Transplantationen

Kinder warten zu lang auf Spenderorgane

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Sterbenskranke Kinder, denen mit einer Organspende geholfen werden kann, müssen über ein Jahr auf die lebensrettende Operation warten. „Das Gesetz schlägt eine Wartezeit von 90 Tagen vor", sagt Professor Ulrich Baumann. Die durchschnittliche Wartezeit liege mittlerweile jedoch bei 400 Tagen.

„Jeder Arzt muss sich natürlich für seine Patienten einsetzen, aber ich stelle fest, dass Kinder im Moment den Kürzeren ziehen“, so der Transplantations-Experte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Die jungen Patienten haben keine angemessene Lobby.“ Kinderarzt Baumann kritisiert, dass die wenigen gespendeten Organe nicht effektiv genug genutzt werden. So lasse sich eine Leber beispielsweise zweifach nutzen. „Durch ein vermehrtes Teilen der teilbaren Organe wie der Leber könnte der Spendepool vergrößert werden, ohne dass Erwachsene auf das rettende Organ verzichten müssen.“

Die erlaubte Teilung werde zu wenig praktiziert. Der Professor wünscht sich mit Blick auf die dramatische Situation vieler Kinder eine intensivere Diskussion darüber, ob eine Leberteilung verpflichtend werden soll. In Großbritannien werde diese Regel bereits erfolgreich praktiziert. Zwar sei das mit einem Mehraufwand und auch mit möglichen Komplikationen verbunden, „aber die Erfahrung zeigt, dass in spezialisierten Zentren die Ergebnisse gut sind.“ So könnten mit einem Organ zwei Leben gerettet werden.

In der MHH erhalten jährlich etwa 30 Kinder eine neue Leber. Der Wettbewerb um die wenigen Organe wird nach Angaben von Baumann zudem aufgrund der steigenden Zahl von Patienten auf den Wartelisten verschärft. Eine Transplantation helfe mittlerweile bei immer mehr Krankheiten. Da die Bereitschaft zur Organspende aber nicht zunehme, ergäben sich immer längere Wartezeiten. Auch die Lebendspende, die vor allem Kindern helfen kann, sei nicht ausreichend bekannt.

( dpa/LF )