Spieletest

Der Herr der Ringe verlässt den Tolkien-Pfad

"Herr der Ringe Online" gehört zu den Schönheiten unter den Rollenspielen. In der Erweiterung "Die Belagerung des Düsterwalds" reist der Spieler in den finstersten Wald Mittelerdes. Bislang orientierte sich das Spiel eng an Tolkiens Bücher. Das zweite Add-on macht jetzt erstmals eine Ausnahme.

Ein Spiel wird flügge: Bislang haben sich die Macher von „Der Herr der Ringe Online“ eng an die Geschichte der Bücher gehalten und die Spieler in genau jene Regionen gelassen, durch die auch die Gefährten des Rings auf ihrem Weg nach Mordor zogen. Das neue Add-on macht erstmals eine Ausnahme: Helden der Stufe 60 dürfen in den Düsterwald reisen und abseits der Haupthandlung gegen die Ringgeister kämpfen, die eine alte Festung ihres Herrn Sauron wiederbelebt haben und dort böse Wesen um sich scharen. Das Fleckchen nennt sich Dol Guldur und ist eine immense Bedrohung für die Elben Lothloriens und damit letztlich für die freien Völker Mittelerdes. Grund genug zum Eingreifen.

Dunkler Märchenwald

Schon der Beginn begeistert, optisch nimmt einen der finstere Wald mit seiner morbiden Stimmung schnell gefangen. Der Herr der Ringe Online gehört seit seinem Erscheinen zu den Schönheiten unter den Rollenspielen. Diese Tradition setzt auch das Add-on fort. Leider startet das Abenteuer gleich voll durch. Das ist für eifrige Spieler toll, für eventuell neugierige Rückkehrer zunächst sehr fordernd.

Dennoch kommt sofort Spaß beim Spiel auf, auch weil mit der neuen „Scharmützel“-Funktion eine Variante eingeführt wurde, die einfach gut gelungen ist: Mit vom Computer gesteuerten Gefährten können Sie sich in acht Gefechten als guter Anführer beweisen und somit Erfahrung und Punkte sammeln – für sich und Ihre legendäre Ausrüstung. Denn die neue Idee der Moria-Erweiterung – Waffen, die mit dem Charakter Stufe um Stufe aufsteigen und sich verbessern – ist nach wie vor Bestandteil des Spiels und hilft Ihnen auch im Düsterwald weiter.

Neue Instanzen für drei, sechs oder zwölf Spieler finden sich ebenfalls in der dunklen Festung Dol Guldur. Doch wie so vieles in der neuen Erweiterung sind auch diese Ausflüge nur in einer Gruppe möglich: Spieler, die sich als Gelegenheitsgäste Mittelerdes bislang mehr oder weniger allein durchgeschlagen haben, geraten im Düsterwald schnell an ihre Grenzen. Ohne Hilfe anderer Spieler ist schon das Erreichen der neuen Höchststufe von 65 kaum zu schaffen. Aber das kann man einem Add-on nicht wirklich vorwerfen.

Urteil: Gewohnte Qualität: Spielentwickler Turbine verfolgt weiter seinen Kurs, ein Online-Rollenspiel anzubieten, das zwar Ähnlichkeiten mit dem Riesen „World of Warcraft“ aufweist, aber mit seiner Atmosphäre, Grafik und Erzählweise eigene Maßstäbe setzt. Dass man es dabei nicht jedem Spieler recht machen kann, liegt in der Natur der Sache. Turbine setzt beim neuen Werk auf Kontinuität und hat vor allem die regelmäßigen „HdRO“- Spieler im Blick.

Das ist gut so, denn von den fleißigen Helden lebt nicht nur die Firma, sondern auch das Spiel. Und das nach wie vor beeindruckend: Die neuen Inhalte überzeugen, wenngleich noch nicht jede Quest zu 100 Prozent klappt. Die Düsterwald-Episode ist zu Recht „Online-Spiel des Monats“ – für ein Add-on eine stolze Leistung.

Testergebnis: gut

Der Start

Im April 2007 begann die PC-Reise durch die von Tolkien erfundene Welt. Das Spiel basiert auf seinen Büchern, nicht auf den Filmen von Peter Jackson. Folglich sehen die bekannten Figuren den Schauspielern nicht sonderlich ähnlich, und es kommen Figuren wie Tom Bombadil im Spiel vor, die nur der Leser, nicht aber der Kinogänger kennt. Das Spiel startete mit dem Gebiet Eriador, in dem sowohl das Auenland als auch Bree und die Wetterspitze liegen.

Im November 2008 erschien dann die erste kostenpflichtige Erweiterung „Die Minen von Moria“. Die spielte sich hauptsächlich im namensgebenden alten Zwergenkönigreich ab, außerdem im Elbenwald von Lothlorien. Die Belagerung des Düsterwaldes ist das zweite kostenpflichtige Add-on und führt die Spieler in den Wald, der bislang nur im „kleinen Hobbit“ eine größere Rolle spielte.

Das Spiel

Der Spieler erschafft sich einen Helden, der aus den Rassen Mensch, Hobbit, Zwerg oder Elb stammt. Dann wählt er eine Klasse aus, etwa Wächter, Waffenmeister oder Kundiger. Die Aufgaben teilen sich in normale Quests, die für Erfahrung und Ausrüstung sorgen, und in epische Quests auf. Letztere folgen locker der Handlung der Bücher und bringen den Spieler mit Charakteren wie Aragorn oder Gandalf in Berührung. Die Spieler unterstützen die Ringgefährten und bekämpfen Gegner auf dem Weg der Hobbits nach Bruchtal.

Die Kosten

Sie müssen, um „Düsterwald“ spielen zu können, zuerst die gesamten Daten des Spiels installieren. Mittlerweile erhalten Sie Hauptspiel nebst erster Erweiterung als Paket für etwa 40 Euro. Dazu kommen monatlich etwa 12 Euro, die sich durch verschiedene Zahlungsmodalitäten noch etwas senken lassen. So gibt es auch die Möglichkeit, sich mit einem sogenannten „Lifetime-Account“ per Einmalzahlung von etwa 150 Euro von allen monatlichen Spielkosten zu befreien.

Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen "Computer Bild Spiele", Ausgabe 02/10.