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Die meisten Schlaganfall-Patienten werden in Neukölln versorgt

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Foto: Amin Akhtar

„Wo Berlin gesund wird“: Der Schlaganfall ist der Infarkt im Gehirn. Auch hier zählt jede Sekunde. Oft bleiben aber Beeinträchtigungen zurück.

Was beim Infarkt im Herzen passiert, passiert beim Schlaganfall im Gehirn – ein Gefäß ist verstopft. In beiden Fällen zählt jede Minute, und „es gibt keinen hundertprozentigen Schutz davor“, sagt Professor Darius Nabavi, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln. Insgesamt 1684 Patienten mit einem akuten Schlaganfall wurden 2014 in dem Neuköllner Klinikum versorgt – die meisten Fälle in ganz Berlin. Allein 16 Plätze gibt es für die Erstbehandlung auf der Schlaganfallstation, der sogenannten Stroke Unit. Zum Vergleich: Bundesweit haben die 270 Stroke Units durchschnittlich sieben Betten.

Ein verwirrter Blick, Sprach- oder Sehstörungen, eine halbseitige Lähmung oder Koordinationsprobleme – das können Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Dabei verstopft meist ein Gerinnsel eine Hirnarterie. Das führt schlagartig zum Ausfall einer Gehirnfunktion.

Zum Lebensalter kommt der Lebensstil als Risikofaktor hinzu

Bei vielen Schlaganfällen reicht es oft, das Blutgerinnsel mit einer Infusion – der Lyse-Therapie – aufzulösen. „Ist eine größere Ader verstopft, muss das Gerinnsel nach der Infusion mit einem Hirnkatheter aus der Ader herausgezogen werden“, sagt Darius Nabavi. Dies wird durch Experten der Nachbardisziplin – der Neuroradiologie – durchgeführt, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Ist die Ader auch noch durch Ablagerungen verengt, wird sogar ein Stent gesetzt. Durchschnittlich 72 Jahre alt sind die Schlaganfallpatienten im Klinikum Neukölln. Zum Lebensalter kommt oft noch der Lebensstil als Risikofaktor hinzu. Übergewicht, Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen und Bluthochdruck können einen Schlaganfall begünstigen. „Jeder zweite Berliner ab 50 Jahren hat Bluthochdruck“, sagt Nabavi. Der müsse unbedingt kontrolliert und gesenkt werden. In selteneren Fällen führen eine Gerinnungsstörung, rheumatische Erkrankungen oder Gefäßverletzungen zu einem Schlaganfall.

Im Jahr 2014 wurden 12.000 Berliner mit einem Schlaganfall in Kliniken behandelt, etwa jeder siebte Patient davon im Neuköllner Klinikum. Allein in diesem Jahr wurden dort schon 50 Kathetereingriffe und 100 Lyse-Therapien vorgenommen. Jeder dritte Schlaganfallpatient muss später mit Einschränkungen leben, oft bleiben Lähmungen zurück. Es kann aber auch gut gehen. Glück hatte kürzlich ein 29-jähriger Mann, der nach seinem Schlaganfall zu Hause gerade noch die 112 wählen konnte. Wenige Minuten später war die Lyse-Infusion gelegt, kurz darauf erfolgte der Kathetereingriff. Er konnte sich anfangs nicht bewegen, hatte schwerste Ausfälle. Heute lebt er fast beschwerdefrei. Um den Betroffenen noch besser zu helfen, wird am Klinikum Neukölln derzeit eine Früh-Reha-Abteilung aufgebaut. „Es hilft, gesund zu leben und nicht zu rauchen“, sagt Professor Nabavi. Also zweimal pro Woche eine halbe Stunde Bewegung, viel Obst und Gemüse.

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( kla )