"Mutter des Teufels"

TATP: Der Sprengstoff der Islamisten

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Julius Betschka
Die bei dem Anschlag mit TATP zerstörten Fensterscheiben der Abflughalle im Flughafen von Brüssel.

Die bei dem Anschlag mit TATP zerstörten Fensterscheiben der Abflughalle im Flughafen von Brüssel.

Foto: dpa

Magomed Ali C. soll einen Anschlag mit TATP geplant habe. Das Sprengmittel nutzten auch die Attentäter von Paris und Brüssel. Warum?

Berlin. Der Islamist Magomed Ali C. lagerte eine "erhebliche Menge" des Sprengstoffs TATP in seiner Wohnung. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Polizei hatte C. am Mittwoch in Berlin festgenommen. Der 31 Jahre alte Tschetschene wird verdächtigt, einen schweren Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet zu haben - mit TATP.

Das Gemisch TATP, Triacetontriperoxid, ist hoch explosiv. Es ist bekannt als Sprengstoff von Islamisten. Manche nennen es auch „Mutter des Teufels“. Die Attentäter von Paris nutzten TATP, die Angreifer von Brüssel, und auch die Bombenbastler von Barcelona wollten es herstellen. Ihr Terror-Plan missglückte, sie bombten sich im vergangenen Jahr in ihrer Wohnung selbst in die Luft.

Ein Sprengstoff aus Reinigungsmitteln

Warum aber nutzen Terroristen TATP? Vor allem ist der Sprengstoff sehr leicht herzustellen. Er lässt sich relativ leicht aus Haushaltsreinigern zusammenmischen. Allerding ist TATP viel zu instabil, um damit gezielte Explosionen auszulösen: Das Sprengmittel reagiert auf Schläge oder auch auf Reibung sehr empfindlich, was bedeutet, dass kein Zünder nötig ist, um eine Explosion auszulösen.

Acetonperoxid wurde 1895 von einem Berliner Chemiker entdeckt. Im Anschluss an die Entdeckung wurde überlegt, ob der Stoff als Sprengstoff geeignet sei. Da er aber extrem flüchtig, wenig stabil und damit nicht sicher zu handhaben ist, wurde er praktisch nicht eingesetzt.

TATP ist auch der Grund für scharfe Flughafenkontrollen

Trotzdem ist TATP schon häufiger in Zusammenhang mit Terroranschlägen aufgetaucht. So zum Beispiel bei einem geplanten Anschlag auf Flugzeuge, die im August 2006 in die USA fliegen sollten. An Bord wurden die flüssigen Rohstoffe des Sprengstoffs bei den Attentätern gefunden. Sie wollten die Komponenten während des Fluges zusammenmixen.

Diese vereitelten Attentate sind auch Grund dafür, dass die Sicherheitsbestimmungen für Flugzeuge im Jahr 2006 enorm verschärft wurden. Flüssigkeiten dürfen seither nur noch in geringen Mengen ins Handgepäck.

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