Gesundheit

Bürostühle im Test: Die besten Modelle für jeden Typ

Arbeitsstühle sollten viel Komfort bieten, sonst drohen Rückenschmerzen. Die Stiftung Warentest hat nur fünf Stühle für „gut“ befunden.

Der falsche Bürostuhl kann schnell zu Rückenschmerzen führen.

Der falsche Bürostuhl kann schnell zu Rückenschmerzen führen.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Berlin.  Geht es ums Thema Sitzen, gibt es nur zwei Typen von Menschen: Die einen, die viel sitzen, und die anderen, die sehr viel sitzen. Nach einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag der Krankenkasse DKV verbringen die Deutschen täglich im Schnitt sieben Stunden auf ihren vier Buchstaben – ob im Büro, vor dem Fernseher, im Auto, im Internet. Menschen mit Bürojob sitzen durchschnittlich sogar elf Stunden. Und kaum ist in Bahn oder im Bus kein Platz frei, ärgern sie sich.

„Wir sitzen viel zu viel – dafür ist unser Rücken nicht ausgelegt“, sagt Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga in München. Langes Sitzen sei schlecht für den Bewegungsapparat Rücken, so als würde man ihn in einen Schraubstock zwängen. Die Folge: „Mit Sicherheit hat so gut wie jeder zweite Arbeitnehmer regelmäßig leichte Rückenbeschwerden – vor allem Verspannungen im Nacken und im unteren Rückenbereich“, sagt Schneiderhan.

Sitzen lässt sich kaum vermeiden, die Art aber anpassen

Wer jahrelang falsch sitzt, kann seine Bandscheibe irreparabel schädigen und chronische Rückenschmerzen bekommen. Doch Sitzen lässt sich eben vor allem im Schreibtischalltag nicht vermeiden. Orthopäde Schneiderhan rät zu einem „idealen Arbeitsplatz“. Das gilt nicht nur für’s Büro, sondern auch für alle, die zu Hause viel sitzen – ob fürs Studium oder stundenlange Online-Spiele. Deshalb sollten die Arbeitsstühle auch daheim ähnliche Anforderungen erfüllen wie die Profi-Stühle fürs Büro.

Die Stiftung Warentest (2/2017) hat jetzt 13 Drehstühle auf Stärken und Schwächen getestet. Bedingung: Sie mussten sich individuell einstellen lassen und zwischen 150 und 300 Euro kosten.

Als Testsieger überraschte das Ikea-Modell

Im Labor prüften die Tester, wie gut die Stühle den Rücken abstützen, welchen Belastungen sie standhalten und ob ihre Rollen den Boden schonen. Zudem wurden Schadstoffbelastung und Gefahren geprüft.

Insgesamt schnitten laut Stiftung Warentest nur fünf Stühle mit „gut“ ab, als Testsieger überraschte das robuste Ikea-Modell Volmar (229 Euro), die gleiche hohe Punktzahl erzielte der praktische Nowy Styl (298 Euro) von Net Motion. Gut saßen die Tester auch auf dem Höffner Drehstuhl (221 Euro) und dem Amstyle Darius (300 Euro). Ähnlich gut gepolstert sei der Topstar X-Pander (274 Euro), der sich aber ergonomisch nur mittelmäßig anpasse.

Vier Modelle bekamen das Urteil „mangelhaft“

Die anderen zeigten im Labor unterschiedliche Schwächen – gebrochene Sitzflächen, Rollen, die den Boden zerkratzen, scharfe Kanten und Quetschstellen, die eine Gefahr für die Finger sein können. Gar „mangelhaft“ fielen vier Modelle aus: Der Argus von Roller, der Linz von Duo Collection, hauptsächlich wegen der Schadstoffbelastung. Das Modell Spirit von Mayer wies außerdem scharfe Kanten an der Säule zum Verstellen der Sitzhöhe auf.

Ähnliche gefährliche Stellen fanden die Tester beim HjH Office Porto Max High. Bei insgesamt acht Stühlen wurden problematische Stoffe gefunden – Weichmacher, Flammschutzmittel, Formaldehyd oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wie Naphthalin. Ein rückenfreundlicher Arbeitsstuhl sollte individuell angepasst werden in Höhe, Neigung der Sitzfläche und Rückenlehne, sagt Schneiderhan. „Natürlich muss man bequem darauf sitzen können.“ Der Mediziner rät, die favorisierten Stühle Probe zu sitzen und den Alltag für einige Zeit zu simulieren.

Besser sitzt man auf einem Medizinball

Am Sitzkomfort hatten die Warentest-Begutachter bei nahezu allen Teststühlen nicht so viel zu bemängeln. Neun Modelle wiesen einen hohen Komfort aus, allerdings ließe sich nicht auf allen gleich gut sitzen, resümieren sie. Einige eigneten sich aufgrund der knappen Sitzhöhe nicht für große Menschen. Wer 1,90 Meter und größer ist, sollte sich für den Höffner-Stuhl entscheiden, raten die Tester.

Die geprüften Drehstühle verfügen alle über eine sogenannte Synchronmechanik. Wird sie aktiviert, unterstützt sie einen häufigen Wechsel der Sitzposition – auch als dynamisches Sitzen bekannt. Noch besser sei das Sitzen auf einem Medizinball oder einem sogenannten Swopper, einem Hocker, der ebenso gesundes, bewegtes Sitzen fördert, wie Rückenexperte Schneiderhan sagt. Zudem sollten kleine, effektive Übungen am Arbeitsplatz für tägliche Entspannung sorgen.

Nicht-Sitzen ist das beste Sitzen

Aber: „Das beste Sitzen ist immer noch Nicht-Sitzen“, sagt der Wirbelsäulenexperte. Auch im stressigen Schreibtischalltag ist es seiner Einschätzung nach möglich, weniger zu sitzen – sogar bis zu 30 Prozent. So könnte man bei Telefongesprächen auf- und abgehen, Konferenzen im Stehen abhalten, statt des Aufzugs mal die Treppe nehmen und öfter mal eine Pause einlegen.

Wer einen Ausgleichssport wie Schwimmen oder Radfahren betreibe, habe natürlich die besten Karten, ohne Rückenschmerzen bis ins hohe Alter durch den Alltag zu kommen. Zum Rückenglück gehört aber auch, es sich öfter auf einem Sofa oder Sessel bequem zu machen. Oder wie Schneiderhan sagt: „Lümmeln ist ausdrücklich erlaubt.“