Medikament

260 Todesfälle durch Schlaganfall-Mittel Pradaxa

Nach der Einnahme von Pradaxa sind weltweit mehr Menschen gestorben als bisher angenommen. Der Pharamakonzern Boehriger ist aber auf den Erfolg des Medikaments angewiesen.

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Die Zahl der weltweit gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit dem neuen Schlaganfall-Mittel Pradaxa des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim ist größer als bisher angenommen. Seit der ersten Zulassung im März 2008 bis zum 31. Oktober 2011 starben 260 Patienten an inneren Blutungen, wie Unternehmenssprecher Sebastian Wachtarz Morgenpost Online bestätigte. Bei weiteren 80 Patienten seien „schwerwiegende Blutungen mit anderer oder unbekannter Todesursache“ aufgetreten. In Deutschland habe es vier Tote gegeben. Bisher war von 50 Todesfällen weltweit die Rede gewesen.

Boehringer Ingelheim hatte den Wirkstoff Dabigatran 2008 als Blutverdünnungsmittel nach Hüftgelenksoperationen auf den Markt gebracht. Seit vergangenem Jahr ist es unter dem Namen Pradaxa als Medikament zur Schlaganfall-Prophylaxe zugelassen und seit September auch in Deutschland auf dem Markt. Ende Oktober musste der Konzern einen sogenannten „Rote-Hand-Brief“ verschicken. Damit geben Pharmaunternehmen Warnungen vor schweren Nebenwirkungen aus: In Japan, wo Pradaxa seit Januar zugelassen ist, hatte es mehrere Todesfälle gegeben. Die verstorbenen Patienten in Japan hätten Pradaxa nie bekommen dürfen, sagte Wachtarz. Darauf habe Boehringer von Anfang an in der Fachinformation hingewiesen: Bei Patienten mit einer Unterfunktion der Niere darf das Mittel gar nicht oder nur sehr gering dosiert eingesetzt werden, weil bei ihnen der Wirkstoff langsamer abgebaut wird. Wichtig sei nun, dass Patienten Pradaxa nicht eigenmächtig absetzen, warnte Wachtarz.

Pradaxa ist für Boehringer eines der wichtigsten Medikamente. Zum einen gehört die Schlaganfall-Prophylaxe zu den wenigen Wachstumsmärkten in der Branche. Zum anderen laufen bei dem Familienunternehmen mehrere Patente aus. Der Konzern ist deshalb nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr auf den Erfolg von Pradaxa angewiesen.