Hintergrund

Wie die TV-Technik das Auge betrügt

Auf der Cebit wird die neue Generation von Flachbild-Fernsehern präsentiert. Bewegungsunschärfen und Flimmern kaum noch wahrnehmbar. Dahinter stecken technische Tricks.

Foto: nie_gr_pgu / dpa

Groß wie eine Tischtennisplatte ist der neue Sharp-Fernseher. Das Modell ist der weltweit größte Fernseher mit Flüssigkeitskristall-Bildschirm (LCD). Er kommt auf eine Bilddiagonale von 2,73 Meter. Noch vor einem Jahr gab es kein serienreifes LCD-Gerät mit mehr als 1,30 Meter. Fernseher mit größerem Durchmesser waren ausnahmslos Modelle mit Plasma-Bildschirm.

Doch nicht nur die Bildfläche nimmt zu, wie die Hersteller auf der Computermesse Cebit zeigen, auch die Nachfrage steigt. Der Branchenverband Bitkom rechnet damit, dass die Anbieter 2007 etwa vier Millionen Plasma- und LCD-Fernseher verkaufen werden, 70 Prozent davon können bereits hochauflösendes Fernsehen darstellen. Seit der Pay-TV-Sender Premiere die Spiele der Fußball-WM in HD (High Definition) gezeigt hat, sind in den Fachmärkten fast ausnahmslos HD-fähige Flachbildschirme zu finden.

Zur Funkausstellung im Oktober war noch das einfache HD-Ready mit 0,9 Millionen Bildpunkten im Format 1280 mal 720 Standard. Mittlerweile bieten die Hersteller Full HD mit 2,1 Millionen Pixeln im Format 1920 mal 1080 an. Damit werden die Bilder noch brillanter und detailreicher. Bei den LCD-Fernsehern zeigen die Hersteller zudem neue Techniken, die das Bild besser darstellen. Bislang waren bei schnellen Bewegungen oft Unschärfen und störende Klötzchen zu sehen, flackernde Rot-Töne erschienen oft zu grell. Bei LCD-Geräten ist ein Bild immer so lange zu sehen, bis das nächste Bild kommt. Bildfolgen in der bisher üblichen 50-Hertz-Frequenz nimmt das Auge aber nicht ganz scharf wahr.

Der Fernseher rechnet Zwischenbilder hinzu

Sharp bekämpft diese Unschärfen mit einer Bildwechselfrequenz von 100 Hertz, wie sie noch von Röhrengeräten bekannt ist. Der Fernseher verdoppelt einfach die Bildwiederholfrequenz. So ist ein einzelnes Bild nicht mehr acht, sondern nur vier Millisekunden lang zu sehen. Dabei errechnet der Fernseher ein zusätzliches Zwischenbild aus je zwei Originalbildern.

Auf der Cebit zeigt Sharp erste Modelle mit 100 Hertz, zum Beispiel Aquos LC-46HD1E mit 46 Zoll Diagonale und LC-52HD1E mit 52 Zoll. Beide Modelle zeigen die Bilder in Full-HD-Auflösung und verfügen über einen 160 Gigabyte großen Festplattenrekorder, um Fernsehprogramme digital aufzuzeichnen. Eingebaut sind gleich vier Tuner, um analoges sowie digitales Kabel-, Satelliten- und Antennenfernsehen zu empfangen.

Mit Virtual-Dolby-Surround sind auch genuschelte Sätze in Spielfilmen verständlich. Die verbreitete Unsitte, Werbespots lauter als den Film auszustrahlen, korrigiert die automatische Lautstärken-Anpassung. Beide Sharp LCD-Flachmänner sollen im Mai auf den Markt kommen, der LC-52HD1E für 5200 Euro, der sechs Zoll kleinere LC-46HD1E für 4200 Euro.

Auch Toshiba präsentiert mit Pixel Processing III Pro eine neue TV-Technik, die Bilder schärfer darstellt, Farben und Helligkeit besser trennt sowie Farben natürlicher zeigt. Dazu passt die eingebaute Backlight-Kontrolle je nach Bildinhalt die Helligkeit der Beleuchtung des Bildschirms an. Das erzeugt ein sattes Schwarz und sorgt für einen hohen Kontrastwert. Toshiba bietet zudem erstmals einen 1080-Pixel-Eingang an, mit dem ein Videospieler mit HD-DVD-Technik Bilder wie im Kino wiedergeben kann. Dadurch muss der Player nicht mehr Halb- in Vollbilder umrechnen. Dieses Verfahren hat bislang zu schlechteren Bildern geführt. Toshibas LCD-Fernseher 32C3000P und 32C3001P gibt es in der Größe 32 Zoll und den Farben Titan-Silber und Schwarz-Silber. Das Modell C3000D besitzt zusätzlich einen Empfänger für das digitale Antennenfernsehen DVB-T.

Die Plasma-Technik

Neben den LCD- zeigen auch die Plasma-Hersteller neue Modelle. Dazu gehören NEC, Hitachi, Panasonic und Pioneer, die vor allem bei großen Bildflächen Plasma-Technik verwenden. Diese setzt das Fernsehbild aus vielen kleinen, rechteckigen Kammern zusammen, die zwischen zwei Glasplatten sitzen und mit gasförmigem Leuchtstoff gefüllt sind, der mit Strom zum Leuchten gebracht wird.

Pioneer brachte schon 1997 den ersten Plasma-Fernseher nach Deutschland, zehn Jahre später bietet das Unternehmen bereits die siebte Modell-Generation an. Zu den aktuellen Geräten gehört der PDP-607XD (7200 Euro) mit einer Bilddiagonalen von 1,52 Metern. Drei neue Verfahren sorgen für zehn Prozent mehr Kontrast sowie brillantere HD-ready-Bilder. Zur Ausstattung gehören ein analoger und ein digitaler Empfänger für Antennenfernsehen und zwei HDMI-Eingänge, um hochauflösende Bilder zu übertragen. Dazu kommt ein PC-Eingang. Damit lässt sich der Monitor für Büroarbeiten und Spiele einsetzen.

USB-Anschluss am TV-Gerät

Mit der Technik Pixel Plus 2 HD stattet Philips seine Geräte wie die HD-ready-Modelle 42PF9631D (3000 Euro) und den 50PF9631D (4000 Euro) mit 42 und 50 Zoll Bildgröße aus. Sie verfügen über eine Schaltung zur Bildverbesserung, die mehr Detailschärfe auf den Bildschirm bringen. Neben zwei HDMI-Buchsen für digitale Quellen soll es ein USB-Anschluss ermöglichen, Fotos und Videos direkt am Gerät wiederzugeben.

Bislang hat NEC eher den Profi-Markt mit Plasma-Modellen ausgerüstet, jetzt aber drängt der Hersteller in den Markt der Endkunden. Bei den drei neuen Geräten der XR-Serie hat NEC Farbtreue, Kontrast und Graustufen-Darstellung verbessern können. Per Bildschirm lassen sich auch Haustechnik und PC-Präsentation steuern. Alle drei Modelle mit den Bildformaten 42, 50 und 60 Zoll sind HD ready und mit Boxen, einem Empfangsteil für analoges Kabel und digitales Antennenfernsehen sowie einem Standfuß ausgerüstet. Zwei HDMI-Buchsen für digitale Quellen sind auch vorhanden.

Plasma-Modelle galten bisher als wahre Stromfresser. Vor allem angesichts der aktuellen Diskussionen um den Klimawandel wirkt das nicht mehr zeitgemäß. NEC zum Beispiel hat darauf reagiert und in seine Modelle eine intelligente Schaltung eingebaut, die das Umgebungslicht misst und den Kontrast entsprechend einstellt. NEC konnte dadurch den Stromverbrauch um immerhin 20 Prozent senken.