Nachhaltigkeit

Fleisch, Fisch, Milch – Fünf Tipps zum nachhaltigen Konsum

Immer mehr Menschen legen Wert auf nachhaltiges Konsumverhalten. Den Überblick zu behalten, fällt schwer. Wir haben Tipps gesammelt.

Milchbauern faire Preise zu zahlen gehört genauso zu nachhaltigem Konsum wie darauf zu achten, Tieren, die später auf dem Teller landen oder Produkte liefern, ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Milchbauern faire Preise zu zahlen gehört genauso zu nachhaltigem Konsum wie darauf zu achten, Tieren, die später auf dem Teller landen oder Produkte liefern, ein glückliches Leben zu ermöglichen.

Foto: Astrid860 / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Nachhaltig zu konsumieren, das wird für viele Menschen immer wichtiger. Viele verzichten teilweise oder sogar ganz auf Fleisch, manche gar auf jegliche tierische Produkte. Immer mehr Verbraucher greifen zu Bio-Produkten, so stieg der Umsatz der Bio-Lebensmittelbranche 2016 um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in seinem Dossier „Zahlen, Daten, Fakten – Die Bio-Branche 2017“ herausstellt.

Doch ist es wirklich nötig, sich vegetarisch zu ernähren oder einen veganen Lebensstil zu verfolgen? Gibt es Alternativen für diejenigen, die nicht ganz auf Fleisch, Fisch und tierische Produkte verzichten wollen? Und welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus für nachhaltigen Konsum? Wir haben ein paar Möglichkeiten zusammengestellt:

• Gemeinschaftlich eine Kuh kaufen

„Iss weniger Fleisch – aber dafür nur gutes und zurückverfolgbares“, lautet der Appell der Crowdbutching.com GmbH. So ruft sie auf ihren Internetseiten kaufnekuh.de und kaufeinschwein.de ihre Kunden dazu auf, ihren Fleischkonsum zu überdenken.

Das Prinzip: Im Internet stellen Bauern ihre Kuh oder ihr Schwein zum Verkauf. Der Kunde kann zwischen Bio- und Classic-Kuh beziehungsweise Bio- und Strohschwein wählen, wobei sich die Bauern bei der Bio-Variante an die strengen EU-Verordnungen halten, aber auch bei der Classic- und Stroh-Variante auf artgerechte Haltung, Verzicht auf Gentechnik-Futter und Antibiotika sowie die Einhaltung weiterer Tierschutzstandards achten.

Diese Lebensmittel gehören nicht in den Kühlschrank

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Als Kunde muss man nicht das gesamte Tier kaufen, sondern Anteile in Form von Produktpaketen verschiedener Größe erwerben. Ein kleines Strohschwein-Paket mit 3,6 Kilo Schweinefleisch-Produkten etwa kostet 54,95 Euro, also etwa 3,66 Euro pro Person und Mahlzeit. Ein großes Paket vom Bio-Rind mit 7,2 Kilo Rindfleisch-Produkten ist für 139,95 Euro erhältlich – 4,99 Euro pro Person und Mahlzeit. Erst wenn das Tier zu 100 Prozent verkauft wurde, wird es geschlachtet.

Anschließend muss das Fleisch reifen und verarbeitet werden. Dann werden die Pakete, die je nach Tier und Größe Produkte wie Steak, Rouladen, Suppenfleisch, Würstchen, Hackfleisch, Braten, Schnitzel oder Gulasch beinhalten, platzsparend vakuumverpackt, tiefgefroren und gut gekühlt deutschlandweit versendet. Schon bei der Bestellung kann der Kunde erkennen, auf welchem Bauernhof das Tier aufgezogen wird.

Das Schweinefleisch hält sich in der Tiefkühltruhe drei Monate, das Rindfleisch nach dem Einfrieren noch etwa zwölf Monate. Auf den Internetseiten kaufnekuh.de und kaufeinschwein.de finden sich noch Rezeptideen für die Zubereitung der Fleischprodukte. Zur Weihnachtszeit bietet Crowdbutching.com auf kaufnegans.de zudem eine nachhaltige Alternative zur Weihnachtsgans an.

• Wissen, wo der Fisch gefangen wurde

Es muss ja nicht jeden Tag Fleisch sein, wie wäre es also mal mit Fisch? Ist doch gesund und gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Und dennoch: Wer unreflektiert etwa zu Thunfisch, Alaska Seelachs oder Papageifisch greift, handelt alles andere als nachhaltig.

Denn es gibt gewisse Fischsorten, deren Bestand wegen Überfischung gefährdet ist, oder bei denen durch sogenannten Beifang andere Fischarten, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine und Wale in den Fangnetzen verenden.

Die Stiftung World Wide Fund For Nature (WWF) hat auf ihrer Internetseite eine Liste veröffentlicht, die den Kauf verschiedener Fischarten und Meeresfrüchte nach einem Ampelsystem in „gute Wahl“ (grün), „zweite Wahl“ (gelb) und „lieber nicht“ (rot) einteilt. Der Liste zufolge sei etwa der Kauf von Thunfisch nicht per se verwerflich.

So sei beispielsweise Echter Bonito (Skipjack) aus dem Westpazifik eine „gute Wahl“, während Verbraucher bei der gleichen Thunfischsorte aus dem Westatlantik, dem Indischen Ozean und dem Ostpazifik abhängig von der Fangart lieber die Finger lassen sollten. Insgesamt rät WWF dazu, Fischprodukte mit den Siegeln von MSC, ASC zu kaufen sowie zu Bio-Produkten zu greifen.

Auch Greenpeace bietet Verbrauchern Orientierung zum nachhaltigen Fischkauf, nämlich mit seinem Einkaufsratgeber Fisch, der als Mini-Broschüre kostenfrei auf der Greenpeace-Internetseite bestellt oder als App im App-Store von Apple oder unter einem Direkt-Download für Android fürs Smartphone heruntergeladen werden kann.

Die Fischmarke Followfish macht es sich zur Aufgabe, dem Kunden transparent zu zeigen, woher genau sein Produkt stammt. Jedes Produkt lässt sich mithilfe eines Tracking-Codes auf der Verpackung bis zu seinem Fangort zurückverfolgen. Followfish stehe für „nachhaltig gefangene oder gezüchtete Fischprodukte von höchster Qualität“, heißt es auf der Hersteller-Website. Alle Fischprodukte stammten aus Bio-Aquakulturen oder aus nachhaltigem Wildfang.

• Krummes Obst und Gemüse vor Vernichtung retten

Schönheitswahn in der Lebensmittelindustrie? Klingt seltsam, ist aber ziemlich verbreitet. Schätzungen zufolge betragen die Verluste, die auf Abweichungen von Handelsnormen zurückzuführen sind, bei Obst und Gemüse in Europa bis zu 40 Prozent, wie eine Tabelle in der vom Bundeslandwirtschaftsministerium im Dezember 2016 herausgegebenen Zeitschrift „Berichte über Landwirtschaft“ zeigt. Bei Gemüse in Deutschland liege der geschätzte Verlust demnach bei 35 bis 40 Prozent, bei Kartoffeln sogar bei 40 bis 50 Prozent.

Die Unece-Norm FFV-52 der Vereinten Nationen regelt etwa die Beschaffenheit von Speise- und Frühkartoffeln. So müssen die Knollen „frei von äußeren oder inneren Mängeln“ sein wie „Risse (einschließlich Wachstumsrisse), Schnittverletzungen, Fraßstellen, Druckstellen oder Rauschaligkeit (...) von mehr als 4 mm Tiefe“, um nur eine der vielen Vorgaben zu nennen. Auch die Größe ist streng reglementiert. Kartoffeln, die dem nicht gerecht werden, landen häufig: im Müll.

Ein Unternehmen, das vermeintlich unperfektes Obst und Gemüse retten und auf die Teller der Verbraucher bringen will, ist Etepetete. Etepetete kauft „extravagant aussehendes Gemüse“ von Bio-Bauern und verkauft es dann in Abo-Boxen – sogenannte Gemüseretterboxen – weiter an Endverbraucher. So soll verhindert werden, dass ein erheblicher Teil der Ernte bloß wegen des Aussehens auf den Feldern liegen bleibt oder vernichtet wird.

Die Boxen gibt es in verschiedenen Größen als „Retterbox Classic“ für 19,90 Euro sowie als „Retterbox Familie“ oder „Obstbox L“ für jeweils 27,90 Euro. Die Boxen enthalten saisonale Bio-Produkte und Rezeptideen, die mit den Box-Inhalten nachgekocht werden können.

Ein Ähnliches Prinzip, jedoch nicht für Privat-, sondern nur für Geschäftskunden in Berlin und München, verfolgt das Unternehmen Querfeld.

• Faire Preise bezahlen

Billigmilch vom Discounter und die günstige Butter aus dem Sonderangebot – nachhaltig einkaufen sieht anders aus. Wer sicher gehen will, dass Milcherzeuger ihre Höfe langfristig bewirtschaften können, genug Geld bekommen, um die Produktionskosten zu decken, und ihre Existenz nicht durch Billigpreise am Markt gefährdet wird, sollte zu Produkten greifen, die Milchbauern faire Preise garantieren.

Orientierung bieten dem Verbraucher das „Naturland Fair“-Siegel, das Milchprodukte von Molkereien kennzeichnet, die Bauern faire Preise zahlen. Auch die regional vertriebenen Marken Sternen fair und Die faire Milch garantieren Milchbauern faire Preise. Wer sicher gehen will, dass der Milchbauer fair bezahlt wird, kann zudem auch direkt bei regionalen Erzeugern einkaufen.

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Was für Milchbauern gilt, lässt sich auch auf andere Produkte übertragen. Doch häufig ist es im Alltag gar nicht so leicht, den weiten Weg zu regionalen Erzeugern auf sich zu nehmen, um vor Ort einzukaufen. Abhilfe soll das Projekt Marktschwärmer schaffen.

Registrierte Nutzer haben dort die Möglichkeit, online Produkte bei regionalen Erzeugern zu bestellen und bei der nächstgelegenen sogenannten Schwärmerei abzuholen. Eine Schwärmerei ist eine Ort, an dem die Erzeuger zu einem festen Zeitpunkt ihre zuvor online bestellten Waren an die Marktschwärmer verteilen.

Die Schwärmereien werden ebenfalls von registrierten Nutzern organisiert. Als Gastgeber einer Schwärmerei ist man gegen eine Provision von 8,35 Prozent des Umsatzes für die Organisation verantwortlich: von der Festlegung eines Standortes über die Einladung regionaler Erzeuger, Werbung in der Nachbarschaft bis hin zur Administration des Online-Verkaufs über die Plattform von Marktschwärmer.

Ziel ist es, den unkomplizierten Online-Verkauf mit der persönlichen Atmosphäre eines Bauernmarktes zu verbinden und so nachhaltigen Konsum zu fördern. Regionale Erzeuger und Verbraucher sollen zusammenkommen und sich kennenlernen. So sollen Transparenz und Vertrauen beim Einkauf geschaffen werden.

Marktschwärmer wurde 2010 in Frankreich gegründet und hat sich von dort nach Belgien, Großbritannien, Spanien, Italien, Niederlande, Dänemark, in die Schweiz und auch nach Deutschland verbreitet.

In Deutschland eröffnete die erste Schwärmerei 2014 in Berlin. Mittlerweile gibt es deutschlandweit mehr als 30 aktive Schwärmereien unter anderem in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, die von etwa 300 Erzeugern beliefert werden. Weitere Schwärmereien sind im Aufbau.

• Verschwendung reduzieren, abgelaufene Lebensmittel nutzen

550.000 Tonnen Lebensmittel im Jahr wirft allein der Einzelhandel jährlich weg, bei jedem Bundesbürger wandern pro Jahr Lebensmittel im Wert von 400 Euro im Müll, zeigte im Dezember 2017 die Sendung „Lebensmittelcheck“ im Ersten . Eine WWF-Studie aus dem Jahr 2015 zeigt: Mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel gehen auf der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Verbraucher verloren. Etwa 10 Millionen Tonnen davon landeten der Studie zufolge im Müll, obwohl sie genusstauglich sind.

Verbraucher sollten ihren Umgang mit Lebensmitteln überdenken. Das Mindesthaltbarkeitsdatum etwa gibt lediglich an, bis zu welchen Zeitpunkt der Hersteller eines Produkts für uneingeschränkte Genießbarkeit garantiert.

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Die meisten Produkte sind aber – teilweise weit – darüber hinaus einwandfrei und können bedenkenlos verzehrt werden. So rät etwa die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite: „Benutzen Sie all Ihre Sinne, in dem Sie das Lebensmittel ansehen, daran riechen und probieren.“ Nur wenn Schimmel zu erkennen sei, das Produkt unangenehm rieche, es säuerlich schmecke oder auf der Zunge prickele gelte: Finger weg!

Dem Verschwendungswahn ein Ende bereiten will das Unternehmen SirPlus. Das Unternehmen „rettet“ nach eigenen Angaben Lebensmittel. Aussortierte Produkte, die weggeworfen werden sollen, führt SirPlus dem Kreislauf zurück und verkauft sie in einem sogenannten Food-Outlet Store in Berlin sowie über den Online-Versand deutschlandweit.

500 Gramm Bio-Dinkelpenne mit Mindesthaltbarkeitsdatum 22.01.2018 von Naturata gibt es beispielsweise für 95 Cent. 70 Gramm Bio-Brotsalz von Brotliebling, sogar noch bis Ende 2018 haltbar, kostet 1,95 Euro. Vegane Sandwichcreme von Veganz in der 250-ml-Packung, abgelaufen im Dezember 2017 erhält der Kunde für 85 Cent. Ab einem Bestellwert von 35 Euro ist der Versand kostenfrei, darunter zahlt der Kunde 5 Euro Versandgebühr.