EU-Kommission

Medikamentenwerbung bleibt in Europa verboten

Pharmafirmen dürfen in Europa auch weiterhin nicht für verschreibungspflichtige Medikamente werben. Die EU-Kommission plant eine leichte, aber überwachte Lockerung.

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Patienten sollen nach dem Willen der EU-Kommission klar und verständlich über verschreibungspflichtige Medikamente informiert werden. Für diese Arzneien werben dürfen die Pharmakonzerne aber nicht. Die EU-Kommission stellte einen Vorschlag in Brüssel vor. Demnach dürfen Hersteller nur auf amtlich registrierten Internetseiten über ihre Medikamente informieren. Außerdem sollen die Informationen von den zuständigen nationalen Behörden überwacht werden.

„'Dr. Google' ist keine verlässliche Quelle. Dem müssen wir eine gute, geprüfte Alternative entgegen setzen“, erklärten die konservativen EU-Abgeordneten Peter Liese und Anja Weisgerber. Werbung in Radio und Fernsehen sowie Anzeigen in Zeitungen und Magazinen soll es laut Kommissionsvorschlag auch künftig nicht geben. Sie verwiesen darauf, dass die Arzneimittelwerbung in den USA die Gesundheitskosten in die Höhe getrieben habe.

Weitergehende Lockerung geplant

Im Jahr 2008 hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, das Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente zu lockern, und damit im Europaparlament für heftige Proteste gesorgt. Daraufhin hatte sie den Entwurf zur Überarbeitung zurückgenommen. Die Industrie erhält nun einen etwas größeren Spielraum für Arzneimittelinformationen.

„Die überarbeiteten Vorschläge setzen die Rechte, Interessen und die Sicherheit der Patienten an die erste Stelle“, sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli. „Patienten sind zunehmend daran interessiert, mehr darüber zu erfahren, welche Medikamente sie nehmen.“ Daher müssten die Informationen im Internet sowie auf den Beipackzetteln auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein: sachlich richtig, neutral formuliert und klar verständlich. Sie sollen Aufschluss geben über Anwendung, Kosten und relevante klinische Studien. Alle Angaben müssen vor ihrer Verbreitung von den zuständigen Behörden überprüft werden.

Verhandlungen folgen

Die Vorgaben der Kommission zielen nur auf die Industrie ab - Dritte wie etwa Journalisten und Patientenverbände sollen ihre Meinung über Arzneimittel weiter frei äußern dürfen. Voraussetzung sei, dass sie unabhängig von der Industrie handelten, betont die Brüsseler Behörde. Die Vorschläge werden nun von den Mitgliedstaaten der EU und dem Europaparlament verhandelt.

„Patienten müssen das Recht und die Möglichkeit haben, verlässliche Informationen über Krankheiten und Therapien sowie über Inhaltsstoffe, Anwendung und Wirkung ihrer Arzneimittel zu bekommen“, sagte die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt.