Unter die Lupe genommen

Mythen rund um die Homöopathie: Was stimmt wirklich?

Rund um die homöopathische Medizin kursieren viele Missverständnisse: So heißt es oft, dass in homöopathischen Arzneimitteln kein Wirkstoff mehr nachweisbar sei. Oder dass es keine Studien gebe, die die Wirksamkeit der Heillehre belegen. Welche Wahrheit dahinter steckt.

Um die Homöopathie ranken sich viele Mythen.

Um die Homöopathie ranken sich viele Mythen.

Foto: © iStock.com/alvarez

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom November 2018 greifen immer mehr Menschen in Deutschland auf homöopathische Arzneimittel zurück und wünschen sich eine integrative Medizin – also das Miteinander konventioneller und alternativer Medizin im Sinne eines bestmöglichen Behandlungsergebnisses. Die Anwender von homöopathischern Arzneimitteln begegnen immer wieder Missverständnissen rund um die natürlichen Arzneimittel: Diese bestehen nur aus Zucker und ihre Wirksamkeit ist auf den Placebo-Effekt zurückzuführen. Was stimmt wirklich?

"In homöopathischen Mitteln ist kein Wirkstoff nachweisbar."

Es stimmt, dass der Wirkstoff in vielen homöopathischen Arzneien so stark verdünnt (genauer: potenziert) wird, dass er nicht mehr nachweisbar ist. Das ist jedoch meist nur bei sogenannten Hochpotenzen wie C30 oder höher der Fall. Solche Präparate gelten in der Homöopathie als besonders stark und sollten nur in Rücksprache mit erfahrenen Homöopathen – zum Beispiel homöopathisch geschulten Ärzten oder Heilpraktikern – eingenommen werden. Für die Selbstmedikation eignen sich dagegen Niedrigpotenzen (Tiefpotenzen) wie C1 bis C11 oder D1 bis D23, die häufig ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Bei der Herstellung finden hier weniger Verdünnungsdurchgänge statt, sodass im fertigen Arzneimittel durchaus ein Wirkstoff nachgewiesen werden kann.

"Es existieren keine gültigen Studien zur Wirksamkeit."

Ein beliebtes Argument, das immer wieder auftaucht. Dabei entspricht es nicht der Wahrheit: Bis zum Jahr 2014 wurden nach Angaben des Homeopathy Research Institute (HRI) fast 200 randomisierte klinische Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie veröffentlicht. Bei mehr als der Hälfte der Studien wurden die Ergebnisse zusätzlich mithilfe einer Gruppe, die ausschließlich Placebos einnahm, kontrolliert. Andere Studien konnten keine Überlegenheit von Homöopathika gegenüber Placebo zeigen. Randomisierte und placebokontrollierte Studien werden auch im Rahmen der Zulassung konventioneller Medikamente durchgeführt.

"Die Wirksamkeit der Homöopathie ist nicht bewiesen – im Gegenteil."

Unter den oben erwähnten randomisierten, placebokontrollierten Untersuchungen befanden sich lediglich fünf Prozent, die einen Nutzwert der Homöopathie widerlegen konnten. 41 Prozent dagegen bestätigten die Wirksamkeit. Diese Verteilung der Ergebnisse ist übrigens vergleichbar mit denen aus konventionell-medizinischen Studien.

"Die Wirkung der Homöopathie ist auf den Placebo-Effekt zurückzuführen."

Die Studienergebnisse zeigen, dass es sich bei Homöopathie nicht um eine Scheintherapie handelt. Der Placebo-Effekt konnte durch eine Kontrollgruppe, welcher Mittel ohne Wirkstoff verabreicht wurde, ausgeschlossen werden.

"In Globuli ist nichts drin außer Zucker."

Wie oben beschrieben liegt der Wirkstoff nur in hochpotenzierten homöopathischen Arzneien in so starker Verdünnung vor, dass kein stofflicher Anteil der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar ist. Doch bei der Herstellung von Homöopathika bleibt es ja nicht bei der Potenzierung, wie diese Verdünnung im Fachjargon genannt wird: Die Lösungen werden zusätzlich verschüttelt (dynamisiert). Es wird vermutet, dass die Information im Wirkstoff dadurch auf die Trägersubstanz (Alkohol oder Wasser) übertragen wird. Wie der Prozess genau funktioniert, ist bisher aber nicht geklärt.

"Homöopathie und konventionelle Medizin schließen sich aus."

Viele Schulmediziner, etwa Allgemeinärzte, sind auch homöopathisch tätig. Das zeigt bereits, dass die beiden Heilkunden friedlich koexistieren. Die Homöopathie sollte zudem nicht als Alternative zur konventionellen Medizin angesehen werden, sondern als Ergänzung. Kein qualifizierter Homöopath wird etwa dazu raten, schwere Krankheiten ausschließlich mit Homöopathie zu behandeln. Homöopathische Mittel können aber zusätzlich eingesetzt werden, zum Beispiel, um die Nebenwirkungen starker Medikamente zu mindern.

"Krankenkassen sollten Kosten für homöopathische Mittel nicht erstatten."

Viele Krankenkassen erstatten ihren Versicherten freiwillig die Kosten für rezeptfreie Arzneimittel oder Anwendungen wie Akupunktur, Heilfastenkuren oder Homöopathie. Das kritisiert manch einer, weil die Wirkung angeblich nicht bewiesen sei (siehe Mythos oben). Die Kassen aber möchten ihren Versicherten eine ganzheitliche Therapie ermöglichen: Aus ihrer Sicht können alternative Heilmethoden den Genesungsprozess unterstützen und die Schulmedizin somit sinnvoll ergänzen.

"Homöopathie ist eine längst überholte Heilpraxis."

Die Homöopathie wird mitunter als verstaubt dargestellt. Dabei geht auch sie mit der Zeit: Die Analyse der Ausgangsstoffe wie auch die Produktionsverfahren von Globuli und Co. sind hochmodern. Das Verschütteln wiederum wird auch bei großen Herstellern nach wie vor von Hand erledigt.

"Homöopathie kann schlimme Nebenwirkungen haben."

Vergiftungen bis hin zum Tod: Von Zeit zu Zeit verunsichern Skandale im Ausland auch die deutsche Bevölkerung. Panschereien und gefährliche Nebenwirkungen sind in Deutschland jedoch ausgeschlossen: Homöopathische Medikamente werden hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern streng geprüft. Auf den Markt kommen nur registrierte Arzneimittel. Eine offizielle Zulassung erfolgt ausschließlich in Verbindung mit einem bestimmten Anwendungsgebiet. Das Zulassungsverfahren regelt das Arzneimittelgesetz.

"Homöopathie ist rein pflanzlich."

Homöopathische Arzneien haben zwar natürliche Ausgangsstoffe, nicht alle stammen jedoch von Pflanzen. Apis mellifica, Arsenicum album oder Hekla lava beispielsweise haben tierische beziehungsweise mineralische Ursprünge.

"Homöopathische Mittel sind gleichzusetzen mit Globuli."

Globuli sind die bekannteste Form von homöopathischen Arzneien. Diese können aber auch als Tropfen, Tabletten, Salben, Urtinktur oder Ampullen zum Einsatz kommen. Nicht jede Darreichungsform ist dabei zur Selbstmedikation geeignet, sondern erfordert mitunter die Expertise eines homöopathisch geschulten Arztes oder Heilpraktikers.

"Homöopathische Mittel dürfen nur einen Wirkstoff enthalten."

Die klassische Homöopathie, wie Samuel Hahnemann sie gründete, sieht tatsächlich die Verordnung jeweils eines Wirkstoffs vor (Einzelmittel). Heutzutage können Homöopathika jedoch mehrere Wirkstoffe vereinen, um gegen verschiedene Beschwerden – etwa Schnupfen, Fieber und Kopfschmerzen bei einer Erkältung – gleichzeitig vorzugehen. Solche Arzneien werden als Komplexmittel bezeichnet.

"Das Ähnlichkeitsprinzip ist unlogisch."

Die Homöopathie basiert auf dem Grundsatz, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann. Eine Substanz, die in Reinform bestimmte Symptome (zum Beispiel Übelkeit) auslöst, verspricht als homöopathisch potenziertes (verdünntes) Mittel somit genau gegen diese Symptome Wirkung. Die konventionelle Medizin baut meist auf das gegenteilige Prinzip: Sie verordnet bei bestimmten Beschwerden deren Gegenmittel. Bei Impfungen oder der Sensibilisierung gegen Allergene wiederum setzt man ebenfalls auf die Selbstheilungskräfte des Körpers, indem man ihm die Substanz, gegen die er immun werden soll, in kleinsten Mengen verabreicht.

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