Tabakrauch ist Gift fürs Baby

Rauchen in der Schwangerschaft: So gefährlich ist es

Schwangere Frauen, die rauchen, setzen sich und ihr Baby zahlreichen gesundheitlichen Risiken aus. Das Ungeborene leidet mit jeder Zigarette unter akutem Sauerstoffmangel, zudem wird sein Organismus von Giftstoffen aus dem Tabakrauch überschwemmt. Frauen sollten deshalb spätestens mit Beginn der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhören. Wem das sehr schwer fällt, kann sich professionelle Unterstützung holen.

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Raucherinnen mit Kinderwunsch sollten am besten auf das Rauchen verzichten – und zwar möglichst schon, bevor sie schwanger werden wollen. Denn der Nikotinkonsum wirkt sich – wie auch der Genuss von Alkohol – negativ auf die Fruchtbarkeit von Mann und Frau aus. Männer, die rauchen, produzieren weniger Spermien, die zudem nicht so beweglich sind. Das Nikotin (und weitere im Tabakrauch enthaltene Substanzen) können sowohl den Eierstöcken als auch der Gebärmutter schaden, was Embryonen das Einnisten erschwert und damit die Chancen auf eine Schwangerschaft schmälert.

So giftig ist Zigarettenrauch

Tabakrauch setzt sich aus rund 4.800 verschiedenen Substanzen zusammen, davon sind etwa 250 Stoffe giftig, 90 erwiesenermaßen krebserregend. Zu diesen Substanzen gehören nicht nur Nikotin und Kohlenmonoxid, sondern unter anderem auch Arsen, Blausäure, Benzol, Methanol, Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Nickel, Lösungsmittel, Konservierungsstoffe und Teer. Nikotin ist eines der stärksten Gifte für den menschlichen Körper. Es verengt die Blutgefäße, vermindert die Durchblutung, lässt das Herz schneller schlagen, den Blutdruck ansteigen und es macht süchtig. Kohlenmonoxid hemmt massiv den Sauerstofftransport im Körper. Andere Substanzen im Tabakrauch sind erbgutschädigend, beeinflussen die Blutbildung negativ oder führen zu krankhaften Veränderungen an Organen oder dem Stoffwechsel.

Folgen des Rauchens in der Schwangerschaft

Ist die Frau schwanger, schadet jede Zigarette dem Kind. Mit jedem Zug, den eine Schwangere nimmt, leidet das Kind an akutem Sauerstoffmangel. Die Frau setzt nicht nur ihren eigenen Körper den Giftstoffen im Tabakrauch aus, sondern auch den Organismus des heranwachsenden Kind in ihrem Bauch. Die Substanzen gelangen über die Lungen der Frau in ihr Blut. Über die Plazenta und die Nabelschnur können die meisten der Tabakrauch-Gifte ungefiltert in den Blutkreislauf des Fötus übergehen.

Dessen Körper macht in den neun Monaten vor der Geburt eine rasante Entwicklung durch. Der Organismus des Ungeborenen reagiert viel empfindlicher auf die Einwirkungen des Tabakrauchs als der eines Erwachsenen und kann die Wirkung der Schadstoffe in einem deutlich geringeren Maße kompensieren.

Dadurch steigt das Risiko für vorgeburtliche Komplikationen sowie für zahlreiche Erkrankungen und gesundheitliche Probleme des Kindes, wie zum Beispiel:

  • Schwangerschaftskomplikationen wie Plazentaablösungen, vorzeitiger Blasensprung, Spontanaborte
  • Fehlgeburt, Frühgeburt, Totgeburt
  • geringeres Geburtsgewicht
  • geringere Geburtsgröße
  • nicht ausreichend entwickelte Lungen
  • körperliche Fehlentwicklungen
  • Nikotinentzugserscheinungen beim Neugeborenen
  • mehr Nikotinrezeptoren im Gehirn des Kindes und dadurch höhere Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später selbst raucht
  • höheres Risiko für Asthma und chronische Bronchitis
  • höheres Risiko für plötzlichen Kindstod
  • schwächeres Immunsystem, verstärkte Neigung zu Infekten und Allergien
  • erhöhtes Risiko für ADHS beim heranwachsenden Kind
  • Stoffwechselstörungen im Erwachsenenalter wie Diabetes oder Übergewicht

Durch die gefäßverengende Wirkung des Nikotins und die sauerstoffverdrängende Wirkung des Kohlenmonoxides werden beispielsweise die Gebärmutter und die Plazenta nicht genügend durchblutet, der Transport von Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen zum Ungeborenen ist gestört. Es wächst langsamer, bleibt kleiner und entwickelt sich insgesamt schlechter. So wiegen Babys von Raucherinnen im Schnitt 200 Gramm weniger als andere Neugeborene. Inzwischen geht man davon aus, dass Rauchen für 15 Prozent aller Frühgeburten und bis zu 30 Prozent aller Fälle von geringem Geburtsgewicht verantwortlich ist.

Raucht die Mutter in der Schwangerschaft, beeinflusst das auch die spätere körperliche Entwicklung des Kindes. Das Risiko, an Allergien und Asthma zu erkranken, ist um 30 Prozent erhöht. Es besteht die Gefahr für Missbildungen, eine erhöhte Infektanfälligkeit und körperliche und geistige Entwicklungsverzögerungen. Rauchen ist außerdem ein erheblicher Risikofaktor für plötzlichen Kindstod. Frauen, die in der Schwangerschaft eine Schachtel Zigaretten pro Tag rauchen, erhöhen das Risiko für den plötzlichen Kindstod um das Siebenfache.

Wie schädlich ist Passivrauchen in der Schwangerschaft?

Selbst wenn die Mutter dem Qualm nur passiv ausgesetzt ist, zeigt sich in Studien ein deutlicher Zusammenhang mit einem geringen Geburtsgewicht des Kindes. Säuglinge und Kleinkinder, die in Raucherhaushalten aufwachsen, leiden überdurchschnittlich häufig an Unwohlsein, etwa Bauchweh, Schwindel, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen, und bilden weitaus öfter Krankheiten, in besonderem Maße jedoch Atemwegserkrankungen (zum Beispiel chronische Bronchitis oder Asthma) aus als Kinder in Nichtraucherhaushalten. Das Passivrauchen des Kindes im Mutterleib oder nach der Geburt wird auch als eine mögliche Ursache für den plötzlichen Kindstod angesehen.

Mit dem Rauchen aufhören in der Schwangerschaft: Tipps und Hilfen

Das Gesündeste für das Kind ist, wenn die Schwangere und auch ihr Partner spätestens mit Beginn der Schwangerschaft nicht mehr rauchen. Der Nikotin-Stopp lohnt sich, denn so wird dem Baby ein gesunder Start ins Leben ermöglicht – und auch der Organismus der Frau profitiert. Der Mythos, ein plötzlicher Nikotinentzug könnte dem Baby schaden, ist ein Irrglaube.

Trotz des Wissens um die gesundheitlichen Folgen schafft es rund ein Viertel der Raucherinnen nicht, dem Nikotin während und nach der Schwangerschaft zu entsagen. Für andere ist das Kind, das im Bauch der werdenden Mutter heranwächst, die größte Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören. Für Schwangere gelten die gleichen Tipps für den Rauchstopp, wie für jeden anderen Raucher. Zunächst muss der feste Wille da sein, dem blauen Dunst zu entsagen. Es ist außerdem ratsam, einen Tag X für den Rauchstopp festzulegen und sich Strategien gegen den Nikotin-Hunger und Rückfälle zurechtzulegen. Auch Verhaltenstherapie, Onlinekurse oder Raucherentwöhnungskurse helfen, die Schwangere bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Sie haben nachweislich die höchsten Erfolgsraten. (Weitere ausführliche Tipps zum Rauchstopp lesen Sie in unserem Special zum Thema)

Frauen, denen es schwerfällt, während der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufzuhören, können sich Unterstützung holen. Ärzte, Krankenkassen oder eine Hebamme sind der richtige Ansprechpartner für Beratungsangebote oder spezielle Entwöhnungsprogramme. Die Bemühungen werden von vielen Krankenkassen finanziell unterstützt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Rahmen des Programms "rauchfrei" eine Broschüre speziell für schwangere Frauen aufgelegt.

Nikotinpflaster oder Kaugummi in der Schwangerschaft

Nikotinersatzprodukte wie Nikotinpflaster oder Kaugummis werden eingesetzt, um Rauchern den körperlichen Entzug vom Suchtstoff Nikotin zu erleichtern. Der Nutzen einer solchen Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft konnte bisher nicht festgestellt werden. Man geht davon aus, dass eine Nikotinersatztherapie weniger schädlich ist als weiter zu rauchen. Trotzdem sind die gesundheitlichen Folgen für das Ungeborene unklar und es sollte idealerweise auf nikotinhaltige Ersatzprodukte verzichtet werden.

E-Zigaretten für Schwangere?

Auch E-Zigaretten sind keine empfehlenswerte Alternative für schwangere Frauen. E-Zigaretten gibt es sowohl mit als auch ohne Nikotin. Darüber hinaus sind sie mit einer Vielzahl verschiedener, teils auch selbst gemischter Flüssigkeiten gefüllt, die dann in der Zigarette verdampfen und über die Atemluft in die Umgebung gelangen. Was genau ein- und ausgeatmet wird, bleibt unklar. Gesundheitliche Risiken können bei E-Zigaretten nicht nur durch das Nikotin, sondern auch durch das Vernebelungsmittel Propylenglycol, diverse Chemikalien, Duft- und Aromastoffe entstehen. Zudem gibt es Hinweise, dass bestimmte Fabrikate auch krebserzeugende Aldehyde freisetzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt daher, E-Zigaretten auch im privaten Bereich wie herkömmliche Zigaretten zu behandeln und Kinder, Kranke oder Schwangere dem Dampf nicht auszusetzen.

Nichtrauchen auch nach der Schwangerschaft!

Frauen, die es geschafft haben, das Rauchen während der Schwangerschaft aufzugeben, fangen nach der Geburt besser nicht wieder damit an. Denn mit dem Nikotinkonsum tun sie weder sich selbst, noch ihrem Neugeborenen etwas Gutes. Zum einen gehen Giftstoffe des Tabakrauchs auch in die Muttermilch über. Außerdem wird das Kind durch das Passivrauchen weiteren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.

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