Foto-Spezialist

Betrugsfall zwingt Polaroid unter Gläubigerschutz

Krimi beim Traditionsunternehmen Polaroid: Der Foto-Spezialist hat Gläubigerschutz nach US-Insolvenzrecht beantragt. Grund dafür soll nicht das eigene Geschäft sein, sondern ein milliardenschwerer Betrugsfall beim Mehrheitseigner. Der hatte offenbar ein Schneeballsystem wie Bernard Madoff erstellt.

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Der traditionsreiche Foto-Spezialist Polaroid sucht wegen eines mutmaßlichen Milliarden-Betrugs bei seinem Mehrheitseigner Schutz in einem Insolvenzverfahren. Das Unternehmen beantragte Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts, wie Polaroid-Chefin Mary L. Jeffries am Donnerstagabend mitteilte. Der Foto-Konzern werde uneingeschränkt weiterarbeiten und sei geschäftlich gesund, betonte sie.

Bei dem Polaroid-Besitzer Petters Group wurde vor einigen Monaten ein mutmaßlicher Milliarden-Betrug aufgedeckt. Der Holding und ihrem Gründer Tom Petters wird vorgeworfen, Investoren um zwei Milliarden Dollar betrogen zu haben. Laut der Anklage von Anfang Dezember soll das Geld eingesammelt worden sein, ohne dass damit die versprochenen Geschäfte erfolgten.

Nach Erkenntnissen der Bundespolizei FBI soll sich Petters damit bereichert und zum Teil frühere Schulden abbezahlt haben. Er war im Oktober festgenommen worden.

Der Fall hat Ähnlichkeit mit dem kürzlich aufgedeckten Milliarden-Betrug an der Wall Street. Dort soll das „Schneeball- System“ des Aktienbrokers Bernard L. Madoff aber ein vielfach größeres Volumen von 50 Milliarden Dollar gehabt haben.

Die Petters Group hatte Polaroid im Jahr 2005 übernommen. Polaroid, über Jahrzehnte bekannt vor allem für seine Sofortbild-Kameras, hatte in den vergangenen Jahren eine schmerzhafte Umstellung auf die digitale Fotografie hinter sich gebracht. 2001 hatte das Unternehmen bereits einmal Insolvenz anmelden müssen – die neue digitale Welt hatte das angestammte Geschäftsmodell von Polaroid kaputtgemacht. Inzwischen macht das Unternehmen auch DVD-Spieler, Fernseher und andere Elektronik-Geräte. In diesem Jahr stellte Polaroid einen Foto-Drucker im Taschenformat vor und kehrte damit gewissermaßen zu seinen Sofortbild-Wurzeln zurück.