Gesundheit

Krätze in Berlin wieder auf dem Vormarsch

In Berlin – wie auch bundesweit – gibt es wieder mehr Fälle der Hautkrankheit Krätze. Das ergab eine Untersuchung einer Versicherung.

Eine Ärztin zeigt auf ein Foto von einem Mann mit Krätze

Eine Ärztin zeigt auf ein Foto von einem Mann mit Krätze

Foto: dpa

Berlin. Viele halten sie für ausgerottet, doch die Krätze ist wieder auf dem Vormarsch. In Berlin und bundesweit haben Ärzte 2017 deutlich mehr Medikamente gegen die Hautkrankheit verschrieben als noch ein Jahr zuvor, wie aus einer Untersuchung der Krankenkasse Barmer unter ihren Versicherten hervorgeht. In Berlin wurden 35 Prozent mehr Medikamente verschrieben, bundesweit im Schnitt 60 Prozent.

Warum die Zahl ansteige, gehe aus den Daten nicht hervor, sagte ein Barmer-Mitarbeiter der Deutschen Presse-Agentur. Erhielten 2016 noch rund 1000 Betroffene in Berlin, die bei der Barmer versichert waren, Krätze-Medikamente, waren es ein Jahr später rund 1360. Bundesweit stiegen die Verordnungen von rund 38 100 auf rund 61 300. Die Krankenkasse DAK hatte bundesweit ebenfalls von einem Anstieg der Krätze-Behandlungen berichtet.

Steigerung von 4300 auf 7300 Fälle

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin verzeichnet mehr solche Diagnosen. Waren es im vierten Quartal 2016 noch rund 4300 Fälle, stieg die Zahl auf rund 7300 im vierten Quartal 2017. Zu diesen Fällen zählen laut einer Mitarbeiterin aber zu einem geringen Prozentsatz auch Infektionen mit anderen Bakterien, allerdings keinen größeren Parasiten wie Läusen oder Maden.

Eine umfassende Meldepflicht gibt es laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht. Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Obdachlosenheime, Flüchtlingsunterkünfte oder Gefängnisse müssen Ausbrüche an die Gesundheitsämter melden. Diese wiederum müssen die Daten nicht an die Landesbehörden oder das RKI weiterleiten.

Die auch Skabies genannte Krankheit wird von Milben verursacht, die nur schwer mit bloßem Auge zu erkennen sind. Mangelnde Sauberkeit als Ursache für die Krätze ist Experten zufolge ein Vorurteil. Der oft vermutete Zusammenhang zwischen schlechter Körperhygiene und Skabies entspreche vermutlich nicht der Wirklichkeit, heißt es in einem RKI-Ratgeber.

Trockene Haut gilt als Risiko

Experten zufolge kann sie jeden treffen, kommt in allen sozialen Schichten vor und wird durch engen Körperkontakt übertragen. Trockene Haut gilt als ein Risikofaktor. Sie macht es den Spinnentieren leicht, sich in die obere Schicht der Haut zu bohren und dort ihre Eier oder auch Kot abzulegen. Das löst den starken Juckreiz aus, der jener Tabu-Krankheit ihren Namen gab, die auch schon Napoleon geplagt haben soll.

Symptome treten laut RKI erst nach vier bis sechs Wochen aufgrund der Reaktion des Immunsystems auf Eier und Ausscheidungen der Milben auf. Krankheitszeichen sind Brennen der Haut und Juckreiz, der besonders nachts stark ausgeprägt ist, stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln.

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