Gesundheit

Junge Männer werden immer dicker

Die "Fit fürs Leben"-Studie zeigt: Junge Erwachsene sind alles andere als fit. Junge Männer nehmen pro Jahr durchschnittlich ein Kilo zu. Mehr als ein Drittel ist übergewichtig. Das Risiko für Herzkrankheiten steigt. Wenig Sport, viel Fastfood und Süßigkeiten – junge Frauen haben die gleichen Probleme.

Foto: pa/ZB / dpa

Sind die Kinder aus dem Haus, bauen sie sich ihr eigenes Leben auf – mit allen guten und schlechten Eigenarten, auf die die Familie meist keinen Einfluss hat. Gesundheitliche Gewohnheiten, also Sport oder Ernährung, verfestigen sich im Alter von 20 bis 25 Jahren deutlich, betonen Forscher der Deutschen Sporthochschule in Köln jetzt. Besonders auf junge Männer trifft dies zu, hat eine aktuelle Studie ergeben.

Die "Fit fürs Leben"-Studie ist eine der ersten Studien, die sich mit der Zeit des Umbruchs zwischen 16 und 25 Jahren beschäftigt. Bisherige Jugendstudien haben sich, wie etwa die KIGGS-Studie, für die das Robert-Koch-Institut in Berlin von 2003 bis 2006 über 17 000 Mädchen und Jungen untersucht hat, auf Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren konzentriert.

"Da die meisten Untersuchungen auf Heranwachsende bis zum 18. Lebensjahr fokussieren, ist weitgehend offen, ob und inwieweit sich negative Verhaltensmodifikationen bei jungen Erwachsenen verstärken", schreiben die Autoren um Dieter Leyk. Deshalb haben die Sportmediziner untersucht, wie fit junge Erwachsene von 16 bis 25 Jahren sind und wie sie sich ernähren.

Zu viel Speck auf den Rippen

Dazu haben Leyk und sein Team über 12.500 junge Männer und Frauen untersucht. Sie haben ihr Gewicht und ihre Größe vermessen, sie auf ihre Lebens-, Bewegungs- und Essensgewohnheiten hin befragt und anhand dieser Daten die Risiken für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen berechnet.

Die Ergebnisse: Die jungen Männer nahmen im Durchschnitt ein Kilogramm pro Jahr zu. Das zeigte sich nicht nur durch eine höhere Körperlänge, sondern vor allem durch mehr Speck auf den Rippen: Der Taillenumfang der Männer nimmt pro Jahr um etwa einen Zentimeter zu. 32 Prozent der Männer sind übergewichtig. Je älter die jungen Männer werden, desto größer ist die Gefahr des Übergewichts. Die 25-Jährigen haben ein deutlich höheres Risiko für Übergewicht als die 16- bis 20-Jährigen.

Knapp ein Viertel der Frauen war übergewichtig. Ihr Risiko für Übergewicht korrelierte nicht eindeutig mit dem Lebensalter. Bei einer solchen Verbreitung von Übergewicht werden die Folgen "nicht allein das Problem der Betroffenen bleiben", warnen die Forscher.

Sportmuffel und Leckermäuler sind gefährdet

Das Übergewicht kommt nicht von ungefähr: Ein Viertel aller Heranwachsenden treibt nie oder nur selten Sport, je älter desto seltener. Nur 19 Prozent der 25-jährigen Frauen ist in einem Sportverein aktiv, bei den gleichaltrigen Männern sind es 30 Prozent. Zudem geben 46 Prozent der Frauen in der Studie an, dass sie eher häufig Süßigkeiten essen (von den Männern haben das nur 35 Prozent angegeben). Die Männer schlagen dafür häufiger bei Softdrinks (62 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen) und bei Fastfood (38 Prozent der Männer, 24 Prozent der Frauen) zu.

Ein Blick auf die Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten erstaunt: So ist nur jeder vierte junge Erwachsene frei davon. Von den 16-Jährigen leben immerhin noch 30 Prozent einigermaßen gesund, bei den 25-Jährigen sind es weniger als 20 Prozent. Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern konnten die Forscher nicht ausmachen.

Gesundheit der Jugendlichen verschlechtert sich

Die "Fit fürs Leben"-Studie, die die Forscher in der aktuellen Ausgabe des "Deutschen Ärzteblattes" vorstellen, zeigt, dass sich gerade in der bisher vernachlässigten Altersgruppe der jungen Heranwachsenden die körperliche Gesundheit stark verschlechtert. Aber nicht nur für Kinder, sondern auch junge Erwachsene, die gerade zu Hause ausgezogen sind und anfangen, sich ihr "eigenes Leben" einzurichten, sei es wichtig, auf die Gesundheit zu achten. Denn gehören schlechte Ernährung und wenig Bewegung erst einmal zum Alltag, sind spätere Gesundheitsschäden überaus wahrscheinlich.

"Die gesundheitlichen negativen Entwicklungen nehmen nach dem 20. Lebensjahr erheblich zu", schreiben die Wissenschaftler. Nur ein Viertel der jungen Erwachsenen besitzt keinen Risikofaktor. "Dringend erforderlich sind effiziente, institutionsübergreifende Präventionskampagnen, die einen gesundheitsbewussten Lebensstil fördern und begleiten."

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