Gesundheit

Wie Versicherte bald in jede Krankenkasse wechseln können

Die Ortsbindung bei der Wahl von Krankenkassen soll fallen. Für Versicherte bedeutet das mehr Freiheit, für die Kassen mehr Wettbewerb.

Der Wechsel der Krankenkasse soll demnächst erleichtert werden.

Der Wechsel der Krankenkasse soll demnächst erleichtert werden.

Foto: Malte Christians / dpa

Berlin.  Gesetzlich Krankenversicherte sollen schon nächstes Jahr in jede beliebige Krankenkasse wechseln können. Das geht aus dem Entwurf für ein neues Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hervor. Es soll im Sommer von der Bundesregierung beschlossen und dann vom Bundestag beraten und verabschiedet werden. In Kraft treten soll das Gesetz 2020.

Bis jetzt sind einzelne Ortskrankenkassen (AOK), einige Innungskrankenkassen und auch Betriebskrankenkassen noch immer nur für die Einwohner bestimmter Bundesländer geöffnet. Diese Beschränkung soll nach Spahns Plänen endgültig wegfallen. Sie sei nicht mehr erklärbar und anachronistisch, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Künftig solle der Wettbewerb der Kassen um gute Leistungen, guten Service und um einen möglichst niedrigen Krankenkassenbeitrag noch verschärft werden.

Krankenkassen – Wettbewerb für AOK wird schärfer

Ein sehr großer Teil der Kassenleistungen ist zwar gesetzlich fest vorgeschrieben und überall gleich. Einzelne Kassen unterscheiden sich aber bei Zusatzangeboten. Zum Teil haben sie auch spezielle Verträge mit Ärzten abgeschlossen, die ihren Versicherten oder den Ärzten Vorteile bieten. Auch bei der Höhe des Beitrags gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede. Ob die Beiträge durch das „Gesetz für eine faire Kassenwahl“, so der offizielle Titel, steigen oder sinken werden, ist noch unklar. Offen ist auch, ob es weitere Fusionen geben wird.

Vor allem für die AOK wird der Wettbewerb schärfer werden. Bis jetzt können und dürfen sie sich untereinander keine Konkurrenz machen, denn ihr Einzugsgebiet beschränkt sich jeweils nur auf bestimmte Bundesländer. Dort ist der Marktanteil der jeweiligen AOK dann entsprechend hoch. Damit soll es nun vorbei sein. Große, bundesweit agierende Kassen wie die Barmer begrüßen Spahns Pläne deshalb.

Sonderverträge für Krankheiten, die viel Geld einbringen

Der Anlass für Spahns Gesetz ist der zuletzt stark kritisierte Finanzausgleich unter den Krankenkassen. Er gilt als ungerecht und ist vor allem extrem anfällig für Manipulationen. Einzelnen Kassen gelingt es in dem komplizierten System, mehr Geld für sich abzuzweigen als andere, obwohl ihre Patienten nicht notwendigerweise kränker sind.

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Der Grund dafür ist, dass sich die Verteilung des Geldes an den Diagnosen der Ärzte für die 80 wichtigen Krankheiten orientiert. Viele Kassen haben mit den Medizinern Sonderverträge vereinbart, die dazu führen, dass sie Krankheiten diagnostizieren, die den Kassen besonders viel Geld bringen. Dieses komplizierte System möchte Spahn nun verändern.