Wettbewerb

Kostenlose Tagesschau-App verärgert Verleger

Die durch die Rundfunkgebühren finanzierte Tagesschau-App sorgt für Zündstoff. Die Verlage sehen in ihr eine Wettbewerbsverzerrung – und halten sie für rechtswidrig.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die seit Dienstag abrufbare kostenlose „Tagesschau“-Applikation der ARD für Smartphones und Tablet-PCs ist bei Verlegern auf heftige Kritik gestoßen. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung.

VDZ-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Fürstner sagte: „Gespeist aus einem großen Gebührentopf wirft der NDR seine Gratis-App auf den Markt und beeinträchtigt das junge Geschäft der Verleger mit Apps, die damit Geld verdienen müssen.“ Nach Ansicht des Verbandes handelt es sich um ein rechtswidriges Angebot, weil die Informationsmenge und -struktur die Grenzen der Sendungsbezogenheit deutlich überschritten.

Fürstner sagte, der NDR setze sich mit der App über ordnungspolitische Argumente hinweg. Es sei bedauerlich, dass die öffentlich-rechtlichen Amtsträger die Gesprächsangebote der Verleger ausgeschlagen und keine Versuche unternommen hätten, zu einem Ausgleich der Interessen zu kommen.

Auch nach Ansicht des BDZV verstößt die „Tagesschau“-App gegen geltendes Recht. „Damit gibt es ein weiteres Leseangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ein solches Angebot hat angesichts der bestehenden Pressevielfalt im Netz nichts mehr mit einer Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten zu tun“, sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Zudem monierte er den Start zu Weihnachten. Gerade jetzt, wenn die neuen Tablet-PCs und Lesegeräte auf dem Gabentisch lägen, gebe es damit kostenlose Konkurrenz zu den jüngst eingeführten Bezahl-Apps der Zeitungen. Dies sei eine massive Marktverzerrung zu Lasten der privatwirtschaftlichen Presse. „Das muss rechtlich geklärt werden“, forderte Wolff.

NDR-Intendant Lutz Marmor hatte am Montag gesagt, die „Tagesschau“-App sei ein „zeitgemäßer Service“, der den Zuschauern ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung gestellt werde. „Dies bedeutet nicht, dass alle von uns künftig angebotenen Apps kostenlos erhältlich sein werden“, kündigte er an. Der Erste Chefredakteur ARD-aktuell, Kai Gniffke, hatte gesagt, die Neuerung bedeute, dass es „keine zusätzlichen Inhalte, aber mehr Komfort bei der Nutzung“ gebe. Für die Bereitstellung der „Tagesschau-App“ mit den Inhalten von tagesschau.de fielen den Angaben zufolge nur einmalige Entwicklungskosten an. Die „Softwareoptimierung“ werde vom Telemedienkonzept abgedeckt, das im „Dreistufentest“ geprüft und genehmigt worden sei, hieß es weiter.

Die Angebote von tagesschau.de sind bereits seit 1999 auch mobil abrufbar. Die „Tagesschau in 100 Sekunden“ für das Handy gibt es seit 2007 als kostenloses Angebot. Die „Tagesschau“-App war schon seit längerem geplant und hatte schon vor dem Start Kritik unter anderem von Verlegern auf sich gezogen.