Testergebnisse

Lesen mit E-Paper war nie so komfortabel

Viele E-Book-Reader bieten eine gute Qualität. Der Käufer muss sich aber für ein Kaufsystem entscheiden: ein offenes, mit Zugang auch zu Bibliotheken oder das geschlossene, bequemere von Amazon.

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Geschäfte der Buchhändler laufen schlecht, bei den großen Ketten und erst recht in den kleinen Buchhandlungen, die oft nur mit ganz wenig Personal und überlangen Diensten der Inhaber, also Selbstausbeutung, überleben können.

Schuld am schwächer werdenden Geschäft ist weniger die generelle Leseunlust der Deutschen als vielmehr der wachsende Markt der E-Books und das zunehmende Lesen auf elektronischen Geräten. Da konkurrieren E-Book-Reader mit Tablet-PCs und – in geringerem Maß – mit Smartphones. So leistungsfähig die intelligenten Handys und ihre Displays sind: Längere Texte auf ihnen zu lesen ist kein großes Vergnügen. Möglich ist es immerhin.

Doch bei E-Book-Readern hat sich in letzter Zeit Einiges getan. Die Zahl der Anbieter ist gewachsen, der Vorreiter Amazon mit seinem „Kindle“ (engl. „brennen“, „entfachen“, Interesse wecken“) hat Konkurrenz bekommen. Und die ist nicht zu unterschätzen, zeigt das Februar-Heft von „Test“.

Die Berliner Stiftung Warentest hat insgesamt neun Geräte prüfen lassen. Deren Preise reichen von zirka 80 bis knapp 240 Euro. Einer der Reader bietet eine Farbdarstellung. Die Testergebnisse zeigen, dass das Rennen der Hersteller spannend bleibt, sieben von neun Readern liegen qualitativ eng beieinander. Der Kindle von Amazon hat die Nase weiter ein bisschen vorn, dicht auf den Fersen ist jedoch der Tolino von der Deutscher Telekom und den Buchhandelsketten Thalia, Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann.

Das Farb-Display konnte nicht überzeugen

Und das sind die Qualitätsurteile der Stiftung Warentest in Kürze: Amazon Kindle Paperwhite 2 kommt mit der Endnote 1,5 gerade noch auf ein „sehr gut“ (mittlerer Preis 129 Euro). Das Kindle-Gerät mit dem Zusatz „3G“ (189 Euro) ist weitgehend baugleich, kann aber Bücher ohne Zusatzkosten auch per Mobilfunk laden.

Es folgen Tolino Shine 2 (Note 1,7, 100 Euro), Kobo Aura (1,9, 149 Euro), Kobo Aura HD (1,9, 165 Euro), Pocketbook Touch Lux (2,0, 129 Euro), Sony PRS-T3 (2,0, 139 Euro), Trekstor Pyrus 2 Led (3,6, 80 Euro) sowie der einzige Reader mit Farbdisplay Pocketbook Color Lux, der mit einer Endnote von 2,7 und einem relativ hohen Preis von etwa 240 Euro gegenüber dem Hauptfeld abfällt. Den Ausschlag gab hauptsächlich der Teiltest Bildqualität. Die Tester bewerteten die Farben als flau und die Schrift als unscharf.

Die Frage bleibt natürlich: Ist ein Farbdisplay sinnvoll? „Test“ vertritt die Sichtweise, dass für textlastige elektronische Bücher Schwarzweiß-Anzeigen ausreichen und Unschärfen hier nicht hinnehmbar sind. Für bunte Bilder und Magazine seien indes Tablet-PCs ohnehin besser geeignet.

Das offene System ermöglicht Zugriff auf öffentliche Bibliotheken

Die Technik der Schwarz-Weiß-Anzeigen ist dem neuen Test zufolge deutlich besser geworden. Bis auf das Trekstor-Produkt haben alle Reader einen berührungsempfindlichen Touchscreen, und bis auf das Sony-Gerät haben alle eine Hintergrundbeleuchtung, die das Lesen auch in dunkler Umgebung leicht macht. Das Hintergrundlicht sei gleichmäßiger geworden, so „Test“, das „elektronische Papier“ sei kontrastreicher geworden und reagiere bei der Bedienung rascher als früher.

Die Hardware ist die eine Sache, eine andere die Software und Organisation des Lesevergnügens. Wer sich einen E-Book-Reader zulegt, sollte zuvor genau darauf achten, auf welches System und welchen Dienseanbieter er sich einlässt. Denn die allermeisten elektronischen Bücher kommen mit einem Kopierschutz aufs Gerät.

Amazon ist bequemer und hat das größte Buch-Angebot

Da gibt es mehrere konkurrierende Systeme, es dominieren das amazon-eigene „AZW“ und „Adobe Digital Edition“. Der große Vorteil von Adobe: Der Leser kann Bücher von mehreren Anbietern herunterladen, etwa von Thalia, Weltbild, Hugendubel, www.buch.de und www.buecher.de, und sich außerdem bei der zunehmenden Zahl an öffentlichen Bibliotheken bedienen.

Wer also den Tolino etwa bei Hugendubel kaufte, kommt mit der neuen Firmware 1.3 auch problemlos auf Bücher zugreifen, die bei buch.de angeboten werden. Auch den aktuellen Lesestand merken sich Bücher auf dem Tolino.

Der Kindle hingegen lädt nur E-Bücher von Amazon – der kalifornische Hersteller hat ein „geschlossenes System“. Allerdings punktet Amazon mit besonders komfortabler Verwaltung und dem aktuell größten Buchangebot, schreibt „Test“. Doch Tolino hole bei der Benutzerfreundlichkeit auf, er sei eine „ernstzunehmende Alternative“ geworden.