Konjunktur

Stimmung in der Chip-Branche ist am Kippen

Trotz IT-Boom klagen vor allem die Chiphersteller über zögerliche Kunden. Etliche Konzerne verbuchen deutliche Umsatzeinbußen.

Der US-Chiphersteller Texas Instruments (TI) bekommt die Zögerlichkeit verunsicherter Kunden zu spüren. Wegen der ungewissen Wirtschaftsentwicklung bestellten Abnehmer aus der Computer- und Elektronikbranche weniger Halbleiter als sonst zu dieser Zeit, teilte der Infineon-Rivale mit.

Die Chips der Amerikaner kommen in diversen Produkten vom Handy bis zum Auto zum Einsatz. Der in einem ähnlichen Feld tätige Konzern STMicroelectronics verschreckte die Branche, indem er seine Wachstumsprognose für den Chipmarkt herunterschraubte. Der britische Entwickler ARM, der auf Chips für mobile Geräte spezialisiert ist, profitierte dagegen weiter vom Boom der Smartphones und Tablet-PCs. In dieser Woche gibt Infineon Einblick ins dritte Quartal.

Texas Instruments zeigte sich für das laufende Quartal vorsichtig und musste im zweiten Vierteljahr einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen. Die Hersteller warteten dieses Jahr noch mit der Fertigung von Geräten ab, die für die traditionell gute Verkaufssaison nach den Sommerferien bestimmt sind, sagte TI-Finanzvorstand Kevin March.

TI könne aber die Chip-Produktion kurzfristig hochfahren, sollte sich die Nachfrage verbessern. Die gegenwärtige Konjunkturskepsis in Europa und den USA werde sich nicht unbedingt auf das Weihnachtsgeschäft auswirken. „Ich glaube nicht, dass dieses Jahr gar keine Geschenke unter dem Baum liegen“, sagte March.

Für das laufende Quartal kalkuliert TI mit einem Umsatz zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Dollar. Am Markt wurden im Schnitt 3,6 Milliarden Dollar erwartet. Im zweiten Quartal verdiente TI 672 Millionen Dollar nach 769 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz lag mit 3,46 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen von Analysten. Die TI-Aktie legte nachbörslich einen Hauch zu.

Der französisch-italienische Chip-Produzent STMicro geht davon aus, dass der Markt dieses Jahr kaum noch wachsen dürfte. ST kalkuliere jetzt mit einer Rate von null bis fünf Prozent, sagte Konzernchef Carlo Bozott. Bisher war ST von einem Plus von fünf bis acht Prozent ausgegangen.

Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, der eigene Umsatz könne im laufenden Quartal um bis zu fünf Prozent niedriger ausfallen. W egen der schwächeren Nachfrage sei die Produktion an einigen Standorten bereits zurückgefahren worden. ST wurde von der Misere der finnischen Nokia in Mitleidenschaft gezogen. Nokia hat mit der Konkurrenz des iPhone-Herstellers Apple zu kämpfen. ST-Papiere brachen fast zehn Prozent ein.

Gerade die Geschäftsverbindungen zu solchen Smartphone-Herstellern kommen dagegen ARM zugute. ARM steigert seinen Vorsteuergewinn im zweiten Quartal um ein Viertel. Der Umsatz zog um 18 Prozent an. Für das Gesamtjahr sieht sich ARM trotz Anzeichen rückläufiger Verbraucherausgaben – vor allem im Vorweihnachtsgeschäft – in der Spur. Die von ARM entwickelten Chips stecken in vielen mobilen, internetfähigen Geräten wie dem iPhone. Das Chip-Design wird von Unternehmen wie Samsung Electronics, Qualcomm und auch TI genutzt.

Ein Lichtblick der Branche auf der anderen Seite des Atlantik war zum Wochenbeginn Broadcom. Der unter anderem auf Bluetooth-Chips für Mobilgeräte spezialisierte übertraf mit seinem Quartalsgewinn die Markterwartungen.

Auch die Umsatzprognose kam bei Investoren gut an: Im nachbörslichen Handel sprang der Kurs der Broadcom-Aktie mehr als acht Prozent in die Höhe. Das Unternehmen, das Chips für Handys, Tablet-Computer, Modems und Spielekonsolen herstellt, dämpfte mit seinem Quartalsbericht Befürchtungen, dass die Nachfrage wichtiger Kunden nachlässt.

( Reuters/tat )