Ernährung

So kann man Thunfisch mit gutem Gewissen genießen

Auf der Jagd nach Thunfisch gefährden Fischer andere Arten. Worauf Käufer achten sollten, wenn sie mit gutem Gewissen essen wollen.

Thunfisch gehört zu den beliebtesten Speisefischen in Deutschland – aber der Fang der Fische bringt Probleme mit sich.

Thunfisch gehört zu den beliebtesten Speisefischen in Deutschland – aber der Fang der Fische bringt Probleme mit sich.

Foto: imago stock&people / imago/Nature Picture Library

Berlin.  Thunfisch steht in der Top Five der in Deutschland beliebtesten Speisefische, über 70.000 Tonnen verdrücken die Bundesbürger pro Jahr. Fest verknüpft mit dem Fisch in der Dose ist ein Meeresbewohner, der eine noch größere Fangemeinde hat: der Delfin. Als in den 1970er-Jahren bekannt wurde, dass vor der Küste Südamerikas beim Fangen von Thunfisch auch viele der beliebten Meeressäuger in die Netze gehen, war das Entsetzen groß. Fast alle Thunfisch-Dosen, die heute auf dem Markt zu finden sind, tragen deshalb ein Delfin-Schutz-Label. Doch das Siegel lenkt von größeren Problemen ab, kritisieren Umweltschützer. Wer mit gutem Gewissen kaufen will, muss auf mehr achten.

Siegel

„Wir sehen den Trend, dass immer mehr Anbieter Delfin-Schutz-Label zu Werbezwecken verwenden“, sagt Sandra Schöttner von Greenpeace. Einige davon seien auch Eigenlabel mit wenig Aussagekraft. Eines der wichtigsten Siegel sei das Dolphin-Safe-Label vom US-amerikanischen Earth Island Institute. „Bei diesem Standard wird unabhängig kontrolliert und das Siegel nur an Thunfisch-Fischereien vergeben, die bei der Jagd keine Delfine töten“, erklärt Schöttner. Das Problem: Das Siegel umfasst keine anderen Arten, so geraten etwa Haie und Meeresschildkröten ebenso als Beifang in die Netze der Thunfisch-Fänger. Auch ist es keine Garantie für Nachhaltigkeit. „Für uns ist es damit ein schwaches Label, das nicht mehr zeitgemäß ist“, so Schöttner. Das vom WWF und dem Konzern Unilever entwickelte MSC-Label (Marine Stewardship Council) schreibt hingegen feste Quoten vor, bedrohte Arten und Bestände dürfen nicht befischt werden. Erst im April 2016 entzog die Organisation sämtlichem Gelben Thunfisch aus dem Indischen Ozean wegen Überfischung das Siegel.

Fangmethode

Schonende Fangmethoden können Beifang deutlich reduzieren. „Bei Thunfisch sind das Handleinen sowie Ringwaden ohne Fischsammler“, erklärt Schöttner. Bei der Leinen-Fischerei werden ganz klassisch Angelruten mit Ködern ins Wasser gelassen, automatisch oder per Hand. Eine Ringwade ist ein großes Netz, in dem Fischschwärme eingeschlossen werden. „Fische im offenen Meer sammeln sich gerne unter schwimmenden Gegenständen, bei der Ringwaden-Fischerei werden Schwärme deshalb teils mit kleinen im Wasser treibenden Plattformen anlockt“, erklärt Schöttner. Doch darunter sammeln sich auch Haie und Schildkröten, die mit im Netz landen. „Ringwaden sind deshalb nur ohne Fischsammler nachhaltig“, so Schöttner. Die Fangmethode muss auf dem Etikett stehen. „Ist das nicht der Fall, sollten Verbraucher lieber die Finger von dem Produkt lassen.“

Fanggebiet

Auch das Fanggebiet muss auf der Dose stehen, in der Regel versteckt sich diese Angabe hinter der Abkürzung FAO und einer Zahl. Diese Abkürzung steht für die Welternährungsorganisation FAO, die die Weltmeere in 19 Fanggebiete aufgeteilt und nummeriert hat. In Deutschland steckt in der Dose meist der Skipjack – auch Echter Bonito genannt (Katsuwonus pelamis). „Für ihn gelten die Fanggebiete Nordwest- und Nordostpazifik (FAO 61, 67) westlicher und östlicher Zentralpazifik (FAO 71, 77) sowie Südwestpazifik (FAO 81) als unbedenklich“, erklärt Schöttner. Vorsicht gilt beim Südostpazifik vor Südamerika(FAO 87) „Dort gibt es aktuell Hinweise darauf, dass Delfine aktiv mitgefangen werden“, warnt die Umweltschützerin.

Schadstoffe

Quecksilber gilt als Problem bei Thunfisch, es kann sich Jahre im Fischkörper anreichern. Bei einer neuen Untersuchung der Stiftung Warentest wiesen die Prüfer zwar in allen 16 getesteten Thunfisch-Konserven Quecksilber nach – alle lagen jedoch „weit unter dem EU-Grenzwert“. Zwei Produkte enthielten laut Testergebnis kritische Mineralöle, die aber wohl über das zugesetzte Speiseöl und nicht über den Fisch in die Dose kamen: betroffen sind die Bio-Produkte von Fontaine und Pan do Mar.

Qualitativ am besten schnitt laut Stiftung Warentest der Thunfisch von Aldi Süd/Armada ab, er bekam die Note „Gut“. Er trägt das Dolphin-Safe-Label, jedoch kein Nachhaltigkeitssiegel und wurde mit Umschließungsnetzen gefischt. Ausdrücklich ohne Fischsammler kam der ebenfalls gute Thunfisch von Penny in die Dose, der gute Thun von John West wurde mit der Angelrute gefischt.