eric Chahi („Another World“, „Heart of Darkness“) bereits im vergangenen Jahr einen Multiplayer-Modus als Download-Erweiterung in Aussicht gestellt – sofern sich das Spiel gut verkauft. Schlagen Sie also zu!

Erscheinungstermin: 27. Juli 2011 für Playstation 3 und Xbox 360. Die PC-Fasssung folgt am 17. August 2011. Der Titel ist ausschließlich als Download-Spiel über die Online-Plattformen Steam, Playstation Network und Xbox Live erhältlich.

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Quelle: Computer Bild.

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