Massenställe

Tierärzte setzen 1734 Tonnen Antibiotika ein

Erstmals gibt es genaue Zahlen zum Einsatz von Antibiotika in der Tiermast in Deutschland. Ein Minister spricht von „Horror-Zahlen“.

Tierärzte haben im vergangenen Jahr 1734 Tonnen Antibiotika verschrieben, das meiste davon für Masttiere und Milchvieh. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichte am Dienstag die 2011 zum ersten Mal bundesweit erfasste Vergabe von Antibiotika. Sie ist wegen möglicher gesundheitsschädlicher Folgen für Menschen umstritten und gilt als Indikator für eine nicht artgerechte Haltung in Massenställen. Das Gros der Antibiotika sei in der Agrarwirtschaft verbraucht worden, sagte eine Behördensprecherin.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel sprach von „Horror-Zahlen“. „Ich bin zutiefst erschrocken. Erneut haben wir es schwarz auf weiß, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast die Regel ist“, teilte der Grünen-Politiker mit. Er warf Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) vor, den Kampf gegen die exzessive Antibiotika-Vergabe auf die lange Bank zu schieben. In der von ihr vorgelegten Novelle des Arzneimittelgesetzes fehle eine klare Zielvorgabe für die Verringerung des Antibiotika-Einsatzes.

Der Deutsche Bauernverband wertete dagegen die Zahlen als Beleg für den verantwortungsvollen Umgang der Landwirte und Tierärzte mit den antibakteriellen Arzneien. Dies sei eine gute Basis für weitere Schritte im Umgang mit der Antibiotika-Vergabe. Bedauerlich sei aber, dass der Medikamenten-Einsatz nicht nach Tierarten aufgeschlüsselt worden sei. Außerdem sei unklar, wie groß der Anteil der in der Landwirtschaft eingesetzten Medikamente und der für „Hobbytiere„ sei.

Im vergangenen Jahr war in Nordrhein-Westfalen festgestellt worden, dass bei der Hähnchenmast fast alle Tiere mit dem Medikament behandelt wurden. Der BUND hatte zudem eine Stichprobe veröffentlicht, nach der in Hähnchenfleisch antibiotika-resistente Keime gefunden wurden. Dies wird auf den massenhaften Einsatz von Medikamenten zurückgeführt. Die resistenten Keime können auch für Menschen gefährlich werden.

Im Januar hatte das Bundesagrarministerium erste Konsequenzen aus dem Skandal um die exzessive Vergabe der antibakteriellen Mittel in der Tiermast gezogen und eine Novelle des Arzneimittelgesetzes auf den Weg gebracht. Demnach sollen Tierärzte verpflichtet werden, die Vergabe von Antibiotika genau zu dokumentieren. Außerdem sollen die Bestimmungen zur Verabreichung des Mittels verschärft werden.