Durham

Studie: Bonobos achten Rüpel mehr als Helfer

Ist Ächtung unsozialen Verhaltens eine rein menschliche Fähigkeit?

Durham. Wer seine Mitmenschen schlecht behandelt, steht sozial oft im Abseits – aber nicht bei Bonobos: Die Primaten, die neben Gemeinen Schimpansen die nächsten Verwandten des Menschen sind, bevorzugen Rüpel, wie US-Forscher im Fachblatt „Current Biology“ schreiben. Demnach könnte die soziale Ächtung von Flegeln eine einzigartige menschliche Fähigkeit sein, die das Zusammenleben in großen Gruppen ermöglicht.

Schon dreimonatige Säuglinge können in Tests hilfsbereite von egoistischen Zeitgenossen unterscheiden und bevorzugen die ersteren. Solche Studien gaben den Anstoß für die Frage, ob diese Bevorzugung auch unter Primaten verbreitet ist. Die Anthropologen Brian Hare und Christopher Krupenye von der Duke University in Durham (US-Staat North Carolina) untersuchten dies bei Bonobos (Pan paniscus). Die Affen gelten als besonders friedfertig und freundlich.

Die Forscher zeigten Tieren aus dem Schutzgebiet Lola ya Bonobo in der Demokratischen Republik Kongo Trickfilme, in denen eine Figur einen Berg erklimmt. Dabei erscheint eine weitere Gestalt, die der Figur entweder einen hilfreichen Schubs auf den Gipfel gibt oder sie den Hügel hinabstößt. Danach boten die Wissenschaftler den Bonobos Apfelstücke an, auf denen jeweils Papierausschnitte in Form des Helfers oder des Flegels klebten.

In einer zweiten Versuchsreihe sahen die Primaten einen Sketch, in dem ein Schauspieler ein Stofftier außerhalb seiner Reichweite fallenlässt. Eine zweite Person versucht, das Kuscheltier zurückzugeben, scheitert aber, weil eine dritte es vorher wegnimmt. Im Anschluss konnten die Affen ein Stück Apfel entweder von dem Helfer oder aber von dem Grobian annehmen. Das Ergebnis: Die Bonobos entschieden sich mehrheitlich für die Rüpel. Weitere Analysen zeigten sogar, dass ihre Präferenz für den Flegel stieg, je schlechter der sich verhielt.

Die Forscher vermuten, dass Bonobos Grobheit als Zeichen von Dominanz und damit von hohem sozialem Status interpretieren. Sie stellten sich eher auf die Seite dominanter Charaktere, um besseren Zugang zu Nahrung und Partnern zu erhalten und das Risiko zu mindern, selbst gemobbt zu werden.