Hirnforschung

Sechsjährige können noch nicht gerecht teilen

Wenn Kinder mit anderen nicht teilen wollen, geschieht das nicht unbedingt aus Egoismus. Vielmehr ist ihr Gehirn einfach noch nicht weit genug entwickelt. Das haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts herausgefunden

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Wenn Sechsjährige nicht fair teilen, geschieht das nicht immer aus Egoismus. Das kindliche Gehirn einfach noch nicht weit genug entwickelt. Das fanden Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften heraus.

Das haben Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften herausgefunden. "Da sich eine für die Verhaltungskontrolle wichtige Hirnregion, der sogenannte präfrontale Kortex, erst sehr spät voll entwickelt, ist faires Teilen noch im Grundschulalter leicht gesagt, doch schwer getan", schreiben die Forscher um Nikolaus Steinbeis im amerikanischen Fachjournal "Neuron".

Die Wissenschaftler baten 174 Schulkinder zwischen sechs und 13 Jahren zu zwei aus der Spieltheorie bekannten Experimenten: dem Diktator- und dem Ultimatumspiel. Bei beiden muss geteilt werden. Im Diktatorspiel kann der Empfänger nur passiv annehmen, was ihm gegeben wird. Beim Ultimatumspiel kann er ablehnen, wenn ihm das Angebot nicht passt. Dann allerdings fällt für beide Beteiligte eine Belohnung weg.

"Uns interessierte, ob die Kinder fairer teilen würden, wenn ihr Gegenüber das Angebot ablehnen konnte und inwiefern solche strategischen Anpassungen des Verhaltens von Alter und Gehirnentwicklung abhängig sind", erklärte Steinbeis. Tatsächlich machten die älteren Kinder beim Ultimatumspiel fairere Angebote, während die jüngeren Kinder zwischen den Situationen kaum irgendwelche Unterschiede machten.

Messungen der Hirnaktivität brachten dann weitere wichtige Erkenntnisse: Je älter die Kinder waren, desto stärker wurde der sogernannte laterale präfrontale Kortex aktiv. Diese Hirnregion reift erst spät in der Kindesentwicklung voll heran. Dass Kinder selbst dann nicht fair teilen, wenn es strategisch klug wäre, hat nach Ansicht der Forscher demnach nichts mit mangelndem Verständnis oder mit Egoismus zu tun, sondern erklärt sich aus der späten Entwicklung einer Gehirnregion, die für die Kontrolle von Impulsen wichtig ist. Die neuen Befunde könnten wichtig für die Pädagogik sein, sagen die Leipziger Forscher. Etwa wenn es darum geht, pädagogische Strategien zur Förderung eines sozialverträglichen Verhaltens von Kindern zu entwickeln.

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