Diabetes

Wie Hunde Menschen vor Unterzuckerung warnen können

Assistenzhunde können Betroffene vor einer Unterzuckerung warnen. Sie ersetzen aber nicht die bewährten Hilfsmittel. Dennoch sind sie für Diabetiker bei der Therapie eine beruhigende Ergänzung.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture - Buddy Bartelsen

Wachsam schnuppert Pudel Merlin an der Schweißprobe eines unterzuckerten Diabetikers, die ihm Birke Inka Bürger vor die Schnauze hält. Kurz darauf leckt er an ihrem Unterarm – ein Warnhinweis. Die zertifizierte Trainerin demonstriert wie Diabetikerbegleithunde (im Fachjargon: Hypoglykämie-Warnhund) lernen, auf den absinkenden Blutzuckerwert eines Typ-1-Diabetikers zu reagieren. Die Hauptaufgabe des Assistenzhundes besteht darin, den Diabetiker zu warnen, bevor eine Unterzuckerung passiert.

Denn dieser gefährliche Zustand kann bei Diabetikern zur Handlungsunfähigkeit oder zum Koma führen. „Zuerst lernt der Hund anhand des Geruchs den normalen Zustand des Menschen wahrzunehmen, dann jenen, wenn er unterzuckert ist“, beschreibt Birke Inka Bürger die Strategie.

Im nächsten Schritt vermittelt sie, mit welchem Verhalten er warnen soll. „Das kann durch Anstupsen mit der Schnauze oder Lecken am Unterarm sein“, sagt sie.

Langnasige Hunde besonders gut geeignet

„Sehr gut geeignet für diese Aufgabe sind langnasige Hunde, da sie besonders gut riechen können“, sagt Birke Inka Bürger. Dazu gehören zum Beispiel Pudel, Jagdhunde, Collies und Schäferhunde. Außerdem müssen diese Hunde sehr menschenfreundlich sein und eine enge Bindung eingehen können, damit sie permanent an der Seite des Patienten sind.

„Hütehunde und Pudel können das sehr gut“, weiß die Trainerin. Sie empfiehlt einen Hund für diese Zwecke direkt beim Züchter zu kaufen. „Da weiß man, dass er gesund ist und kein Fehlverhalten hat, was bei einem Hund aus dem Tierheim nicht garantiert werden kann“, sagt sie. Stressresistent, ruhig und an viele Umweltbedingungen gewöhnt, müsse so ein Hund sein.

Inzwischen hat eine aktuelle Studie des Deutschen Assistenzhunde Zentrums belegt, dass Hunde bei Unterzuckerung des Betroffenen auch auf eine verringerte Sauerstoffsättigung in dessen Körper reagieren. Sie erkennen zudem eine damit einhergehende veränderte Atmung. Auch diese neuen Erkenntnisse lässt Birke Inka Bürger jetzt in das Training einfließen.

Auch ein Hund kann mal erkältet sein

Seit mehr als zehn Jahren bildet die gelernte Krankenschwester Assistenzhunde auch für Blinde und Epileptiker aus. Die Aufgabe eines Diabetikerbegleithundes sieht sie aber auch kritisch: „Man darf auf keinen Fall die gesamte Verantwortung auf einen Hund übertragen und sollte auf bewährte Hilfsmittel nicht verzichten!“

Ein Hund sei keine Maschine. Auch er könne mal erkältet sein oder „verschläft“ ganz einfach. Jeder Diabetiker müsse innerhalb eines Wahrnehmungstrainings lernen, auch selbst lebensbedrohliche Zustände wie eine Unterzuckerung zu erkennen.

Unseriöse Assistenzhunde-Schulen würden jedoch mit einer Verlässlichkeit des Hundes werben. „Das ist äußerst fahrlässig“, warnt Birke Ilka Bürger. Dennoch sei er eine schöne Ergänzung und habe auf Betroffene eine entspannende Wirkung.

Ausbildung ist langwierig und kostenintensiv

Eine Ausbildung zum Diabetikerbegleithund hat – wie bei anderen Assistenzhunden auch – seinen Preis: Wer einen jungen Hund direkt vom Züchter möchte, muss mit Kosten von bis zu 15.000 Euro rechnen. Das ist viel Geld.

Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass das Training sieben Tage die Woche umfasst und mindestens ein bis zwei Jahre dauert, sagt die Trainerin. Auch die Anschaffung des Hundes, Versicherungen, Futter und Steuern sind in den Kosten enthalten. „Da relativiert sich der Preis schnell“, sagt Birke Inka Bürger.

Wer sich für einen Diabetikerbegleithund entschließt, solle sich eine Hundeschule mit Ausbildern suchen, die ihre Qualifikation nachweisen können, lautet der Rat der Trainerin. „Ein guter Trainer bringt nicht nur humanmedizinisches Wissen mit, sondern auch umfangreiche Kenntnisse über Hunde“, sagt Birke Inka Bürger.

Auf seriöse Hundeschulen mit zertifizierten Trainern achten

Sie selbst hat – zusätzlich zu ihrer Ausbildung als Krankenschwester – in der Schweiz die Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) besucht. Dort ließ sie sich zur staatlich anerkannten Assistenzhundetrainerin ausbilden.

Um auch in Deutschland Qualitätsstandards für geprüfte Assistenzhundetrainer festzulegen und unseriösen Anbietern entgegenzuwirken, hat sie mit dem Hundetrainer Mirco Pohl den Berufsverband BZA gegründet. Dessen Homepage (http://bza-ev.de.tl) gibt einen guten Überblick darüber, was ein Trainer mitbringen muss.

Etwa 40 Hunde hat Birke Inka Bürger schon ausgebildet, zehn davon als Diabetikerbegleithunde. Einer davon steht Ines S. zur Seite. Die Diabetikerin, die selbst eine Insulinpumpe nutzt, schätzt an dem Double Doodle (eine Kreuzung aus Labrador Retriever sowie dem Golden Retriever und dem Pudel) einem vor allem das ruhige Wesen. Sie sagt aber auch: „Er gibt mir zwar zusätzliche Sicherheit, aber ich würde mich nie ausschließlich auf ihn verlassen. Die Verantwortung liegt allein bei mir!“

www.assistenzhunde-zentrum.de

www.prmaximus.de/99003

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