"The Daily"

Murdoch will mit erster iPad-Zeitung punkten

Rupert Murdoch startet die erste reine iPad-Zeitung. Für "The Daily" wurden in den USA Spitzenkräfte angeworben. Das Abo soll besonders günstig sein.

Foto: AFP

In dem an schillernden Persönlichkeiten nicht armen Mediengewerbe sticht Rupert Murdoch heraus. Der 79-Jährige hat sein eigenes Fernsehimperium aufgebaut, irrlichternde Zeitungsredaktionen auf Vordermann gebracht und mit jedem US-Präsident von Harry Truman bis zu Barack Obama persönlich geplaudert. Zu seiner News Corporation gehören das „Wall Street Journal“, die Londoner „Times“ und die Lokalgazette „New York Post“. Wenn Rupert Murdoch also sagt, dass er an Onlinemedien glaubt und zwar so sehr, dass er gleich mehrere Millionen Dollar investiert, um nur für das iPad eine spezielle Zeitung zu entwickeln, gilt das was.

Heute wird Murdoch im New Yorker Guggenheim-Museum die erste reine iPad-Zeitung „The Daily“ vorstellen, sein jüngstes und vielleicht ambitioniertestes Projekt. Eigentlich hätte die Veranstaltung in San Francisco mit Apple-Chef Steve Jobs stattfinden sollen, doch wegen Jobs' Erkrankung wurde der Start von „The Daily“ erst verschoben, dann an die Ostküste verlegt. Murdoch wird bei der Präsentation begleitet von Apple-Manager Eddy Cue.

Murdoch hält wenig davon, redaktionell bearbeitete Informationen kostenlos und für alle zugänglich im Internet zu verbreiten. Wer etwa die gesamte Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“ lesen will, muss ein Abonnement abschließen. Das Abonnement für die tägliche iPad-Zeitung soll 99 Cent pro Woche kosten. Das wäre deutlich weniger als der Preis einer gedruckten Zeitung. Die Redaktion von „The Daily“ kann vom Umfang her allerdings nicht mit der einer herkömmlichen Zeitungsmannschaft mithalten. Gerüchten zu Folge umfasst sie etwas mehr als 100 Journalisten. Bei der „New York Times“ dagegen sind es mindestens sechs Mal so viele.

Der gleiche Inhalt wie bei einer gedruckten Zeitung?

Womit man wieder bei der Frage wäre, ob die Zeitung auf dem iPad den gleichen Inhalt bieten muss wie eine gedruckte Ausgabe oder eine Online-Version. Wirft man dafür einen Blick auf Murdochs bisherige Online-Projekte, lautet zumindest seine Antwort eindeutig: Nein. So ist die Website der „New York Post“ kein Vorbild an Klarheit und Eleganz. Doch dasselbe kann man von der dazugehörigen iPad-Ausgabe nicht behaupten. Die besticht vor allem durch die vielen Fotos zu den Texten und bietet damit genau die Spielerei, die sich der Leser vom iPad erhofft. Allerdings lässt sich Murdoch die App für die „New York Post“ auch bezahlen, während die Website kostenlos ist. Die Unternehmensberatung Knowledge Networks hat bei einer Befragung festgestellt, dass nur 13 Prozent der iPad-Nutzer bereit sind, nochmals Geld für eine App ihres bestehenden Zeitungsabos zu bezahlen. Bei „The Daily“ stellt sich diese Frage nun gar nicht erst, weil es sie ohnehin nur auf dem iPad geben wird.

Über die inhaltliche Ausrichtung lässt sich bislang nur spekulieren. Angeblich hat Murdoch von allen großen US-Medien Spitzenkräfte abgeworben. Sie kommen von Magazinen wie dem „New Yorker“, „Forbes“ und „The Atlantic“. Ehemalige Schreiber der „New York Times“ und der „New York Post“ sind ebenso darunter wie Blogger von „Gawker“. Damit ist zumindest klar, dass „The Daily“ über den Inhalt punkten will und kein Abklatsch von Nachrichtengeschichten sein soll. Umgerechnet gut 22 Millionen Euro soll Rupert Murdoch in die Entwicklung der App gesteckt haben. Dafür kann man offenbar auch Bilder im 3D-Format erwarten.

Ob „The Daily“ allerdings eine reine iPad-Zeitung bleiben wird, dürfte noch nicht endgültig entschieden sein. Denn andere Hersteller drängen ebenfalls mit ihren Tablet-Computern auf den Markt und bieten zum Teil eine günstige Alternative zu dem Produkt von Apple.

Die „Welt“ war übrigens die erste europäische Zeitung auf dem iPad und ist heute mit ihrer „Welt HD“, die 2010 von Apple als „App des Jahres“ ausgezeichnet wurde, die meist geladene, meist verkaufte und am besten bewertete App einer deutschen Zeitung. Auch die Zeitung selbst lässt sich fürs iPad abonnieren. Mehr Infos gibt es hier.