Gesundheit

„Ich rate Frauen ab 50, am Brustkrebs-Screening teilzunehmen“

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Regina Köhler

Foto: Sankt Gertrauden-Krankenhaus GmbH

Claudia Gerber-Schäfer leitet seit einem Jahr das Brustzentrum City am Gertrauden-Krankenhaus. Bei den Fallzahlen liegt die Klinik auf Platz 1. Einige Risikofaktoren lassen sich ausschalten.

Claudia Gerber-Schäfer ist die neue Leiterin des Brustzentrums City am Sankt Gertrauden-Krankenhaus. Sie hat in Freiburg studiert und ihre Facharztausbildung an der Uni-Klinik in Freiburg gemacht. Von 2005 bis 2011 hat sie mit Jens-Uwe Blohmer zusammengearbeitet. „Das hat mich geprägt und mein Interesse für das Thema Brustkrebs geweckt“, sagt sie.

Brustkrebs sei eine Erkrankung des gesamten Körpers. Betroffene müssten deshalb ganzheitlich behandelt werden. „Standard ist eine Operation sowie eine medikamentöse Therapie, wie etwa die Antihormontherapie und oft auch eine Chemotherapie.“

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Die Risikofaktoren für Brustkrebs seien noch nicht abschließend erforscht, sagt Claudia Gerber-Schäfer. Übergewicht scheine eine Rolle zu spielen, auch übermäßiger Nikotinkonsum. In den meisten Fällen handle es sich bei einer Erkrankung jedoch um eine zufällige Genmutation. „Reparaturenzyme fehlen, bestimmte Zellen werden plötzlich autonom“, sagt Claudia Gerber-Schäfer.

Die Schuldfrage dürfe deshalb gar nicht erst gestellt werden. Bei fünf bis zehn Prozent der erkrankten Frauen würde eine vererbte Variante der Krankheit Brustkrebs auslösen. Wer dazugehört, das könne heute ziemlich schnell durch einen Bluttest herausgefunden werden. Frauen, die betroffen sein könnten, weil nahe Verwandte Brustkrebs hatten, sollten sich in der Spezialsprechstunde der Charité anmelden, sagt Gerber-Schäfer. Prophylaktisch werden diesen Frauen oft die Brüste abgenommen und die Eierstöcke entfernt wie bei der US-amerikanischen Schauspielerin Angelina Jolie, die ihr Schicksal öffentlich gemacht hat. In solchen Fällen sei das durchaus sinnvoll, sagt Claudia Gerber-Schäfer.

Auch Männer können Brustkrebs bekommen

Kann man einer Brustkrebserkrankung vorbeugen? Nicht in jedem Fall, betont die Ärztin. Eine ausgewogene Ernährung sei aber wichtig. Wenig Zucker, wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse. Eine spezielle Krebsdiät gebe es allerdings nicht. Auch regelmäßige Bewegung und Gewichtsreduktion seien angeraten. Untersuchungen hätten gezeigt, dass bereits betroffene Patienten sehr von regelmäßigem Sport profitieren. „Es kam viel seltener zu Wiedererkrankungen.“ Die Ärztin rät Frauen dazu, am Brustkrebs-Screening teilzunehmen, zu dem in Berlin alle Frauen ab 50 regelmäßig eingeladen werden. Wer dichtes Brustgewebe hat, der sollte zudem regelmäßig mit Ultraschall überwacht werden, weil er ein größeres Risiko habe, zu erkranken.

Schließlich könnten auch Männer Brustkrebs bekommen. „Deutschlandweit gibt es pro Jahr etwa 500 Neuerkrankungen bei Männern“, sagt Claudia Gerber-Schäfer. Oft würden diese Erkrankungen aber erst in einem späten Stadium festgestellt werden, was die Therapie erschwere. Männer würden meist ähnlich wie Frauen behandelt.

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