Pflege in Berlin

Vorsorge für das Alter: Was lässt sich vorbereiten?

Die Menschen werden älter, aber nicht immer bei bester Gesundheit. Wichtig ist, Probleme anzusprechen und Hilfe anzunehmen.

Tagespflegemitarbeiterin Doris Nordmann freut sich, dass Niels Neumann so gern „Mensch, ärgere dich nicht!“ spielt.

Tagespflegemitarbeiterin Doris Nordmann freut sich, dass Niels Neumann so gern „Mensch, ärgere dich nicht!“ spielt.

Foto: Umsorgt wohnen

Die Altersheilkunde (Geriatrie) hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Den Menschen werden gesunde Jahre geschenkt. Doch es gibt Herausforderungen. Wie können sich Senioren und deren Familien auf das Alter vorbereiten?

Die Einsamkeitsfalle

Wer so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben möchte, macht im Prinzip alles richtig. Doch nicht alle Rentner wohnen in einer Seniorenwohnung mit Fahrstuhl oder wollen umziehen. Deshalb wird die Gefahr, in der vertrauten Häuslichkeit in die Isolation zu geraten, mit zunehmendem Alter immer größer.

Ein Grund: Es wird schwieriger, die Wohnung zu verlassen, um einzukaufen, Freunde zu besuchen oder zum Arzt zu gehen. Insbesondere das Treppensteigen wird zum Problem. Hinzu kommen soziale Aspekte. So sind Todesfälle in der Familie und im Freundeskreis zu beklagen, langjährige Nachbarn ziehen aus. Die Senioren haben mit der Trauer zu kämpfen, leiden womöglich unter Depressionen, haben auch mit sich selbst und eigenen Krankheiten zu kämpfen.

Hilfe anzunehmen, ist schwer

Doch darüber offen zu sprechen und Hilfe anzunehmen, ist schwierig. „Die Autarkie ist den Menschen das Allerwichtigste“, sagt Diplom-Psychologin Sigrid Jaacks. Der Weg in die Abhängigkeit kann starke Abwehrmechanismen auslösen, weil damit große Ängste verbunden sein können. „Wenn ich mich auf die ambulante Pflege in der vertrauten Häuslichkeit einlasse, muss ich den Mitarbeitern meine Hilfebedürftigkeit offenbaren“, erklärt Jaacks.

Gute Erfahrungen machen die Menschen häufig in der Tagespflege. Die meisten kommen auf Anregung ihrer Kinder. Morgens werden die Gäste mit dem Bus abgeholt. Dann gibt es ein gemeinsames Frühstück, es werden Gymnastik, Ratespiele und Ausflüge angeboten.

Die Geselligkeit tut gut

Nach dem Mittagessen und der Mittagsruhe gibt es Kaffee und Kuchen, bevor es gegen 16 Uhr wieder nach Hause geht. Die Geselligkeit tut den Menschen gut. Gleichzeitig haben viele Angst, keinen Anschluss zu finden. So lässt sich eine gewisse Skepsis oder manchmal sogar eine deutliche Abwehrhaltung erklären. Doch einen Versuch ist es wert, dieses Angebot wenigstens einmal auszuprobieren.

Der akute Notfall

Eine Vorbereitung auf typische Alterserkrankungen – wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brüche oder eine Demenz – gibt es nicht. Wir können uns jedoch darauf verlassen, dass es Gesundheitslotsen gibt, die uns weiterhelfen, wenn die Entlassung aus dem Krankenhaus ansteht.

Eine von ihnen ist Nicole Schleuter bei den Vivantes-Kliniken, die sich um die Patienten bei diesem schwierigen Übergang kümmert. Dann stehen viele Fragen an. Bringt eine Reha eine Verbesserung des Gesundheitszustandes? Ist die Kurzzeitpflege in Kombination mit einer Tagesklinik eine Option? Oder ist ein Umzug ins Altenheim zu organisieren?

Verweis auf kleine Erfolge ist wichtig

Nicole Schleuter weiß aus Erfahrung, dass ältere Menschen nach einer erfolgreichen medizinischen Behandlung oft noch eine pflegerische Versorgung benötigen, bis sie wieder auf die Beine kommen. „Wir finden eine Lösung, ich mache das jeden Tag“, ermutigt sie und verweist auf die kleinen Erfolge: Wenn zum Beispiel ein Patient nach einem Besuch in der Kurzzeitpflege sich selbst im Pflegebett aufrichten oder wieder im Stuhl sitzen kann.

Wichtig ist es, innerhalb der Familie die Dinge offen anzusprechen. Hierbei kann es auch zu Streitigkeiten kommen. „Die Angehörigen brauchen ein dickes Fell, um das auszuhalten“, erläutert Nicole Schleuter. „Wo habt ihr mich hingebracht, da bin ich ja nur mit alten Menschen zusammen“, lautet so ein klassischer Vorwurf, wenn etwa eine Kurzzeitpflege organisiert wurde. Gleichzeitig wissen die meisten Senioren sehr wohl, wie es um ihre Gesundheit steht – und passen sich den neuen Gegebenheiten an.