Mobile World Congress

Diese Trends revolutionieren die Handy-Welt

Kaum etwas verändert sich derzeit so rasant wie die Mobilfunk-Branche. Schauen Sie doch mal, wozu Ihr nächstes Handy alles imstande sein wird.

Foto: AP (2), LG / AP (2), LG/Manu Fernandez,

Die Mobilfunk-Branche trifft sich in Barcelona zum Mobile World Congress. Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 1,6 Milliarden Mobiltelefone verkauft. Das war knapp ein Drittel mehr als 2009. Knapp jedes fünfte verkaufte Mobiltelefon (19 Prozent) war 2010 ein Smartphone. 2009 lag der Anteil bei 15 Prozent. Eine Auswahl der aktuellen Trends aus der boomenden Branche.

Smartphones: Smartphones sind eine Kombination aus Mini-Computer und Handy. Dank schnellerer Chips werden Smartphones immer mehr zu internetfähigen Computern. LG Electronics setzt bei seinen neuen Smartphones auf die dritte Dimension, schnelle Doppelkernprozessoren und das Betriebssystem Android. "Xperia Play", das neue Multimedia-Handy von Sony Ericsson, hat statt einer ausziehbaren Tastatur die Bedienelemente einer Konsole. Über die Plattform Playstation Suite können Nutzer auf mobile Spiele zugreifen.

"Nokia wird einen sehr starken Start haben", sagte Microsoft-Manager Achim Berg in Barcelona. Nokia hatte angekündigt, das Microsoft-Betriebssystem für seine Handys zu übernehmen, stellte aber noch kein neues Modell vor. Berg kündigte auch eine neue Version des Smartphone-Betriebssystems Windows Phone an.

Samsung hat das Galaxy S neu aufgelegt. Die zweite Generation des Gerätes hat einen 4,3-Zoll-Bildschirm mit Super-Amoled-Technologie, eine Kamera mit acht Megapixeln Auflösung und einen Doppelkernprozessor.

Tablets: Zahlreiche Hersteller zeigten neue Tablet-PCs: Samsung präsentierte eine neue Version seines Tablet-PCs Galaxy Tab, der als schärfster Konkurrent für den Vorreiter Apple mit seinem iPad gilt. Der Bildschirm des Gerätes ist gut zehn Zoll groß und damit größer als das erste Galaxy Tab, das sieben Zoll maß. Das iPad hat eine Diagonale von 9,7 Zoll. Der Samsung-Tablet-PC verfügt über zwei Kameras.

LTE: Das rasante Wachstum der Datenmenge durch die Verbreitung von Smartphones verlangt nach mehr Leitungskapazität. Deshalb sollen die heutigen UMTS-Netze auf den schnelleren Standard LTE (Long Term Evolution) umgestellt werden. LTE erlaubt höhere Übertragungsraten. Das schnellste Testnetz soll auf eine Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde kommen - 1000 Mal schneller als herkömmliches DSL. Jedes Smartphone erzeugt 24 Mal soviel Datenverkehr wie ein normales Handy. Die Netzwerkfirma Cisco sagte für 2015 eine Steigerung der Datenmenge auf das 26-fache voraus.

Android: Android ist ein Smartphone-Betriebssystem, das der Internet-Konzern Google mit Partnern entwickelt hat. Es ist quelloffen, alle Hersteller dürfen es nutzen. Die Vielzahl der Anbieter und Modelle hat dazu beigetragen, dass Android Ende 2010 die Führung im Smartphone-Markt übernahm. Die Versionen haben "essbare" Namen wie "Gingerbread" (Lebkuchen) oder "Honeycomb" (Honigwabe).

Apps: Die neuen Geräte sind Mini-Computer, auf denen alle möglichen Programme laufen können - Spiele, Bildbearbeitung, angepasste Versionen von Zeitungen oder Wetterinfos. Diese Apps sind ein schnell wachsendes Milliardengeschäft. Vorreiter war der US-Konzern Apple, der im Sommer 2008 einen App Store für sein iPhone startete. Inzwischen gilt das Angebot an Apps als entscheidend für den Erfolg einer Smartphone-Plattform.

Amoled: Die Amoled-Technologie ermöglicht eine neue Art von Bildschirmen mit organischen Materialien. Die Abkürzung steht für "Active Matrix Organic Light Emitting Diode". Ein Vorteil: Amoled-Pixel lassen sich extrem schnell umschalten, was eine fließende Video-Wiedergabe ermöglicht. Zudem liefern sie kontrastreichere Bilder mit besserer Farbwiedergabe.

GPS: GPS steht für Satelliten-Navigationssystem, inzwischen Standardausstattung jedes Smartphones. Die Geräte können so den Aufenthaltsort des Nutzers erkennen und ihn mit spezieller Software an sein Ziel lotsen. Oder er bekommt ortsbezogene Werbeangebote.

Ortsbezogene Dienste: Vor ein paar Jahren wurde noch über das Potenzial lokaler Dienste diskutiert, heute sind sie Realität. Läden und Restaurants geben Verbrauchern Rabatte, wenn sie bei ihnen per Handy "einchecken". Handy-Nutzer können über Foursquare, Facebook oder Google Latitude sehen, wo sich ihre Freunde aufhalten, wenn diese das wollen.

Roaming: Wenn ein Handy nicht im Heimatland des Besitzers betrieben wird, werden Roaming-Gebühren fällig. In Europa versucht die EU-Kommission seit Jahren, sie durch Regulierung zu drücken. Vor allem bei Datenübertragung können immer noch beträchtliche Summen anfallen. Nach dem Konkurrenten Vodafone will nun auch die Deutsche Telekom die Datennutzung mit dem Smartphone auf Reisen ins Ausland verbilligen.

NFC: Ob Fahrkarte, Parkuhr oder der Einkauf im Supermarkt - alles soll bald per Smartphone bezahlt werden können. Dafür wird unter anderem die NFC-Technik für kontaktlose Verbindungen zwischen Geräten auf kurzer Entfernung in Handys eingebaut. Es gibt auch Einsteck-Module zum Durchziehen von Kreditkarten.

Die Technik (Near Field Communication) erlaubt die kontaktlose Verbindung zwischen einem Lesegerät und einer Karte oder einem Mobiltelefon. Jetzt soll der Durchbruch mit mobilen Bezahldiensten kommen. Die Vision: Man braucht nur sein Handy an die Kasse zu halten, schon sind Supermarkt-Einkauf oder Tankfüllung bezahlt.

Augmented Reality: Rechenstarke Smartphones mit Satellitennavigation und schnelle Netze machen es möglich, direkt in das Bild der Handy-Kamera zusätzliche Informationen einzublenden. Das können Infos zur Geschichte eines Bauwerks sein oder ein Wegweiser, der sich auf dem Handy-Bildschirm direkt auf das Live-Bild der Straße legt.