Schön durch die Schwangerschaft

Dehnungsstreifen: Kann man vorbeugen und was hilft?

Laser, Creme, kaltes Wasser – wie Sie Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft am besten verhindern und was hilft, wenn sie trotzdem aufgetreten sind: All das verraten wir hier.

Foto: iStock

Schwangerschaftsstreifen (lateinisch Striae gravidarum) treten meist im letzten Drittel der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburtauf. Sie bilden sich parallel, verlaufen längs zur Körperachse und sind anfangs rötlich. Im Laufe der Jahre verlieren sie ihre Farbe und sehen wie helle, längliche Narben aus.

Meistens sind der Bauch, die Brust, aber auch Gesäß und Oberschenkel betroffen – also alle Körperpartien, an denen das Gewebe durch den wachsenden Umfang stark überdehnt wird.

Warum nicht jede Frau Schwangerschaftsstreifen bekommt

Doch nicht jede Frau, die ein oder mehrere Kinder geboren hat, bekommt diese Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft. Manche Frauen überstehen die Schwangerschaft sogar streifenfrei. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht bekannt. Vermutlich hängt es jedoch damit zusammen, wie viel oder – im Fall von Schwangerschaftsstreifen – wieviel oder wie wenig Kollagen (feste Struktur im Bindegewebe) der Körper produziert.

Umgangssprachlich wird ein relativer Mangel an Kollagen als Bindegewebsschwäche bezeichnet. Das ist genetisch vorbestimmt, zusätzlich sinkt während der Schwangerschaft die Kollagenbildung bei allen Frauen zusätzlich.

Ursachen von Dehnungsstreifen

Im Grunde sind Schwangerschaftsstreifen nichts anderes als Geweberisse (Striae cutis distensae) in der Unterhaut. Sie entstehen, wenn die Lederhaut darüber zu stark überdehnt wird. Das Gewebe der Unterhaut reißt und vernarbt.

Nicht nur Schwangere bekommen diese Dehnungsstreifen. Auch Menschen, die schnell und stark zugenommen haben oder hatten, können sie an den entsprechenden Stellen entwickeln – das betrifft Männer wie Frauen. Jedes Kilo mehr beansprucht die Haut. Das Risiko einer Überdehnung steigt und damit auch die Gefahr von Hautrissen und Vernarbungen.

Auch in der Pubertät kann nach starken Wachstumsschüben an Bauch, Brust oder Oberschenkeln das Gewebe reißen. Darüber hinaus kennen Bodybuilder das Problem, wenn sie zu schnell Muskeln aufbauen.

Wie viel darf man in der Schwangerschaft zunehmen, damit keine Dehnungsstreifen entstehen?

Der höchste Risikofaktor für Schwangerschaftsstreifen ist also, in der Schwangerschaft übermäßig zuzunehmen. Dabei ist laut dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) eine Gewichtszunahme von durchschnittlich zehn bis 15 Kilogramm während der Schwangerschaft normal. Um den individuellen Wert zu ermitteln zu können, sollte die Frau ihren Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft kennen:

  • Ist der BMI kleiner als 19,8, darf die Gewichtszunahme 12,5 bis 18 Kilogramm betragen.
  • Bei einem BMI zwischen 19,8 und 26 dürfen 11,5 bis 16 Kilogramm dazukommen.
  • Ist der BMI höher als 26, sind nur noch 11,5 Kilo extra erlaubt.

Massagen und Öl: Kann man Dehnungsstreifen vermeiden?

Wichtigste Vorbeugungsmaßnahme gegen die Vernarbungen ist, in der Schwangerschaft nicht über die Maßen Gewicht aufzubauen. Daneben gibt es jedoch noch einige Möglichkeiten, die überstrapazierte Haut an Bauch, Busen, Po und Oberschenkeln direkt und indirekt zu entlasten.

Tipps zum Vorbeugen von Dehnungssstreifen:

  • Zur richtigen Pflege gehören spezielle Cremes. Wichtige Inhaltsstoffe sind dabei Sheabutter, Vitamin A und E, Mandelöl, Jojobaöl, Arganöl und Nachtkerzenöl. Eine solche Creme hält die Haut elastisch und pflegt sie.

  • Massieren Sie Ihren Bauch und die anderen Bereiche mit einem guten Öl, das entsprechende Inhaltsstoffe bietet, also Öle aus Shea, Mandel, Argan und ähnliche. Besonders wirksam ist eine Zupfmassage. Dabei ziehen Sie die Haut ganz leicht mit Daumen und Zeigefinger vom Körper weg. Das verbessert die Elastizität der Haut. Vorsicht: Ab zwei Wochen vor dem Geburtstermin sollte die Zupfmassage nicht mehr gemacht werden, denn sie kann unter Umständen Wehen auslösen.

  • Kalte Güsse: Schließen Sie jedes Duschen mit kaltem Wasser ab. Führen Sie dabei den Duschkopf in kreisenden Bewegungen sanft über die Zonen, die für Schwangerschaftsstreifen gefährdet sind. Das fördert die Durchblutung und Dehnfähigkeit der Haut. Ein Massagehandschuh unterstützt diese Wirkung.

  • Wichtig ist die Regelmäßigkeit: Das Pflegeritual optimalerweise täglich durchführen, am besten jeweils einmal morgens und abends. Dann treten die Geweberisse möglicherweise gar nicht auf oder sind wenigstens schwächer ausgeprägt.

  • Zusätzlich sind eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sowie leichtes Training wichtig, um Haut und Bindegewebe von innen zu stärken.

Von Creme bis Laser: Was hilft bei Dehnungsstreifen?

Haben sich die Streifen jedoch schon gebildet, verschwinden sie meist nicht mehr von allein. Früher hieß es dann: jahrelang cremen, massieren und weiter mit Wechselduschen behandeln, damit die Haut sich nach und nach wieder regeneriert. Meist werden durch diese Maßnahmen jedoch im besten Fall die Narben schwächer, verschwinden jedoch nur selten ganz.

Besonders hartnäckig sind ausgeprägte Schwangerschaftsstreifen. In solchen fällen empfiehlt der Dermatologe (Hautarzt) nach dem Ende der Schwangerschaft folgende Therapien, um die Dehnungsstreifen in den Griff zu bekommen:

  • Behandlung mit Vitamin-A-Säure: Die starke Säure kann Narben auflösen. Die Behandlung sollte jedoch an der Brust erst nach Ende des Stillens begonnen werden.

  • Spezielle Säuren (Trichloressigsäure), die der Arzt sonst zum Hornhaut-Peeling und zur Warzenbehandlung verwendet.

  • Mesotherapie: Mit sehr feinen Nadeln spritzt der Arzt hierbei Stoffe in die Haut (beispielsweise ), die von innen heraus die Haut aufbauen, Narben und Falten sollen damit verschwinden.

  • Bei der Microdermabrasion handelt es sich um ein mechanisches Abschleifen der Haut (Micropeeling).

  • Microneedling: Hierbei bearbeitet der Arzt die Haut mit einer kleinen Rolle, welche mit winzigen Nadeln gespickt ist. Diese Mikroverletzungen aktivieren die Hautfunktionen und regen die Kollagenbildung an.

  • Lasern lassen: Der Arzt behandelt die Streifen mit einem sogenannten Fraxel-Laser. Das Laserlicht erhitzt Teile in der Haut, das Gewebe wird dadurch straffer und die Haut erneuert sich schneller als sonst.

Dehnungsstreifen entfernen - die Kosten

Welche dieser Behandlungsmethoden die individuell passende ist, entscheiden Arzt und Patientin gemeinsam. Allerdings sind diese Therapien keine Kassenleistung, da Dehnungsstreifen als rein kosmetisches Problem gelten. Die Kosten belaufen sich je nach Methode auf 50 bis mehrere hundert Euro pro Therapiesitzung.

Mehr zum Thema „schwangerschaftsstreifen“ erfahren Sie auf Lifeline.de.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.