Stiftung Warentest

Die günstige Zahnpasta vom Discounter ist häufig die beste

Im Test der Stiftung Warentest überzeugen fast alle Zahncremes. Die Testsieger kommen von Aldi, Kaufland, Norma, Netto und Lidl. Auch spezielle Zahncremes mit aufhellenden Substanzen wirken gut.

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Die Zahnpasta soll die Zähne gesund halten. Also vor Karies durch säureproduzierende Bakterien schützen, außerdem vor dem Zahnausfall durch Parodontitis. Mancher möchte aber noch mehr: Die Zähne sollen möglichst weiß sein. Eine Reihe von Herstellern verspricht den Konsumenten diesen Mehrwert.

Die Berliner Stiftung Warentest hat jetzt 20 solcher Produkte geprüft. Die Testergebnisse sind in der aktuellen Oktober-Ausgabe von „Test“ veröffentlicht, die ab Freitag im Handel ist.

Das Wichtigste am Testergebnis gleich vorweg: Die getesteten Produkte werden ihrem Anspruch durchweg gut bis sehr gut gerecht. Es gibt allerdings eine Einschränkung: Wer nie brillant-weiße Zähne besaß, bekommt sie auch durch eine Zahncreme nicht. Möglich ist es nur, den Natur-Farbton wiederherzustellen.

Empfindliche Zahnhälsen brauchen Creme mit wenig Abrieb

Den aber erreichen alle getesteten Zahnpasten sehr ordentlich. Wer also zum Naturfarbton zurückkommen will, kann sich eines der Produkte besorgen, die mit Endnoten von 1,3 („sehr gut“) bis 2,3 („gut“) recht homogene Ergebnisse lieferten.

Preislich liegen die Zahnpflegeprodukte nicht so einheitlich beieinander. Es gibt zum einen die preisgünstigen Eigenmarken der Discounter, Einzelhandelsketten und Drogeriemärkte. Sie liegen allesamt bei 0,52 Euro pro hundert Milliliter. Bekanntlich ist die Konkurrenz dieser Handelsketten extrem, so dass alle nachziehen, wenn einer seinen Preis auch nur um einen Cent senkt. Deshalb liegen alle gleichauf.

Die Markenprodukte beginnen bei 0,78 Cent pro hundert Milliliter, reichen aber bis zu stolzen 2,76 Euro für dieselbe Menge. Der Kaufpreis sagt übrigens nichts über die Qualität der Cremes aus, auch die preisgünstigsten können „sehr gute“ Ergebnisse erreichen.

Discount-Zahnpasten können überzeugen

Das Putz- und Aufhellungsergebnis sollte selbstverständlich das wichtigste Kaufkriterium sein. Sinnvollerweise unterscheidet man aber auch noch das Maß des Zahnabriebs: Denn Menschen mit schmerzempfindlichen Zahnhälsen sollten eher eine Zahnpasta mit geringem Abrieb wählen. Auch für sie gibt es eine „gute“ Alternative, wenn auch nicht gerade zum günstigsten Preis.

Dies sind die Testsieger: Bei mittlerem Abrieb liegt Aldi (Nord) mit Eurodont Fresh & White (Gesamtnote 1,3, 52 Cent pro 100 ml) vorn, dichtauf gefolgt von Kaufland K-Classic Dental Zahnweiß und Norma Dentabella Zahnweiss (jeweils Note 1,4, 52 Cent). Bei hohem Abrieb liegt Netto Marken-Discount/Diadent Whitening fresh (Endnote 1,6, 52 Cent) knapp vor Lidl/Dentalux Complex 5 Seidenweiss plus (1,7, 52 Cent) und Signal Crystal White (1,7, 1 Euro).

Für empfindliche Zahnhälse gibt es mit niedrigem Abrieb nur ein Produkt: Odol-med3 White&Shine (Endnote 2,0, 2,65 Euro pro ml). Auch diese Zahnpasta entfernt Zahnverfärbungen also gut – und besser als die explizit ebenfalls für empfindliche Zahnhälse gedachten Sensitive-Zahncremes, die „Test“ vor einiger Zeit bewertet hatte.

Zugesetzte Substanzen entfernen Farbstoffe

Die Prüfer testeten selbstverständlich auch die Fähigkeit, Karies mittels Fluoridzusatz zu vermeiden sowie mikrobiologische Qualität, Verpackung, Seriosität der Werbeversprechen und die richtige Deklaration der Inhaltsstoffe. Bei der Fähigkeit der Aufhellung nutzten sie ein Farbmessgerät, mit dem sie eingefärbte Zähne vor und nach der Reinigung erfassten.

Die aufhellende Wirkung der Cremes beruht darauf, dass diese ein dünnes Häutchen vom Zahn entfernen, das „Schmelzoberhäutchen“ (Pellikel). Das bildet sich schon Sekunden nach dem Putzen und schützt den Zahn beispielsweise vor Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Im Pellikel lagern sich auch Farbstoffe aus Tee, Tabakrauch oder Rotwein ein. Das färbt die Zähne gelb bis bräunlich.

Das regelmäßige Entfernen des Häutchens scheint den Zähnen nicht zu schaden, da es wieder regeneriert wird, entfernt aber regelmäßig auch die im Pellikel eingelagerten Farbstoffe. Fast alle aufhellenden Cremes im Test schaffen das mit ihren Pellikel-lösenden Stoffen besser als Universal-Zahnpasten, sagen die Tester.

Professionelle Reinigung hilft mit

Die Zähne bleiben folglich länger hell, aber eben mit der Einschränkung: nur so hell, wie die Zähne nun mal von Natur aus sind. Auch wenn die Zähne mit dem Alter das im Inneren des Zahns liegende dunklere Dentin durchschimmern lassen oder wenn der Zahn durch eine Wurzelkanalbehandlung nachdunkelt, lässt sich das nicht mehr aufhellen.

Wer die bestmögliche Helligkeit anstrebt, kann beim Zahnarzt eine professionelle Zahnreinigung vornehmen lassen. Die hat zudem den großen Vorteil, dass sie der Parodontitis vorbeugt. Das Entfernen der hartnäckigen Plaques nimmt Bakterien den Lebensraum und schützt so auch das Zahnfleisch und den Zahnhalteapparat im Kiefer. So braucht man im vorgerückten Alter erst später Zahnersatz.

Wer seine naturgegebene gelbliche Zahnfarbe nicht akzeptieren mag, dem bleiben nur Bleichmittel (Zahnaufhellung, „Bleaching“). Experten raten hier von Experimenten mit im Internet bestellten Präparaten ab, sie können die Zähne schädigen.

Die vollständigen Testergebnisse finden Sie im Oktober-Heft von „Test“ oder auf www.test.de/zahnpasta