Online-Spiele

Experten fordern Sucht-Siegel fürs Web

"World of Warcraft" ist wohl nur das bekannteste Beispiel: Rund zwei Millionen Deutsche gelten als onlinesüchtig – und verbringen mehr Zeit im Internet, als ihnen gut tut. Nun haben Experten dem Bundestagskulturausschuss vorgeschlagen, Suchtwarnungen für Spiele verbindlich zu machen.

Kampfansage an die Onlinesucht von Jugendlichen: Hersteller von Internet-Computerspielen sollen nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung ihre Produkte künftig mit Suchtwarnungen versehen und die Spieldauer auf dem Bildschirm einblenden. Das schlagen Psychologen und Suchtexperten in ihren schriftlichen Stellungnahmen für eine Anhörung im Bundestagskulturausschuss zum Thema „Onlinesucht“ an diesem Mittwoch vor.

Den Experten zufolge sind drei bis neun Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 30 Jahren, die regelmäßig im Internet surfen, onlinesüchtig. Sie sitzen täglich länger als zehn Stunden vor dem Bildschirm, berichtete die „Bild“-Zeitung weiter. 20 Prozent von ihnen sind chatsüchtig, vor allem Frauen über 30 Jahre; 50 Prozent seien „online-sexsüchtig“, vor allem männliche Studenten und Singles.

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Fragenkatalog für die Anhörung wird auch auf eine jüngste Studie des Verbandes europäische Onlinevermarkter (EIAA) Bezug genommen, wonach 43 Millionen Deutsche regelmäßig im Internet surfen, zwei Millionen gelten als onlinesüchtig. Der Studie zufolge hat das Internet dem Fernsehen vor allem unter den jungen Deutschen als meist genutztes Medium inzwischen den Rang abgelaufen.

In Deutschland verfügen mittlerweile 61 Prozent über einen Internetanschluss. Mit einer Steigerungsrate von 15 Prozent 2007 gegenüber 2006 wachse die Internetverbreitung in Deutschland so stark wie nirgendwo sonst in Europa. Hierfür sorgten vor allem die über 55- Jährigen (plus 38 Prozent) und die Frauen (plus 22 Prozent). „Die Medienwelt der Europäer spielt sich zunehmend online ab“, betonte der Verband.

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