Kopf des Tages

Julian Assange - der Untransparente

Rastlos reist Julian Assange, Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, um die Welt. Er will Transparenz schaffen, hüllt sich aber selbst ins Nebulöse.

Wenn es um Privates geht, bevorzugt Julian Assange eine gewisse Intransparenz. Sein Alter gibt der gebürtige Australier mit 39 an, das genaue Geburtsdatum behält er für sich. Rastlos reist der Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks um die Welt, heute Stockholm, morgen Nairobi, übermorgen London.

Kritiker attestieren ihm einen gewissen Hang zu Verschwörungstheorien: „Wir stehen Geheimdiensten gegenüber“, sagte er über Wikileaks. Auch als er im August in Schweden unter Verdacht geriet, eine Frau vergewaltigt und eine weitere belästigt zu haben, sprach er von einem Komplott. „Wir sind gewarnt worden, dass beispielsweise das Pentagon uns böse mitspielen könnte, um uns zu zerstören“, sagte er einer Zeitung. Später sprach er von einem „persönlichen Rachefeldzug“ gegen ihn. Die Polizei hob den Haftbefehl auf, ermittelt aber weiter.

Bei Wikileaks sieht er sich indes auf einer Mission. Ziel: absolute Transparenz. Die Veröffentlichung von geheimen US-Dokumenten zum Irak-Krieg ist der neueste Coup. Doch im Inneren des Wikileaks-Zirkels herrscht ein tiefes Zerwürfnis. Der unter dem Pseudonym Daniel Schmitt bekannte deutsche Sprecher zieht sich zurück. In der Gruppe scheine „das Vertrauen verloren gegangen zu sein, dass wir an einem Strang ziehen“.