Funkausstellung

Berliner Elektronikmesse lockt mit Haushalts-Hightech

Massagesessel, Smartfernseher oder Haushaltsroboter? Junge Frauen interessieren sich auf der Funkausstellung vorwiegend für Haushaltsgeräte.

Foto: Reto Klar

Zugegeben: Die Mehrzahl der auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) anzutreffenden Frauen sind Hostessen. Sie sitzen in knappen Zweiteilern in Whirlpools, wo sie mit wasserdichten Tablet-PCs spielen, um sich dann von interessierten Schülergruppen fotografieren zu lassen.

Andere üben sich in den Disziplinen Showbügeln, Showstaubsaugen oder sitzen in knappen Camouflage-Hotpants auf einem Panzer, um Handylautsprecher im Handgranaten-Look zu präsentieren. Was sie von den beworbenen Produkten halten, erfährt man in der Regel nicht. Sie lächeln nur und verweisen auf die deutlich ziviler angezogenen männlichen Messestandmitarbeiter

Die 22-jährige Carolin Lenz aus Lichtenberg hat letztes Jahr selbst auf der Ifa gearbeitet: "Aber nicht als Hostess", sagt sie. Rumstehen ohne Aufgabe sei nichts für sie. Dieses Jahr kommt sie zum ersten Mal als Besucherin zur Funkausstellung. "Ich finde interessant zu sehen, was es Neues gibt. Auch wenn ich mir als Studentin die meisten Sachen nicht leisten kann", sagt sie.

Ihr Interesse gelte vor allem den Haushaltsgeräten. Sie habe gerade einen Smoothie aus einem geräuscharmen Entsafter probiert, den sie sich eventuell kaufen würde. Ansonsten interessiere sie sich sehr für Kühlschränke. Welche neuen Designs es gebe und was da so alles hinein passen würde.

"Smartphone lenkt schon genug ab"

Die Ausstellungsmacher haben offenbar mit solchen Fragen gerechnet. Neben einer Wand von silbrig glänzenden Kühlschränken ist eine Vitrine aufgebaut, innen stapeln sich beachtliche Mengen Plastikkäse. Die Aufschrift verrät, dass 2142 Stück in jedem der ausgestellten Kühlschränken Platz finden würden.

Carolin Lenz geht weiter. Vor einer Reihe Waschmaschinen bleibt sie stehen. Ihr Kommentar: "Die Maschinen dieses Herstellers sind wirklich gut. Die haben eine Funktion, die in 15 Minuten Blusen und T-Shirts wäscht. Das ist praktisch." Dann zieht eine Großbildleinwand sie in ihren Bann. Auf der wird ein Smart-Fernseher vorgestellt, der neben dem Fernsehprogramm auch Skype, Facebook und kleine Spiele zu bieten hat.

Carolin Lenz, die Volkswirtschaft studiert, ist fasziniert davon, was alles möglich ist. Doch sie ist auch skeptisch. "Ich finde, dass ein Smartphone schon genug ablenkt."

In einer anderen Halle werden Haarstylinggeräte vorgeführt. Ein Hersteller hat seinen Stand wie einen bunten Friseursalon eingerichtet. Die 18-jährige Julie aus Dresden hat Platz genommen und sich ihre Haare in Korkenzieherlocken legen lassen. "Ich finde, das funktioniert ganz gut und allzu teuer ist das Glätteisen auch nicht", sagt sie.

Zur Ifa gekommen sei sie aber, um sich die neuen Elektroherde anzusehen, die eigenständig erkennen, wo Töpfe aufgestellt wurden und dann nur dort heizen. Um ihren Hals baumelt eine Spiegelreflexkamera. Sie will die interessanten Neuerungen festhalten.

Waschmaschinen gegen Milben

Auch Carolin Lenz hat sich die Haare in Korkenzieherlocken legen lassen. "Wer weiß, ob man das zu Hause auch so hinbekommt?", sagt sie. An einem weiß-pinken Stand sind elektrische Wimpernzangen und Gesichtsbefeuchter ausgestellt.

Lenz liest ein Ausstellungsschild vor: "Elektrische Schallzahnbürste. Mehr als 31.000 Schwingungen pro Minute", steht darauf geschrieben. Sie zuckt mit den Schultern. "An Beauty-Produkten wird viel angeboten, was man nicht braucht. Mir reicht der Rasierer meines Freundes."

Auch die Berliner Studentinnen Theresa und Caro gehen an den "Schönheitshelfern" vorbei. Sie tragen Taschen mit Infobroschüren und Gratis-Kochrezepten über den Schultern. Die Kommunikationsdesignstudentin Theresa freut sich über einen Warmhaltebecher, den sie zum Kaffee kostenlos dazu bekommen hat.

"Ich interessiere mich neben der Art und Weise wie die Produkte präsentiert werden, vor allem für Haushaltsgeräte", sagt sie. Besonders die Waschmaschinen, die Milben abtöten, findet Theresa innovativ. Ihre 21-jährige Freundin Caro ist von den neuen Gemüseschneidemaschinen beeindruckt. "Das ist schon faszinierend, wie präzise und schnell das geht", sagt sie.

Nach den Waschmaschinen und Gemüseschneidern sind blaue Cocktails dran. Die würde ein Küchengerätehersteller einmal in der Stunde ausgeben, sagen die Studentinnen. Die Drinks würden mit einer neuartigen Maschine gemixt.

Unübersichtliches Angebot

Was werden sie sich sonst noch ansehen? Die Trockner, die die Wäsche während des Trocknens beduften vielleicht, den Haustierstaubsauger mit Fadenheber oder den Home-Sevice Roboter der SMS verschickt, wenn man vergessen hat, den heimischen Herd auszustellen? "Haben wir alles nicht gesehen", sagt Theresa. Das Angebot sein sehr breit gefächert und unübersichtlich.

Das Highlight der Damen befindet sich in Halle 3.1 und heißt Massagestuhl. Wer sich in einen der mehrere hundert Euro teuren Sessel traut, bekommt einen Ganzkörpervibrationsschleudergang. "Das ist genau das Richtige nach einem anstrengenden Messetag", meint Theresa und Carolin Lenz kann da nur zustimmen: "Wenn ich mir einen der hier ausgestellten Artikel wünsche könnte, dann so einen Massagestuhl."

Von dem Einsatz des Deutschen Zolls am Montag blieben die jungen Frauen unbehelligt. Ein Unternehmen hatte bei Herstellern aus China und Südkorea Patentrechtverletzungen festgestellt. Ein Behördensprecher gab an, dass die Einsätze in der Vergangenheit Wirkung gezeigt hätten. Vor vier Jahren habe die Berliner Zollfahndung noch fünf LKW-Ladungen mit Unterhaltungselektronik abtransportieren müssen, sagte er.

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