Übergewicht

Auf die Verteilung kommt es an

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Das geringste Sterberisiko haben Menschen um die 50, wenn sie leicht übergewichtig sind. Das zeigt eine große internationale Ernährungsstudie. Starkes Übergewicht und eine dicke Taille erhöhen demnach das Sterberisiko – aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs.

Am geringsten war das Risiko in der Untersuchung für Frauen mit einem sogenannten Body-Mass-Index (BMI) von 24,3 sowie für Männer mit einem Index von 25,3. Bei einer 1,70 Meter großen Frau entspricht das einem Gewicht von 70 Kilogramm, bei einem 1,85 Meter großen Mann 87 Kilogramm. Der BMI berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat. Ist dieser Wert bei Frauen größer als 24 oder bei Männern größer als 25, spricht die klassische Definition von Übergewicht. Mit zunehmendem Alter steigt nach Ansicht vieler Mediziner jedoch der vorteilhafte BMI-Bereich.

Studienteilnehmer mit einem hohen Body-Mass-Index starben häufiger an Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden. Teilnehmer mit einem niedrigen BMI starben dagegen häufiger an Erkrankungen der Atmungsorgane, wie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) mitteilte.

Ebenso wichtig wie der BMI ist nach Darlegung der Potsdamer Forscher um Tobias Pischon und Heiner Boeing allerdings die Verteilung des Körperfetts. Bauchfett produziere Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen förderten. So könne zum Teil erklärt werden, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen Body-Mass-Index, aber einem großen Taillenumfang ein erhöhtes Sterberisiko hätten.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln“, erklärte Boeing. Eine Einschätzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend. Als Ursache für den Zusammenhang zwischen niedrigem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt den Wissenschaftlern zufolge auch ein „durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der im Vergleich zum Fettgewebe schwereren Muskelmasse“ infrage. Menschen, die Gewicht verlören, bauten oftmals mehr Muskeln als Fett ab.

Die Forscher stellen ihre Studie im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ (Bd. 359, S. 2105) vor. Grundlage der Untersuchung sind die Daten von knapp 360.000 Teilnehmern der Studie aus neun europäischen Ländern. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer, deren Gesundheitszustand im Mittel knapp zehn Jahre lang beobachtet wurde, lag zu Beginn der Untersuchung bei 51,5 Jahren.

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( dpa/cl )