Gesundheitssystem

Kassenärzte fordern Eintrittsgeld für Notaufnahmen

| Lesedauer: 3 Minuten
Jana Hannemann
Immer wieder gehen auch Patienten mit nur kleinen Wehwehchen in die Notaufnahmen.

Immer wieder gehen auch Patienten mit nur kleinen Wehwehchen in die Notaufnahmen.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Viele Notaufnahmen sind überlastet. Die Kassenärzte wollen den Patientenansturm mit einer Gebühr bekämpfen. Das sorgt für Kritik.

Berlin.  Heftiger Schnupfen, ein verstauchter Fuß oder starke Kopfschmerzen – viele Menschen gehen bereits bei kleinen Wehwehchen ins nächste Krankenhaus. Nur sechs von zehn Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren in Notaufnahmen kamen, waren tatsächlich akute Fälle. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag einer Krankenkasse.

Ein großes Problem für die Kliniken. Denn die Patienten mit Lappalien verstopfen die Notaufnahmen, verursachen hohe Kosten und die Ärzte haben weniger Zeit, sich um die wichtigen Fälle zu kümmern.

Gebühr für jeden Arztbesuch

Die Kassenärztlichen Vereinigungen in Bremen und Niedersachsen schlagen daher Alarm und brachten am Montag eine Patientengebühr ins Gespräch, um überfüllte Notaufnahmen zu entlasten.

„Wir müssen die Patientenströme besser organisieren und leiten“, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) dem „Weser-Kurier“. Die Gebühr solle beim Eintritt bezahlt werden. „Wer dann wirklich ein Notfall ist, bekommt sein Geld zurück.“ Die Bremer Vereinigung ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte eine Gebühr für jeden Arztbesuch.

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Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert Vorschlag

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die als Dachverband 1951 Krankenhäuser vertritt, hält nichts von einer solchen Gebühr. „Eine solche Strafgebühr ist aus unserer Sicht schlicht falsch“, sagte Gerald Gaß unserer Redaktion.

Viele Patienten gingen in die Notaufnahmen, weil es kein ausreichendes Angebot an niedergelassenen Ärzten gebe. Einige Mediziner würden ihre Patienten auch direkt in die Klinik schicken, weil sie überlastet seien und selbst keine freien Termine mehr hätten. „Hier dann die Patienten über eine Gebühr zu bestrafen, ist der völlig falsche Weg“, so der DKG-Präsident.

Auch den Vorschlag der KVN, dass Notfall-Patienten ihr Geld zurückbekommen könnten, kritisiert Gaß. „Ein Patient entscheidet aus seiner subjektiven Wahrnehmung heraus und seine persönliche Betroffenheit kann durchaus so sein, dass er sich als Notfall sieht, ohne nach rein fachlichen Gesichtspunkten tatsächlich eine Notfall zu sein.“

Er warnt davor, dass sozial Schwache von der Gebühr abgeschreckt werden könnten und dann nicht mehr in die Notaufnahme kämen. „Dies könnte in einigen Situationen sogar dramatische Folgen haben“, so Gerald Gaß.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst kann helfen

Zwei Drittel der ambulanten Notfälle fallen zwischen 7 und 19 Uhr an, der Rest in den Abend- und Nachtstunden. Ein Drittel (34 Prozent) der Hilfesuchenden kommt am Wochenende und an Feiertagen.

Wer kein Notfall ist, aber außerhalb der Sprechzeiten Hilfe benötigt, kann sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 wenden. Vor allem Patienten mit einer Magen-Darm-Erkrankung, einem grippalen Infekt oder Bauchschmerzen sind dort am besten aufgehoben. (mit dpa)