Actionspiel

"Metro 2033" sorgt für Panik vor dem Monitor

Angst und Schrecken im Untergrund: In "Metro 2033" muss sich der Spieler in postapokalyptischen U-Bahnschächten gegen Monster und Mutanten zur Wehr setzten. Das Actionspiel überzeugt mit einer dichten Atmosphäre und tollen Gruselmomenten. Weniger gelungen sind jedoch die monotonen Ballerpassagen.

Der U-Bahnschacht öffnet seinen dunklen Schlund. Gas- und Staubwolken wabern wie Nebel durch das Gewölbe, aus einem verrosteten Rohr dringen Flüsterstimmen. Diffuse Schatten huschen durchs Zwielicht. Zusammen mit Ihrem Gefährten Khan setzen Sie sich in Bewegung. Er mahnt: „Sei vorsichtig, Artyom! In diesen Schacht trauen sich seit Jahren keine Menschen mehr. Selbst Mutanten und Ratten meiden ihn.“

Wenig später ist klar, warum. In einem Waggon beobachten Sie ein bizarres Schattenspiel: Das Zerrbild eines Kindes taucht im Kegel Ihrer Lampe auf, es ruft nach seiner Mutter. Kahn flüstert energisch: „Meide die Schatten!“ Hinter dem Jungen windet sich eine Gestalt durch ein Fenster. Ihr Puls rast. Sie drücken sich an die Wand. Das Schattenmonster folgt dem Kind und fällt es von hinten an. Schreie. Ein greller Lichtblitz beendet das Schauerspiel – vorerst.

Der Schauer auf dem Rücken

Den meisten Spielern stehen nach solchen Szenen die Nackenhaare zu Berge. In diesen Momenten dreht „Metro 2033“ auf. Die Entwickler wissen, welche Reize sie beim Zocker ansprechen müssen, um seine Ängste zu wecken. Lichtmangel, Schattenspiele, deftige Soundeffekte, tolle Musikuntermalung und das beklemmende Drumherum der U-Bahn verleihen Abschnitten wie dem Geisterschacht ihren Gruselfaktor. Später steigert sich dieser Grusel zur Panik. In einigen Passagen drehen Sie sich wie wild um die eigene Achse, wechseln nervös zwischen Waffe und Kompass, beleuchten jede Ecke mit Ihrer Lampe. Immer die Fratze des nächsten Mutanten vor Augen.

Feuergefechte ohne Feuer

„Metro“ setzt Sie aber nur in einigen Passagen derart unter Druck. Oft ballern Sie sich in monotonen Feuergefechten den Weg durch die U-Bahnschächte frei, stellen sich Mutantenmassen oder feindlichen Untergrundbewohnern. Der größte Kritikpunkt dabei: Besonders Letztere verhalten sich im Kampf wenig clever. So suchen Banditen bisweilen nicht hinter, sondern vor einer Mauer Deckung, verweilen minutenlang an einer Stelle oder wanken Ihnen genau vor die Flinte.

Das Angriffsschema der Monster ist berechenbarer: Die – oft sehr ähnlichen – Viecher stürmen zu 90 Prozent in Rudeln auf Sie zu. Für etwas Abwechslung sorgen Abschnitte, in denen Sie mit einer Lore durch die Tunnel rattern oder schleichend Ihre Widersacher ausschalten.

Schöner Müll

Teilweise entschädigt die gelungene Optik des Titels für die mauen Ballerpassagen. Auf einem schnellen Rechner mit aktueller Grafikkarte erstrahlt die ranzig-schöne U-Bahnwelt in besonders hoher Qualität. Aber auch auf älteren PCs oder der Xbox 360 kommt der Stil des Titels gut rüber. Dank detailverliebter U-Bahnschächte, Stationen und weitläufiger Außenareale zeichnet „Metro 2033“ ein glaubwürdiges Bild der postapokalyptischen Zukunft.

Sowjet-Zubehör Marke Eigenbau

Dieses Bild unterstreicht Artyoms Tunnel-Zubehör. Das spiegelt den Improvisations-Druck der Metro-Bewohner wider. So laden Sie etwa alle paar Minuten den Akku Ihrer Lampe durch steten Tastendruck. Oder Sie füllen den Drucklufttank Ihres Scharfschützengewehres – ebenfalls durch rhythmisches Tastengekloppe. Beim Blick auf den Kompass holt Artyom eine speckige Ledermappe raus, ein Feuerzeug dient in dunklen Abschnitten als Leselampe.

Eindruck: Ein Spiel, zwei Gesichter. „Metro“ überzeugt mit einer grandios-beklemmenden Gruselatmosphäre, sorgt vereinzelt für panikartige Zustände vor der Mattscheibe. Die U-Bahnwelt ist detailverliebt gestaltet, alles wirkt authentisch – wie aus einem Sowjet-Endzeit-Guss. „Metro 2033“-Buchautor Dmitry Glukhovsky – maßgeblich am Entwicklungsprozess beteiligt – hinterlässt hier deutlich seine Spuren.

Weniger gut präsentieren sich die Ballerpassagen: Die Auseinandersetzungen mit einfach gestrickten Computersoldaten und oft gleichförmigen Mutantenmassen drücken den Spielspaß merklich – denn Sie greifen deutlich häufiger zur Schusswaffe, als dass Sie sich mit Taschenlampe bewaffnet durch Gruselabschnitte zittern.

Erscheinungstermin „Metro 2033“: 16. März 2010 für PC und Xbox 360.

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Quelle: Computer Bild.

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