Oracle-Prozess

SAP will Rekord-Strafe um zwei Drittel drücken

Der Softwarekonzern SAP versucht, den Prozess mit Rivale Oracle neu aufzurollen. Damit will er Schadenersatz in Millionenhöhe entgehen.

Foto: dapd

Der Softwarekonzern SAP versucht den Schadenersatz in dem Prozess um Datendiebstahl von Oracle um mehr als zwei Drittel herunterzuhandeln. Die Anwälte von SAP forderten in einer Eingabe an das zuständige Bezirksgericht in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien, die Schadensumme neu zu berechnen. Der von einer Jury im November festgesetzte Rekord-Schadenersatz von 1,3 Milliarden Dollar (950 Millionen Euro) stehe nicht in Einklang mit dem Urheberrecht und basiere auf „reiner Spekulation“, das Urteil sei nicht haltbar. Über den Antrag soll im Juli verhandelt werden.

Die SAP-Vertreter forderten Richterin Phyllis Hamilton auf, den Betrag nach einer anderen Methode zu berechnen oder den Prozess neu aufzurollen. Nach dieser Formel hatte SAP seinen Schadenersatz im Prozess nur mit 28 Millionen Dollar berechnet, Oracle war auf 409 Millionen Dollar gekommen.

In dem spektakulären Verfahren geht es um die inzwischen liquidierte SAP-Tochter TomorrowNow, die seit 2005 in großem Stil unerlaubt Daten und Software-Codes von Oracle-Rechnern heruntergeladen hatte, um dem Erzrivalen Kunden im umkämpften US-Markt für Firmensoftware abspenstig zu machen. In dem Prozess war mit harten Bandagen gekämpft worden. SAP hatte Oracle-Chef Larry Ellison vorgeworfen, er habe die Zahlen zum Schaden für sein Unternehmen aus der Luft gegriffen. SAP hatte Fehler eingeräumt, hatte den dadurch entstandenen Schaden für Oracle aber auf allenfalls 40 Millionen Dollar taxiert.