Tipps zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden

Hormontherapie: Darauf sollten Sie achten

Als Gel, Tablette, Vaginalring oder Zäpfchen – die Hormontherapie kann Wechseljahrsbeschwerden deutlich lindern. Doch es gibt einige Dinge, die Sie bei der Hormonersatztherapie beachten sollten, damit Sie den bestmöglichen Nutzen erhalten.

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Lästig, peinlich, eine deutliche Belastung – rund jede dritte Frau hat starke Wechseljahrsbeschwerden. Vor allem das Hormon Östrogen spielt dabei eine tragende Rolle. Es reguliert im Gehirn unter anderem den Wärmehaushalt. In den Wechseljahren reduziert der Körper die Produktion von Östrogen. Dieses Absinken zeigt sich in massiven Schweißausbrüchen. Frauen, die unter starken Wechseljahrsbeschwerden leiden, müssen damit rechnen, dass vor allem die Hitzewallungen bis zu zehn Jahre lang auftreten können, wie kürzlich eine US-Studie aufdeckt.

Nicht nur Östrogen fehlt in den Wechseljahren

Zusätzlich nimmt die Konzentration des Gestagens Progesteron ab, auch bekannt als Gelbkörperhormon. Die Folgen: Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Die Auswirkungen von Progesteronmangel können drei bis fünf Jahre dauern. Danach hat sich der Körper meist umgestellt und an die neue Situation gewöhnt. Erst dann wird die Psyche wieder stabiler.

Hormontherapie individuell anpassen

Bis dieser Zeitpunkt erreicht ist, kann die Hormonersatztherapie die Wechseljahrsbeschwerden lindern oder sogar ganz ausschalten. In unterschiedlichen Kombinationen hinsichtlich der Hormone, Dosierung und Anwendungsform lässt sich die Behandlung inzwischen individuell auf jede Frau zuschneiden. Allerdings sollten Sie mehrere Dinge beachten, damit die Medikamente ihre Wirkung voll entfalten und Sie den größten Nutzen von der Hormontherapie in den Wechseljahren haben.

Was der Gynäkologe Sie fragen wird

Zu Anfang steht eine ausführliche Anamnese und die Untersuchung durch den Gynäkologen. Auf diese Weise kann der Arzt die für Sie maßgeschneiderte Hormontherapie festlegen. Der Arzt befragt Sie nach folgenden Krankheiten, die Sie selbst oder Ihre Familie betreffen sowie nach Ihren Lebensgewohnheiten. Zur Anamnese bei Wechseljahrsbeschwerden gehören Informationen zu:

  • Krebs
  • Operationen
  • Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Thromboseneigung
  • Fettstoffwechselstörungen wie zu hohe Blutfette, vor allem Cholesterin
  • Lebererkrankungen
  • Gallensteine
  • Bauchspeicheldrüsenprobleme
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Medikamente, die Sie einnehmen

Ultraschall und wenn möglich eine Basis-Mammografie

An diese Anamnese schließt sich die körperliche Untersuchung an. Dazu gehören ein Abstrich aus der Vagina, eine Ultraschalluntersuchung der Unterleibsorgane sowie der Brust und wenn möglich auch eine Mammografie. Nach Beginn der Hormonersatztherapie in den Wechseljahren sollten Sie in regelmäßigen Abständen diese Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. Sinnvoll ist einmal bereits drei Monate nach dem Behandlungsstart, danach jedes halbe Jahr. Die Röntgenuntersuchung der Brust ist davon selbstverständlich meist ausgenommen.

Bluttest meist nicht nötig

Früher rundete oft noch eine Blutuntersuchung diese Diagnose-Palette bei Wechseljahrsbeschwerden ab. Damit lässt sich feststellen, wie hoch oder niedrig die Hormonspiegel sind. Doch diese Werte sagen wenig über das Ausmaß der Wechseljahrsbeschwerden aus. So kann die eine Frau mit einem niedrigen Hormonspiegel keine Hitzewallungen und Schlafstörungen haben, die andere jedoch massiv darunter leiden. Deshalb sehen viele Ärzte von dieser Möglichkeit heute ab.

Hormontherapie früh starten

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es besser ist, mit der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden nicht zu lange zu warten. Beginnt die Hormonersatztherapie schon vor dem 55. Lebensjahr, sind die Chancen, dass die Symptome rasch wieder verschwinden, am größten. Zusätzlich könnten die Medikamente dann sogar leicht schützend auf Herz und Gefäße wirken. Das altersbedingte Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten könnte damit etwas reduziert werden.

Anfangsdosis am besten niedrig

Bewährt hat sich darüber hinaus, die Hormone zu Beginn der Behandlung möglichst niedrig zu dosieren. Der Mediziner nennt das „einschleichende Therapie“. Erst wenn damit keine Besserung der Beschwerden eintritt, kann der Arzt die Menge langsam und kontrolliert steigern. Dieses Verfahren ist ähnlich wie beispielsweise bei der Behandlung mit Schilddrüsenhormonen. Das überfordert den Körper nicht und zwingt ihn nicht plötzlich von Null auf Hundert.

Gel, Zäpfchen oder Tabletten für die Hormontherapie

Alle Mittel zur Hormonersatztherapie sind verschreibungspflichtig. Es handelt sich um hochwirksame Medikamente gegen die Beschwerden rund um die Menopause (letzte Blutung einer Frau). Dabei gibt es unterschiedliche Darreichungsformen:

  • Salben,
  • Zäpfchen,
  • Vaginalring,
  • Gel,
  • Pflaster,
  • Tabletten.

Dabei wirken nur Tabletten und Pflaster systemisch, also im gesamten Körper. Bei der Verarbeitung durchlaufen die Hormone auch die Leber. Viele Ärzte entscheiden sich deshalb mit ihren Patientinnen für Applikationsformen, die lokal und durch die Haut (transdermal) wirken. Besonders niedrig und individuell dosieren lässt sich dabei das Gel.

Das Hormonpflaster dagegen gibt es nur als festgelegte Dosierung. Für Frauen, die vor allem unter Scheidentrockenheit und Blasenproblemen durch den Hormonmangel leiden, eignen sich Zäpfchen mit weiblichen Hormonen besonders gut. Die Botenstoffe wirken dabei sozusagen direkt vor Ort.

Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie

Wer die Hormontherapie in den Wechseljahren einschleichend beginnt, möglichst niedrig dosiert und nur so kurz wie möglich anwendet, wird in der Regel keine Nebenwirkungen erleben. Bei anfangs zu hoher Dosierung können jedoch folgende Probleme auftreten:

  • Brustspannen
  • Wassereinlagerungen
  • Blutungen sowie
  • Gewichtszunahme.

Sprechen Sie mit dem Arzt, wenn Sie eines oder sogar mehrere dieser Anzeichen registrieren. Er wird nach einer Untersuchung die Dosis gezielt senken. Meist legen sich die Nebenwirkungen der Wechseljahrsbehandlung mit Hormonen dadurch. Bitte brechen Sie jedoch niemals eigenmächtig die Hormontherapie ab oder reduzieren Sie die Medikamente ohne Rücksprache mit dem Facharzt. Das bringt den Hormonhaushalt unnötig durcheinander und schafft zusätzliche Probleme für Körper und Psyche. Stimmungsschwankungen können dadurch ebenfalls auftreten, die viele Frauen in den Wechseljahren ohnehin belasten.

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