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Homöopathie – Ärzte geben Hilfe „aus zwei Welten“

Pro & Contra: Kann Homöopathie helfen? Studien beweisen die Wirksamkeit, und am Ende stimmen die Patienten mit den Füßen ab, meint die Berlinerin Ursula Dohms, Ärztin für Homöopathie.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilpraktiker erfreuen sich eines regen Zulaufs, und die Mehrzahl der Krankenkassen übernimmt die Kosten – einige von ihnen verlangen allerdings eine Therapie durch einen Arzt. Neben der Linderung von akuten Beschwerden verspricht diese Therapieform auch Hilfe bei chronischen („konstitutionellen“) Leiden.

Doch die Homöopathie ist seit langem heftig umstritten. Von Freitag bis Sonntag findet in Berlin ein Symposium der „Homöopathen ohne Grenzen“ statt. Diese Organisation plädiert dafür, die Homöopathie auch im Rahmen humanitärer Hilfe im Ausland einzusetzen. Diese Tagung soll Anlass sein, die Heilmethode in einem Pro & Contra zu hinterfragen.

Unser „Pro“ stammt von Dr. med. Ursula Dohms, Ärztin für Homöopathie in eigener Praxis in Charlottenburg und 1. Vorsitzende des Berlin-Brandenburger Verbands homöopathischer Ärzte. Und hier geht es zum „Contra“.

Die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch

Der homöopathische Arzt hat in seiner täglichen Praxis einen Vorteil: Ihm stehen das Repertoire der Homöopathie und die Möglichkeiten der konventionellen Medizin zur Verfügung. Je nach Krankheitsfall und Patient kann er mit diesem Handwerkszeug eine individuelle Behandlung entwickeln. Grundlage der homöopathischen Behandlung ist die Erstanamnese. Sie dauert zwischen einer und drei Stunden und ist ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten.

Dabei geht es etwa um markante Punkte in der Biografie, um seine Lebenssituation, um die Gesamtheit seiner Beschwerden von Kopf bis Fuß – bis hin zu seinen Eigenarten und Vorlieben. Die freie Schilderung ist für den Arzt wertvoll. Er hört zu, nutzt aber auch sein Sehen, Riechen und Tasten, um alle Mosaiksteinchen der Krankheit wahrzunehmen. Auf dieser Grundlage ermittelt er die passende Arznei nach dem Ähnlichkeitsprinzip.

Das heißt: Der Patient bekommt eine Arznei, die bei einem Gesunden möglichst genau die Beschwerden auslöst, an denen der Patient leidet. Der Arzt provoziert eine kurzfristige Verschlimmerung. Erst die Gegenreaktion des Körpers auf die Arznei setzt den Heilungsprozess in Gang. Das ist gemeint, wenn gesagt wird, die Homöopathie aktiviere die Selbstheilungskräfte.

Auch solchen Patienten wird geholfen, die als austherapiert galten

Nicht selten finden Patienten, die aus Sicht der konventionellen Medizin als „austherapiert“ gelten, Hilfe durch die Homöopathie. Zum einen bestätigen das Tausende homöopathische Ärzte in Deutschland, die diese Erfahrungen mit ihren Patienten machen. Zum anderen belegen es Studien aus der Versorgungsforschung, die die Wirksamkeit von Behandlungsmethoden unter Praxisbedingungen untersucht.

Die bisher größte Studie dieser Art ist eine Beobachtungsstudie über acht Jahre mit 3981 Patienten. Sie wurde an der Charité in Berlin durchgeführt. Die häufigsten Diagnosen waren langjährige chronische Krankheiten. Bei Frauen Kopfschmerzen und Migräne, bei Männern allergischer Schnupfen und Bluthochdruck, bei Kindern Neurodermitis und Infektanfälligkeit. Das Ergebnis: Es zeigte sich im Vorher-Nachher-Vergleich eine Reduktion der Beschwerden im Mittel um die Hälfte und eine deutliche Besserung der Lebensqualität.

Neben den genannten Möglichkeiten schöpft der homöopathische Arzt auch die konventionelle medizinische Diagnostik aus. Die Behauptung, homöopathische Ärzte seien „Gegner der Schulmedizin“, gehen an der heutigen Arbeitsrealität vorbei. Vielmehr kennt er die Möglichkeiten und Grenzen der konventionellen Medizin genauso gut wie die der Homöopathie. Und das macht ihn zu einem starken Partner für den Patienten.

Die Patienten stimmen mit den Füßen ab – sie gehen zum Homöopathen

Er kann beide Methoden einzeln oder in Kombination anwenden. Die Grundlage dafür ist seine Ausbildung als Facharzt und seine Weiterbildung als Homöopath, die von der Ärztekammer zertifiziert wird. Im Optimalfall ist er Träger des Homöopathie-Diploms des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.

Am Ende stimmt der Patient mit den Füßen ab. Und die führen ihn vermehrt in die homöopathische Arztpraxis. 70 Prozent der Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für die Behandlung mit ärztlicher Homöopathie. Einige Kassen erstatten auch die homöopathischen Medikamente als Satzungsleistung.

Und repräsentative Umfragen zeigen, dass die Homöopathie in der Bevölkerung sehr beliebt ist und ihre sanfte Wirksamkeit geschätzt wird. Trotz gelegentlicher Beißreflexe etablierter Strukturen, die mal in Medien, mal politisch auftreten, wächst das Vertrauen in die ärztliche Homöopathie stetig. Für dieses Vertrauen der Menschen arbeiten meine Kollegen und ich jeden Tag mit Freude. – Denn es macht uns zu zufriedenen Ärzten.

Hier geht es zum „Contra“.

Weitere Informationen des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) gibt es hier.