Berlin

Plage der Pubertät: Was gegen Akne hilft

Gut 85 Prozent der Jugendlichen sind betroffen – und die Zahl steigt. Die Faktoren, die zur Bildung der Pickel führen, sind vielfältig

Berlin. Gerade erst schaffte es eine Aktion des Künstlers Peter DeVito zum Internethit: In seiner Fotoreihe "Acne is Normal" zeigt der US-amerikanische Künstler Menschen, die an der Hautkrankheit leiden – unretuschiert. Ja, er legt sogar den Fokus auf den vermeintlichen Makel. Seinem Instagram-Account folgen inzwischen fast 50 Millionen Menschen. Seine Posts werden tausendfach gelikt und kommentiert, viele Nutzer bedanken sich, dass er das Thema auf diese Weise in die Öffentlichkeit bringt. DeVito hat selbst seit Jahren Akne.

Pickel im Gesicht, an den Schultern und auf der Brust – und das gerade in der Pubertät, wenn das Selbstvertrauen oft ohnehin gegen null geht. Akne kann ein Fluch sein und die Zahl betroffener Teenager steigt. "Akne tritt deutlich häufiger auf als vor 20 Jahren noch", sagt Thomas Dirschka, Sonderdelegierter des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen. "Etwa 85 Prozent aller Jugendlichen entwickeln zumindest eine leichte Form."

Hornmaterial verstopft Poren

In der Pubertät, die heute oft schon mit acht oder neun Jahren einsetzt, vergrößern sich unter dem Einfluss des Insulin-Wachstumsfaktors (IGF) und bestimmter Sexualhormone – der Androgene – die Talgdrüsen und produzieren verstärkt Talg. Dieser dringt normalerweise nach außen. Bei Akne verstopft Hornmaterial, das von ebenfalls angeregten Zellen gebildet wird, die Poren. Mitesser entstehen, die sich entzünden können. Jungen sind häufiger von schweren Verläufen betroffen als Mädchen, zudem gibt es familiäre Häufungen, wenn beide Elternteile als Kinder selbst betroffen waren.

Auf den pazifischen Inseln komme Akne dagegen kaum vor, sagt der Magdeburger Dermatologe Harald Gollnick. Die Hautkrankheit sei eine Zivilisationserkrankung, so wie Bluthochdruck oder Diabetes, ergänzt die Berliner Dermatologin Yael Adler. Sie trete vor allem in Ländern mit westlichem Ernährungsstil gehäuft auf. "Die Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, stimulieren die Talgdrüsen stärker als unverarbeitete Steinzeitkost, als naturbelassene pflanzliche Nahrung."

Zucker, Milch und weißes Mehl sind demnach sogenannte insulinotrope Nahrungsmittel: Sie setzen den Wachstumsfaktor IGF frei, der über eine Kaskade von Signalen die Talgdrüsen stimuliert und sie größer werden lässt. Und gerade kohlenhydratreiches Fast Food, Milch und Milchprodukte sowie zuckerhaltige Schoko- oder Müsliriegel werden von Jugendlichen sehr gemocht.

Das beginne oft schon beim Frühstück – mit gezuckerten Cornflakes in Milch, erklärt Gollnick. "Wir leben im Proteinexzess, viele konsumieren einen halben Liter Milch am Tag." Eine Studie in Südkorea habe gezeigt, dass sich die Akne von Teilnehmern verschlechterte, wenn sie sich von Fast Food ernährten. In einer zweiten Gruppe, die gemüsehaltige traditionelle Gerichte des Landes erhielt, besserten sich die Symptome hingegen oder blieben unverändert.

Etliche weitere Faktoren werden diskutiert, wie die Berliner Ärztin Adler erklärt: ein Einfluss von Umweltgiften und bestimmten Medikamenten etwa oder auch von Kosmetik-Inhaltsstoffen und Hormonen im Trinkwasser. "Die Studienlage dazu ist bisher nicht sonderlich reichhaltig." Klar sei, dass das Rauchen Hauterkrankungen verschlimmern könne. "Im Rauch sind viele Giftstoffe enthalten, die Durchblutung wird heruntergefahren, Heilungsverläufe werden verzögert und Entzündungen begünstigt." Auch von Marihuana sei bekannt, dass es Akne verstärken könne.

Ein relativ neues Phänomen ist die spät einsetzende Akne bei Frauen ab etwa 25 Jahren, die über Jahre anhalten kann. "Die Pille scheint da eine Rolle zu spielen, die genauen Zusammenhänge sind aber noch unklar", sagt Dirschka.

Rund 40 Prozent aller Betroffenen hätten eine behandlungsbedürftige Form von Akne, sagt Gollnick, Präsident des Weltforums Akne. Effektive, nebenwirkungsarme Medikamente gebe es schon lange – nur scheuten viele Jugendliche den Gang zum Arzt. Das kann Folgen haben: "Je später die Therapie beginnt, desto eher gibt es einen schweren Verlauf und desto höher ist das Risiko für Narben."

Noch immer bedeute die Erkrankung ein Stigma, sagt Adler. "Menschen mit Akne schämen sich sehr für ihre sichtbaren Hautveränderungen." Gerade in der Pubertät stelle es ein Problem dar, sich selbst nicht schön zu finden. Zudem gebe es oft schlimme Reaktionen. "Akne bedient einen archaischen Reflex im Menschen: Da ist eine Krankheit, da heißt es lieber Abstand nehmen." Dabei bestehe keine Ansteckungsgefahr und kein Zusammenhang mit Unsauberkeit.

Forschung arbeitet an neuen Medikamenten

"Das wissen viele Jugendliche gar nicht und probieren immer neue Gesichtswässerchen und Reinigungsmittel aus", sagt Adler. Auch spezielle Bürsten oder Porenentleerer würden verkauft – aber nichts davon sei sinnvoll. "Die aggressive Reinigung der Gesichtshaut ist der häufigste Fehler bei Akne." In vielen Fällen verschlimmere sich das Problem dadurch.

Mit den richtigen Medikamenten lasse sich Akne binnen gut eines Monats in den Griff bekommen, so Gollnick. Oft werden sogenannte Retinoide mit einem antibakteriell wirksamen Präparat kombiniert. Das Interesse der Pharmafirmen sei geweckt. "In den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren werden neue Medikamente auf den Markt kommen", sagt der Magdeburger Mediziner.

Gearbeitet werde etwa an Gelen und Emulsionen, deren Wirkstoffe besser in die Haut gelangen und in den Fett- und Androgenstoffwechsel eingreifen.

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