Gera

Leben zwischen Intelligenz und Gefühlswelt

Leo Kohl hat eine Autobiografie über sein Leben als Asperger-Autist geschrieben – ein Ratgeber soll folgen

Gera. Leo Kohl hat es geschafft, mit seiner Krankheit zu leben. Sein autobiografisches Buch „Asperger – mein Leben zwischen Intelligenz und Gefühlsleben“ ist bereits in der dritten Auflage auf dem Markt. Er macht Lesungen mit anschließenden Fragerunden, bis Herbst will er einen Ratgeber für Eltern und Erzieher von Kindern mit Asperger-Autismus fertig haben. Dabei ist Trubel eigentlich etwas, womit „Aspis“, wie Kohl sich und andere Asperger-Autisten nennt, nicht so richtig gut klar kommen. „Klare Strukturen und gute planbare Abläufe helfen, das innere Chaos in den Griff zu bekommen“, sagt er. Menschen wie Kohl ist der Welt-Autismus-Tag gewidmet, der am 2. April begangen wird.

Für Menschen mit Asperger-Autismus ist der Umgang mit anderen Menschen kompliziert, weil sie oft nicht verstehen, was der andere ausdrücken will. Vor allem wenn sie es mit einer größeren Zahl von Menschen zu tun haben, sind sie schnell verunsichert. Häufig sind sie zudem äußerst ungeschickt. So konnte Leo Kohl lange Zeit nicht mit einem Ball spielen, weil er seine Bewegungen nicht koordinieren konnte, was sich erst durch eine Ergotherapie verbessern ließ.

Gerade hat der 19-Jährige ein Psychologiestudium angefangen. „Ich weiß noch nicht, ob ich einmal in einer eigenen Praxis arbeiten werde oder vielleicht doch lieber in die Forschung gehe“, sagt er über das Ziel seiner Ausbildung. Arbeiten will er später auf jeden Fall mit „Aspis“, weil er sich in deren Gedanken- und Gefühlswelt nun einmal am besten einfühlen kann. Mit Kindern und Jugendlichen, sehr wahrscheinlich. In seinem Buch gibt er Einblicke in seine eigene Entwicklung. Sehr anschaulich beschreibt er, wie schwer es ihm gefallen ist, in Kindertagesstätte und Schule zurecht zu kommen, weil er eben anders war als anderen Kinder. „Und ich war immer fest davon überzeugt, dass die anderen mich nicht mögen“, berichtet er. Lange Zeit war der Asperger-Autismus bei ihm nicht festgestellt worden, ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) lautete die Diagnose. Erst als er bereits in der zweiten Klasse war, fanden Kohl und seine Mutter dann eine Psychologin, die den Autismus erkannte –und eine jahrelange Behandlung begann. Was viele verstörte, war die bisweilen gnadenlose Ehrlichkeit, mit der der Junge, oft auch ungefragt, Kommentare von sich gab. „Irgendwann habe ich dann gelernt, dass es besser war zu schweigen“, erklärt er.

Dass allerdings daraus wieder neue Probleme erwuchsen, weil er im Unterricht auch keine Fragen beantwortete, verhehlt er nicht. Lernen fiel ihm, der einen Intelligenzquotienten von 146 hat, in den meisten Fächern nicht schwer. Dagegen waren manche Dinge für ihn einfach unlösbar, so etwa Interpretationen. Dass sein Buch den Untertitel „...aber ich habe gelernt damit umzugehen!“ trägt, ist programmatisch zu verstehen. Kohl zeichnet nach, welche Schwierigkeiten er auch seiner Familie machte, wie kompliziert es war, Freunde zu finden und Freundschaften zu schließen, sich mit Lehrern auseinander zu setzen – Leo ist auch in diesen Schilderungen sehr ehrlich und offen.