Cataclysm

Bei World of Warcraft ist nichts mehr, wie es war

Verkaufsstart für "Cataclysm": Die Erweiterung stellt das "World of Warcraft"-Universum auf den Kopf. Und das ist auch dringend nötig.

Kataklysmus ist ein wunderschönes, fast vergessenes Wort. Es beschreibt beispielsweise den Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier aussterben ließ – also eine Katastrophe epischen Ausmaßes, was wiederum weniger schön ist. Doch momentan freuen sich weltweit mehr als zwölf Millionen Menschen auf so einen Kataklysmus. Denn am Dienstag soll Azeroth komplett auf den Kopf gestellt werden – die Heimatwelt des PC-Rollenspiels „World of Warcraft“ wird laut Drehbuch der am 7. Dezember erscheinenden Erweiterung „Cataclysm“ von einem übel gelaunten Drachen namens „Todesschwinge“ zerstört. Es ist der Versuch der US-amerikanischen Software-Schmiede Blizzard, ein sechs Jahre altes Spiel attraktiv zu halten. Und schon jetzt ist eigentlich klar: Der Versuch wird Erfolg haben.

Um diesen Erfolg zu verstehen, muss man das Spiel verstehen. World of Warcraft, kurz WoW, ist ein Rollenspiel, bei dem die Nutzer als Fabelwesen wie Orks und Nachtelfen oder als Menschen Aufgaben erledigen müssen. Teilweise alleine, teilweise aber auch mit anderen Spielern. Diese Interaktion ist das Erfolgsrezept von WoW. In der virtuellen, comichaften Onlinewelt muss niemand sein wahres Gesicht zeigen, niemand achtet auf das Äußere. Echte Mediziner, Polizisten und Schüler lassen ihre Avatare gemeinsam Abenteuer – sogenannte Quests – erleben.

WoW ist einer Daily Soap ähnlich. Es läuft jeden Tag, auch wenn der Spieler nicht eingeloggt ist. Ein echtes Ende oder Ziel gibt es nicht. Natürlich nicht, denn Blizzard generiert nicht mit dem Verkauf der Software, sondern mit der Abo-Gebühr (60 Tage kosten 23 Euro) Umsatz. Dass den Gamern nicht langweilig wird, dafür sorgen neben der virtuellen Interaktion mit immer anderen Menschen auch ständige Veränderungen der WoW-Welt. Alle paar Wochen werden neue Aufgaben gestellt oder Landschaften sanft verändert.

Cataclysm aber ist neu. Es bringt nicht nur etwas mit, sondern zerstört und verändert das Antlitz des Spiels. Seit einigen Wochen rumort es bereits in der virtuellen WoW-Welt. Zerstörung und Anarchie machen sich breit. „Cataclysm wird Azeroth signifikant verändern“, sagt Jay Allen Brack, Chefentwickler von WoW. „40 Prozent der Quests im Spiel sind brandneu, es gibt große Veränderungen in der Landschaft.“ Aber auch in der Spieldynamik gibt es Veränderungen: „Das Game ist jetzt sechs Jahre alt. Die Technologie, die uns heute beispielsweise für Quests zur Verfügung steht, ist um einiges besser als am Anfang von WoW. Außerdem sind wir bessere Geschichtenerzähler geworden“, sagt Brack.

Bislang konnten die Spieler ihren Charakter beispielsweise durch das Lösen von Aufgaben bis auf Erfahrungsstufe 80 hochzüchten, ab Dienstag ist erst bei 85 Schluss. Das bringt neue Fähigkeiten und Talente mit sich. Außerdem können zwei neue Völker gespielt werde: die Worgen und die Goblins. Archäologie kommt als neuer Berufszweig hinzu. Neuer Bigboss ist der Drache Todesschwinge.

Pillepalle – ist mir doch egal, werden Nicht-WoWler sagen. Für alle anderen bricht diesen Dienstag ihre wohlbekannte Welt zusammen. Und es könnte nichts Schöneres geben. „Am 7. Dezember werde ich hoffentlich selbst in Azeroth unterwegs sein“, sagt Jay Allen Brack. Er ist aber auch ein wenig angespannt. „Wir werden die Spieler beobachten und schauen, dass alles funktioniert. Wenn alles in Ordnung ist, werde ich mich selbst einloggen und eine Runde spielen.“ Auch Chefentwickler Brack freut sich wie ein Schneekönig auf das neue Spielerlebnis, auf den Kataklysmus.

Und sollte die Erweiterung wider Erwarten floppen, konnte Blizzard zumindest dem schönen, fast vergessenen Wort Kataklysmus zu einer Renaissance verhelfen.

World of Warcraft: Cataclysm, Blizzard, ab rund 30 Euro – Basisspiel sowie beide vorherigen Erweiterungen notwendig.