Bilanz 2011

Hinter Berlin liegt ein Wetterjahr der Extreme

Der Winter lässt in Berlin zum Jahresausklang 2011 weiter auf sich warten. Dabei lagen im Februar noch 32 Zentimeter Schnee. Die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus. Im Sommer mussten viele Berliner dagegen zum Regenschirm greifen.

Foto: AFP

Ein verregneter Juli, lang anhaltende Trockenperioden im April und frostige Wintertage zum Jahresanfang: So fällt die Wetterbilanz 2011 des Internetportals www.wetter.info für Berlin aus. Den Meteorologen zufolge war es ein Jahr der Extreme und Rekorde. Bereits Anfang Januar sorgte das Wetter für Chaos in Berlin: Heftige Regenschauer fielen auf gefrorenen Boden und bildeten sofort Glatteis.

Knochenbrüche und Stillstand im Januar

Die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus, Buslinien wurden zeitweise eingestellt, am Flughafen Tegel ging nichts mehr, zahlreiche Fußgänger stürzten auf glatten Gehwegen und brachen sich Arme oder Beine. Die Temperaturen blieben eisig: Bei minus 12,8 Grad Celsius lag der Jahrestiefstwert im Februar. Gleichzeitig bedeckten bis zu 32 Zentimeter Schnee die Dächer und Straßen. Schon zwei Monate später konnten sich Strandbars und Eisverkäufer über einen warmen April freuen.

Eine Durchschnittstemperatur von 12,5 Grad und eine Sonnenscheindauer von 217 Stunden lockten viele Berliner an die frische Luft. Ende Mai wurde der Jahreshöchstwert von 32,7 Grad gemessen. Viel zu trocken war es in den ersten fünf Monaten des Jahres. Die Niederschlagsmenge betrug nur 135 Liter pro Quadratmeter. 2010 waren es noch 175 Liter. Das bekamen vor allem die Landwirte zu spüren, die Ernteausfälle beklagten. Insbesondere bei Getreide und Raps mussten Brandenburger Bauern Ausfälle hinnehmen. Nur der Mais hat die Trockenheit einigermaßen verkraftet. Das Regendefizit führte auch zu erhöhten Staubwerten in der Luft.

Ein nasser Juli

Besonders nass war es dafür ausgerechnet im Sommermonat Juli: 22 Regentage zählten die Meteorologen. Mehrere Tiefdruckgebiete brachten 202 Liter Regen pro Quadratmeter, starke Gewitter und sogar Hagelkörner. Der Regenschirmmonat verdarb nicht nur die Wochenenden und freien Tage der Berliner und der Touristen in der Stadt. Die Leidtragenden waren auch Freibäder und Biergärten. Ebenfalls kein Grund zur Freude: Das nasse Wetter sorgte für einen Schub an Mücken, Wespen und Schnecken im August und September.

Die lästigen Insekten konnten sich unter für sie optimalen Bedingungen entwickeln. Für den verregneten Sommer entschädigte der warme Herbst mit Höchstwerten bis zu 28,4 Grad. Auch wenn es sich im Rückblick anders anfühlen mag: An 41 Tagen im Jahr kletterten die Temperaturen auf über 25 Grad. Als Rekordmonat geht der November in die Klimastatistik ein. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es noch nie so trocken und sonnig zugleich. Es gab 139 Sonnenstunden, im Jahr zuvor waren es lediglich 25. Mit weniger als einem Liter Regen pro Quadratmeter war es auch extrem trocken.

Wasserpegel zu niedrig

Deutschlandweit behinderten sinkende Wasserpegel die Fluss-Schifffahrt. Schiffe konnten nicht voll beladen werden oder mussten den Betrieb ganz einstellen. Gewinner des warmen Herbstes sind Wildtiere wie Hasen. Die sonst übliche nasskalte Witterung setzt den Tieren zu, schwächt sie und macht sie anfällig für Krankheiten. Doch dank des milden Novembers konnten Hasen und Co in bester Verfassung in den Winter gehen.

Insgesamt gab es in diesem Jahr rund 78 Frosttage in Berlin – fast ein Viertel des gesamten Jahres fiel das Thermometer unter Null Grad. Der Winteranfang war etwas milder als im vergangenen Jahr. Zuletzt kletterten die Temperaturen sogar auf bis zu 9 Grad – keine Chance auf eine weiße Weihnacht. Erst am Freitag soll es zumindest etwas kälter werden . Die Temperaturen bleiben aber auch nachts bei knapp über Null Grad.