El Hierro

Vor der Kanareninsel rumort ein Unterwasser-Vulkan

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Seit Monaten kommen die Einwohner von El Hierro nicht zur Ruhe: Vor der Insel entstand ein Vulkan. Und der könnte nun auch noch ausbrechen.

Urzeitliches Spektakel vor der Küste der kanarischen Insel El Hierro: Schon seit Ende Oktober herrscht hier Unruhe – Rund 2,5 Kilometer vom Land entfernt spuckt das Meer Gesteinsbrocken in die Luft. Asche und Schlacke verfärben das Wasser grau, braun und grün. Tote Fische treiben auf der Wasseroberfläche. Mehr als 10.000 schwächere Erdbeben hielten die etwa 11.000 Insulaner zudem seit Mitte Juli in Schach.

Am Wochenende verzeichnete die kleinste der Kanareninseln dann zwei Beben in der Stärke von 3,9 und 4,4. Die Regionalregierung hat daraufhin Häuser evakuiert und Straßen gesperrt. Die spanische Regierung schickte vorsorglich Zelte, eine Feldküche und mobile Toiletten auf die Insel, um im Notfall über 2000 Menschen versorgen zu können.

Was passiert hier? Bei El Hierro wird ein Vulkan geboren. Anfang Oktober hatte ein Magma-Ausbruch auf dem Meeresboden eine vulkanische Erhebung im Atlantik aufgeschüttet. Die Besatzung des spanischen Forschungsschiffes „Ramón Margalef“ entdeckte den Unterwasser-Vulkan in 300 Metern Tiefe und vermaß das Gebilde mit Hilfe von elektroakustischen Geräten.

Wie das Madrider Forschungsministerium mitteilte, ist der Vulkan etwa 100 Meter hoch und hat an seinem Sockel einen Durchmesser von 700 Metern. Der Krater sei etwa 120 Meter breit. Die Wissenschaftler vom staatlichen Institut für Ozeanographie (IEO) betonten, dies sei weltweit das erste Mal, dass ein Vulkan auf dem Meeresgrund so kurze Zeit nach seiner Entstehung erforscht werden konnte.

Nach der Geburt des Vulkans folgt nun womöglich der erste Ausbruch. Die Regionalregierung schließt das nicht aus. „Es kann passieren, steht aber nicht unmittelbar bevor“, sagte eine Sprecherin. Dafür sprechen jedoch auch erhöhte CO2-Werte, die Wissenschaftler nach Abgaben der spanischen Regierung in der Region gemessen haben.

Derweil bedeckt ein Asche-Teppich, größer als die 270 Quadratkilometer zählende Insel selbst, das Meer. Der Magma-Austritt löste ein großes Fischsterben aus.

„Das betroffene Seegebiet ist anscheinend ohne Fische“, sagte der Meeresbiologe Alberto Brito. Der Austritt von Gasen und Magma-Partikeln habe dazu geführt, dass dem Meerwasser der Sauerstoff fehle. Daran seien zuerst die größeren Fische gestorben, die viel Sauerstoff benötigen, und später die kleineren.

( dpa/AFP/db )