Wissenschaft

Experten fordern breiteren Einsatz der Mittel

Generell „verschreiben Ärzte Medikamente zur Aufrechterhaltung der Abstinenz kaum, dabei können sie auch die Teilnahme an Psychotherapie und Selbsthilfegruppen unterstützen“, sagt Prof. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité. „Es stimmt, dass die bislang bekannten Wirkstoffe nicht jedem helfen und unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Aber bei einigen kann es ein Baustein der Therapie sein“, sagt Heinz.

Statt den Patienten frühzeitig etwa mit Medikamenten dabei zu helfen, ihren Konsum zu senken, würden Patienten oft zum nächsten Arzt geschickt, sagt der Suchtmediziner Prof. Ulrich Preuss: „Kaum eine Erkrankung ist so stigmatisiert, die Patienten gelten als unzuverlässig und werden meist erst behandelt, wenn die Sucht weit fortgeschritten ist.“ Auch das Gesundheitssystem habe seinen Anteil daran. „Kliniken machen den Entzug, die Rehabilitation übernehmen oft Sozialarbeiter oder Psychotherapeuten, die nicht mit Medikamenten arbeiten. Die Suchthilfe entscheidet oftmals anders als ein Suchtmediziner es tun würde. Würde die Behandlung gemeinsam koordiniert, könnte sie besser funktionieren“, meint Preuss. Die Medikamente zur Rückfallprophylaxe verdienten einen breiteren Einsatz, sind sich die Experten einig. „Sucht ist keine Charakterschwäche sondern eine Krankheit“, ergänzt Heinz, „die Patienten haben eine Behandlung verdient wie andere Kranke auch.“

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