Verbraucherschutz

So gefährlich ist Quecksilber in Energiesparlampen

Energiesparlampen sind effizient und schonen das Klima. Zum Problem werden sie, wenn sie brechen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Berlin.  Im Streit um überhöhte Quecksilberwerte in Energiesparlampen hat sich die Deutsche Umwelthilfe gegen den niedersächsischen Hersteller „Brilliant“ durchgesetzt. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte am Mittwoch ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom Oktober 2015, das den Vertrieb der beanstandeten Serie untersagte. Der Quecksilbergehalt in den betroffenen Energiesparlampen habe den festgelegten EU-Grenzwert von 2,5 Milligramm pro Lampe weit überschritten. Doch wann wird Quecksilber für Mensch und Umwelt gefährlich und wie verhält man sich, wenn das giftige Metall aus Lampen freigesetzt wird?

Wo kommt Quecksilber vor?

Quecksilber kommt einerseits natürlich in der Umwelt vor und ist nicht abbaubar. Andererseits wird der Stoff von Menschen freigesetzt. Nach Angaben der Vereinten Nationen kommt Quecksilber am häufigsten im Goldbergbau vor. Es wird bei der Goldwäsche eingesetzt, um den feinen Goldstaub zu lösen. Beim Waschen und anschließendem Glühen zur Rückgewinnung von reinem Gold gelangt das Metall in die Umwelt. Darüber hinaus wird Quecksilber oft von Kohlekraftwerken ausgestoßen und ist in vielen Industrieprodukten wie Thermometern, Zahnfüllungen aus Amalgam und Energiesparlampen enthalten. Quecksilber kann sich in Pflanzen oder Tieren anreichern.

Welche Auswirkungen hat Quecksilber auf die Umwelt?

Weder Tiere noch Pflanzen haben für Quecksilber eine Verwendung. Ab einer bestimmten Konzentration ist es für Lebewesen giftig. So kann Quecksilber etwa das Nervensystem von Tieren schädigen. „Eine chronische Belastung von Tieren kann unter Umständen eine Verhaltensänderung zur Folge haben“, sagt Felix Poetschke vom Umweltbundesamt (UBA). Auch verminderte Fortpflanzungsraten seien bekannt.

„Besonders belastet sind Tiere, die an der Spitze der Nahrungskette stehen und sich hauptsächlich von Fischen ernähren“, sagt Poetschke. Das seien Raubfische, Greifvögel oder Robben. Um diese sogenannten Spitzenprädatoren zu schützen, legt das Umweltqualitätsziel der EU fest, dass Fische einen Wert von 20 Nanogramm pro Gramm Frischgewicht nicht überschreiten sollten – ein Wert, der unter der Quecksilberlebensmittelgrenze für Fische liegt. Laut UBA überschreiten fast alle Fische in Deutschland diesen Wert.

Gelangt Quecksilber etwa durch Niederschlag in den Boden und sind Kleinlebewesen wie Regenwürmer dem Stoff ausgesetzt, könnte das bodenbiologische Prozesse verändern. Also etwa den Abbau von organischen Substanzen hemmen. Pflanzen nehmen Quecksilber kaum aus dem Boden auf. Sind sie belastet, kommt das Quecksilber vor allem aus der Luft, etwa aus Kraftwerken.

Das UBA betont, dass in Deutschland zurzeit keine Gefährdung für Pflanzen oder Wildtiere besteht, die ihre Nahrung nur aus Landökosystemen beziehen. Also von Äckern, Grasland, Heiden oder aus Wäldern.

Welche Folgen hat das Metall für die Gesundheit des Menschen?

Das Risiko für die allgemeine Bevölkerung geht laut UBA vor allem vom organischen Quecksilber aus, das sich beispielsweise im Fisch angereichert hat. Besonders belastet sind langlebige Raubfische wie der Heilbutt, Schwert- oder Thunfisch. Organische Quecksilberverbindungen können über Magen, Darm, Haut und Lunge zu sehr hohen Anteilen aufgenommen und im Körper verteilt werden. Sie können Immun- und zentrales Nervensystem bei chronischer Belastung schädigen. Besonders gefährdet seien Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder.

Dämpfe von metallischem Quecksilber wirken hochgiftig auf Nieren und das zentrale Nervensystem. Doch gesundheitsschädliche Wirkungen treten dem UBA zufolge in Deutschland sehr selten auf. Für die Luftbelastung an Arbeitsplätzen oder in Privaträumen gelten strenge Grenzwerte. Darüber hinaus gibt es Richtwerte für die Quecksilberbelastung von Blut und Urin.

Wie groß ist die Gefahr durch zerbrochene Energiesparlampen?

Ein Austausch intakter Lampen ist laut Expertenmeinung nicht notwendig. Das in einer Energiesparlampe enthaltene Quecksilber – einer Untersuchung von Stiftung Warentest zufolge im Schnitt zwei Milligramm – kann nur entweichen, wenn diese zerbrechen. Dann kann die Quecksilberbelastung in der Luft die zulässigen Richtwerte für Innenräume kurzfristig um das 20-Fache übersteigen, so das UBA.

Laut Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München können in Bodennähe über einer Bruchstelle noch höhere Quecksilberspitzen gemessen werden. „Eine erhöhte Belastung haben Kinder, die auf dem Boden spielen oder Erwachsene, die die Scherben beseitigen“, sagt Rudolf Schierl, Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Analytik und Monitoring“. Das kurzfristige Einatmen führe zwar zu einem Anstieg der Quecksilberkonzentration im Blut, die Grenzwerte würden aber nicht überschritten.

„Nach einem Unfall gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund zur Panik, man ist den Konzentrationen in der Luft nur kurz ausgesetzt“, so Schierl. Zum Arzt müsse man nicht. Einer Risikoanalyse der Freien Universität Berlin zufolge nehmen Menschen mit acht maximal zulässig belasteten Fischmahlzeiten mehr Quecksilber auf, als in einer Sparlampe stecken, die den Vorschriften entspricht.

Was sollte ich tun, wenn eine Lampe zerbricht?

Geht eine Energiesparlampe kaputt, sollte der Raum schnell für etwa 15 Minuten gelüftet werden, empfiehlt das UBA. Im Anschluss sollten alle Teile der Lampe vorsichtig aufgesammelt werden (mit Handschuhen). Rudolf Schierl empfiehlt: „Verwenden Sie dazu am besten zwei Stück Pappe, die können Sie im Anschluss einfach mitentsorgen.“

Auf den Einsatz eines Staubsaugers sollten Verbraucher beim Restesammeln verzichten, weil die Abluft das Quecksilber in der Luft verteilen kann. Auf einem Teppich könne man Scherben mit Klebeband auftupfen. Lampenreste, Handschuhe und Pappe sollten dann in einen festverschließbaren Plastikbeutel oder ein Schraubglas gepackt und bei einer entsprechenden Sammelstelle abgegeben werden.

Wo liegt der Ursprung der Energiesparlampe?

Ursprünge der Kompaktleuchtstofflampen, wie die Lampen korrekt heißen, gehen weit über 100 Jahre zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Heinrich Geißler die erste Gasentladungsröhre – ein Glaskolben, in dem zwei Elektroden das darin enthaltene Gas zum Leuchten bringen. Ohne Quecksilber ging es nicht.

Heute besteht eine Energiesparlampe meist aus einer gebogenen oder gefalteten Glasröhre samt Schalteinheit im Sockel. Das quecksilberhaltige Gasgemisch gibt unsichtbares UV-Licht ab, das die Glasbeschichtung erleuchtet.

Energiesparlampen, auf denen „Kein Quecksilber“ steht, leuchten dank Amalgam: einer Quecksilberverbindung. Das Amalgam ist nicht mehr flüssig, sondern ein Kügelchen. Geht die Lampe kaputt, kann es kein freies Quecksilber in der Lampe geben, sondern nur den Quecksilberbelag auf dem Glas und die Amalgamkugel.

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